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Bussenmutter war für Spiegeleibrot berühmt

Hiddestorf Bussenmutter war für Spiegeleibrot berühmt

Borchers, Farke, Hatesur oder Sauthoff: Früher gab es gleich mehrere Geschäfte und auch Gaststätten in Hiddestorf. Hobbyhistoriker Daniel Schlößer zeigte jetzt bei der Mitgliederversammlung des DRK zahlreiche historische Fotos von den früheren Betrieben - und erntete dafür viel Begeisterung.

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Mit einem Lieferwagen wurden die Molkereierzeugnisse transportiert.

Quelle: Archiv Schlößer

Hiddestorf. "Zu Tante Minna haben wir immer unser ganzes Taschengeld gebracht", klingt es aus dem Publikum. Viele der älteren Mitglieder des DRK können sich noch gut an die alten Zeiten erinnern. "Der Laden war Tante Minnas ganzes Leben", berichtet Daniel Schlößer. "Sie hat ihn erst geschlossen, als sie schon weit über 80 Jahre alt war."

Schlößer ist in Hiddestorf aufgewachsen und will die Geschichte des Dorfes bewahren. Dazu sammelt er alte Fotos und Dokumente aus dem Ort, die er seit 2002 auf der Homepage www.hiddestorf.de veröffentlicht. "Die Veränderungen Hiddestorfs im Laufe der Jahre gehören zu den Schwerpunktthemen", sagt Schlößer, der mit der Webseite Überlieferungen und längst Vergessenes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will.

Anfang März hat er bei der Mitgliederversammlung des DRK in der Begegnungsstätte zahlreiche alte Fotos von den Geschäften und Gaststätten gezeigt, die es früher im Ort gab - ein willkommener Anlass für die rund 50 Besucher in Erinnerungen zu schwelgen.

Bei Tante Minna wurden die letzten Groschen geopfert

Die meisten Hiddestorfer kennen das Geschäftshaus Sauthoff unter dem Namen "Tante Minna". Bei den Kindern war der Laden an der Hauptstraße besonders beliebt - denn neben Lebensmitteln gab es auch Süßigkeiten. "Wenn geschlossen war, konnte man auch hintenrum gehen und bei Tante Minna klopfen", erinnert sich Daniel Schlößer. "Dann bekam man auch am Wochenende Süßigkeiten."

Zucker und Mehl wurden abgewogen

Bei Friedrich Farke an der Hauptstraße 55 konnten die Hiddestorfer Colonialwaren, Eisenwaren und Baumaterialien kaufen. Mehl und Zucker wurde in Schubladen aufbewahrt und vor dem Verkauf abgewogen. Anfang der 1970-er Jahre schloss das Geschäft. Das Haus wird seitdem als Wohnhaus genutzt. Ab 2008 beherbergte die Hauptstraße 55 jedoch wieder ein Geschäft. In Bootsys Lädchen bot Olaf Müller Feinkost und Dekoartikel an. Nach einigen Jahren schloss jedoch auch dieser Laden.

1931 kaufte die erste Kundin Tee

1924 wurde das Wohnhaus „Auf der Masch“ erbaut. Im Dezember 1931 gründete Heinrich Borchers dort das Geschäftshaus Borchers. Die Einrichtung hat der Tischler selbst gebaut. Die erste Kundin war laut den Recherchen von Daniel Schlößer Frieda Meißner, geborene Hatesur, die ein Paket Tee kaufte. Der Verkaufsraum befand sich zu dieser Zeit noch in der ehemaligen Werkstatt des Hauses. 1950 wurde er in einen neuen, vergrößerten Anbau verlegt. Im Dezember 1956 feierte das Geschäftshaus Heinrich Borchers sein 25-jähriges Jubiläum. 1965 übergab Heinrich Borchers den Laden an seinen Sohn Herbert, der es weitere 22 Jahre lang betrieb, bis es 1987 endgültig geschlossen wurde.

Geschäftshaus Hatesur

Im Gemischtwarenladen Hatesur, später Stürmann, an der Ihmer Straße gab es Spirituosen, Haushalts- und Tabakwaren sowie nicht verderbliche Lebensmittel wie Zucker und Mehl. "Süßigkeiten gab es bereits ab 1 Pfennig", weiß Daniel Schlößer noch. Daher war der Laden vor allem bei den Hiddestorfer Kindern sehr beliebt. "Frau Stürmann führte das Geschäft bis in die achtziger Jahre, glaube ich", sagt Schlößer. Dann gab sie den Betrieb aus Altersgründen auf.

Milch und Joghurt kamen aus Hiddestorf

Die Molkerei Hiddestorf entstand um das Jahr 1900. Gründer war der Schweizer Josef Bruhin. 1933 kaufte der bekannte Sahnehändler Gustav Hamer aus Hannover die Molkerei. Bei der Übernahme wurden ausschließlich Butter und Sahne hergestellt. 1939 wurde die Molkerei mit mehreren anderen in der Region auf Frischmilch umgestellt. Damit wollten die Nationalsozialisten die Versorgung der Bevölkerung sicher stellen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Molkerei um einen Anbau erweitert. Nach Kriegsende entstand dann das Kesselhaus mit Schornstein auf der anderen Landwehrseite.

Ab 1950 führten August Binnewies und Else Hamer den Betrieb. Mitte der 1950-er Jahre wurde die Molkerei in Richtung Dorfmitte erweitert. Doch der Platz reichte nicht lange aus. 1962 wurde auf der grünen Wiese ein Neubau errichtet, der 1964 bezogen wurde. Mit der Fertigstellung wurde das alte Gebäude zum Verpackungslager. Mit dem Neubau wurde die Produktpalette um Joghurt und Dessertprodukte erweitert. Zu Spitzenzeiten wurden 250.000 Verpackungseinheiten pro Tag hergestellt.

1977 schloss sich der Betrieb dem Frischli Verbund an. Doch die Produktion rechnete sich nicht mehr. 1978 wurde die Molkerei geschlossen, die Gebäude verpachtet und verkauft. Heute stehen auf dem Gelände Wohnhäuser.

Beliebter Treffpunkt unter der Linde

Das Gasthaus Zur Linde war früher ein beliebter Treffpunkt an der Ihmer Straße. "Unter anderem fanden dort regelmäßig die Sitzungen der Feuerwehr statt", weiß Daniel Schlößer. Das Lokal verdankt seinen Namen einer großen Linde, die auf einem Foto von 1934 noch vor dem Haus zu sehen ist. Später wurde die Linde gerodet.

Eine Windmühle war Namensgeber

Bekannt war die Mühlenschänke in Hiddestorf auch als Gasthaus Hagemeister. Auch wenn heute auf weiter Flur keine Mühle zu sehen ist, verdankt das Lokal seinen Namen einer Windmühle, die früher in der Umgebung des Gebäudes stand, dort, wo sich heute Kleingärten befinden.

Hier regierte die Bussenmutter

Das Landgasthaus Busse hat eine über 200-jährige Geschichte. Es war das Vereinslokal des Männergesangvereins Concordia Hiddestorf. Von 1921 bis 1966 führte es Auguste Busse, die von den Hiddestorfern auch liebevoll die “Bussenmutter” genannt wurde. Berühmt war sie vor allem für ihr Brot mit Schinken und Spiegelei, das es fast zum Selbstkostenpreis gab. 1966 traten Helga und Alwin Gerlach ihre Nachfolge an. Das Gasthaus erhielt eine neue Fassade und wurde modernisiert.

Hier wurden alle Feste gefeiert

Wenn es etwas zu feiern gab, wurde das im Hiddestorfer Krug getan, der einst unter dem Namen Goldener Löwe eröffnet wurde. Das Gasthaus an der Hauptstraße hatte einen großen Saal, in dem alle Feste ausgerichtet wurden - vom Silvesterball über Kinoaufführungen bis zum Feuerwehrfest. Aber auch Kaninchen- und Geflügelausstellungen sowie Schulaufführungen wurden im Saal ausgerichtet. Für Jugendliche gab es ab den 1970-er Jahren einen Flipperautomaten und einen Krökeltisch. Die Gaststätte hatte bis zum 1. März 1994 geöffnet. Danach wurde das Gebäude abgerissen. Heute stehen Mehrfamilienhäuser auf dem Gelände.

Auch in Ohlendorf gab es ein Gasthaus

Nicht nur in Hiddestorf, auch in Ohlendorf gab es einst ein Lokal. Das Gasthaus Stanze stand an der Straße nach Arnum. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt.

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Von Stephanie Zerm

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