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Roth will keine Festung Europa aufbauen

Hemmingen-Westerfeld Roth will keine Festung Europa aufbauen

"Wir können nicht zusehen, wie die europäischen Werte im Mittelmeer ertrinken", sagte Claudia Roth. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages hat am Dienstagabend vor rund 70 Gästen in Hemmingen-Westerfeld über die zurzeit weltweit 65 Millionen Flüchtlinge und Fluchtursachen gesprochen. 

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Diskutieren über Flüchtlinge und Fluchtursachen: Sozialdezernent Erwin Jordan (von links), Moderatorin und Vorsitzende der Regionsgrünen Frauke Patzke, Bundestagsabgeordnete Claudia Roth und die Vorsitzende der Hemminger Bündnisgrünen Dorit Miehe.

Quelle: Tobias Lehmann

Hemmingen-Westerfeld. "Wir können keine Festung um unseren Kontinent bauen und zusehen, wie die europäischen Werte im Mittelmeer ertrinken." Das sagte die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth, die auf Einladung der Hemminger Bündnisgrünen in der Aula der Grundschule sprach.

Zurzeit seien weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Ursachen seien unter anderem Krieg, Gewalt, Diskriminierung oder Perspektivlosigkeit. Eine noch größere Gefahr gehe jedoch von der Klimaerwärmung aus. "Sollte die Temperatur weltweit nur um 1,5 Grad steigen, gehen Experten von bis zu 500 Millionen Flüchtlingen aus", sagte Roth. Gerade die Industrienationen müssten sich jetzt fragen, was dagegen unternommen werden kann.

Sozialdezernent Erwin Jordan (Grüne) ging auf die Situation in der Region Hannover ein. "Es ist genug Platz da. Wir können noch mehr Flüchtlinge aufnehmen", sagte er. Es gebe zurzeit eher strukturelle Probleme. Dadurch, dass Flüchtlinge in viele Ortschaften verteilt wurden, seien an fast jeder Schule Flüchtlingskinder. Doch es gebe nicht genug Ressourcen, um an jeder Schule die angemessene Betreuung zu gewährleisten.

Jordan kritisierte auch die zunehmende Bürokratie. "Bisher mussten die Kommunen selbst sehen, wie sie zurecht kommen. Das hat funktioniert", sagte er. Doch jetzt habe die Bundesregierung Zeit gehabt und ein Integrationsgesetz gemacht, das eine schnelle Integration verhindere. So können jetzt freie Stellen nicht mehr den Flüchtlingen direkt angeboten werden, sondern seien von der Region an die Bundesanstalt für Arbeit zu melden. "Dort wird dann zunächst in Ausschüssen darüber abgestimmt. Das dauert viel zu lange", kritisierte Jordan.

Harald Paul, Ratsherr der Grünen in Hemmingen, betonte, dass es angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit wichtig sei, demokratische und weltoffene Werte vor Ort in den Kommunen zu vertreten. "In Hemmingen ist das bei allen Parteien der Fall", sagte er. Claudia Roth bedankte sich bei den Hemmingern. "Manche Entwicklungen auf der Welt sind besorgniserregend. Doch solche Abende laden meinen Akku immer wieder auf", sagte sie.

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Rund 70 Zuhörer hören der Diskussion in der Aula der Grundschule Hemmingen-Westerfeld zu.

Quelle: Tobias Lehmann
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