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Wälder vernetzen als Ausgleich für B-3-neu

Hemmingen Wälder vernetzen als Ausgleich für B-3-neu

Wo heute Feld ist, soll bald ein Wald sein: Das Deveser Holz und das Bürgerholz sollen miteinander verbunden werden. Dies ist eines der Gebiete, um einen Ausgleich für die versiegelten Flächen zu schaffen, die beim aktuellen Bau der B3-Ortsumgehung in Hemmingen entstehen.

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Die Teilnehmer der Stadtgespräch-Veranstaltung machen vor einer Ausgleichsfläche für die B-3-neu (im Hintergrund) Halt.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Doch die Landwirte sind über das Vorhaben nicht ganz glücklich. Das Feldstück, das dann verbleiben wird, lasse sich schlecht bewirtschaften, erläuterte Dirk Wulkopf am Montagabend beim „Stadtgespräch on tour“ der Hemminger Bündnisgrünen. Er ist Vorstandsvorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Arnum-Hemmingen. „Wir haben bei der Flurbereinigung versucht die Fläche nach Westen zu verschieben, doch sie bleibt an der alten Stelle.“ Teilnehmer des Stadtgespräches fragten, ob anstatt der rechteckigen Fläche auch eine in L- oder Z-Form möglich sei. Wulkopf entgegnete, dann würde das Feld teilweise im Schatten des Waldes liegen. Die Naturschutzbund-Gruppe Hemmingen befürwortet das Zusammenwachsen der beiden Wälder, unter anderem für die dortige Vogel- und Laufkäferwelt. Nabu-Mitglied Inge Scherber erläuterte, bei einer Verschiebung nach Westen müssten Amphibien zum Laichen über den Acker. Die Gefahr sei groß, dass die Tiere mit Pflanzenschutzmitteln, die den Wirkstoff Glyphosat erhalten, in Kontakt kämen. Die Landlebensräume der Amphibien liegen im Bürgerholz und im Deveser Holz westlich der Kreisstraße 225 (Devese-Ohlendorf) und die Laichgewässer östlich dieser Straße.

Weitere Ausgleichsflächen: Weil für den Bau der 7,5 Kilometer langen B3-Umgehungsstraße Flächen versiegelt wurden und bis 2019 noch werden, ist in der Deveser Feldmark bereits Ersatz gepflanzt worden. Es gibt zwei eingezäunte Ausgleichsgebiete an einem Feldweg in der Verlängerung der Straße Am Spielfeld. Eine befindet sich vor und die andere hinter Ebelings Teich. Sie sind mittlerweile so bewachsen, dass Spaziergänger die angelegten kleinen Teiche vom Feldweg aus gar nicht mehr erkennen können. Teilnehmer des Stadtgesprächs bezeichneten die beiden Gebiete zwar grundsätzlich als „Eldorado für die unterschiedlichsten Tiere“. Die Meinungen über die Ausgleichsfläche, die näher an den Wohnhäusern von Devese liegt, gingen jedoch auseinander. Denn zuvor war sie eine Feuchtwiese und wurde als wertvoll für den Naturschutz eingestuft. Kritiker meinten, dort würde nun auf Kosten einer wertvollen Fläche Ausgleich geschaffen. „Wir müssen irgendwo eine Fläche haben, also nehmen wir die“, umschrieb Scherber das Motto. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, das Gebiet komplett zu Wald werden zu lassen. Die Pläne seien aber verworfen worden. Scherber sagte, dort gebe es nicht nur eine Erdkrötenpopulation von bis zu 4000 Tieren, sondern auch die nach EU-Recht streng geschützten Kammmolche. Die zweite von Deveses Häuser entfernter liegende Ausgleichsfläche war früher Wiese. Zuständig für die Pflege beider Flächen ist die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Hemminger Grünen wollen jetzt eine Anfrage stellen, um zu erfahren, was bei beiden Flächen an Pflege notwendig ist, wer dies wann übernimmt und wer dies kontrolliert. Auch für die Stadt seien die Ausgleichsflächen wichtig, erläuterte die Fraktionsvorsitzende Ulrike Roth und nannte das Pflanzen von Hecken in dem Gebiet als Beispiel. Dies sei im neuen Landschaftsplan der Stadt zu berücksichtigen. Wendehammer geplant: In der Feldmark zwischen Devese und Ohlendorf soll ein Wendehammer angelegt werden. Landwirte wollen ihn für ihre breiten Maschinen nutzen. Die Naturschutzbund-Gruppe Hemmingen kritisiert, dass für den rund 600 Quadratmeter großen Wendehammer ein Grasweg zum Schotterweg wird. Dirk Wulkopf gab für die Landwirte zu bedenken, dass die Fahrt mit dem Sattelzug dort bei Nässe schwierig sei. Jagdpächter Uwe Völksen erklärte, ein solcher mit Rüben sei bereits umgekippt und musste abladen, um wieder fahrbereit zu sein. Zurzeit fahren die Landwirte auf dem Grasweg auf gerader Strecke hinein und rückwärts wieder hinaus. Wulkopf erläuterte, dass es auch die Idee gegeben habe statt eines Wendehammers den Weg bis zur Kreisstraße zwischen Devese und Ohlendorf zu führen. Dadurch würde jedoch eine Ringverbindung entstehen, die so attraktiv für die Naherholung wäre, dass das Wild im Wald nicht mehr ungestört bliebe.

Debüt geglückt: Mit dem Debüt von „Stadtgespräch on tour“ zeigten sich die Grünen sehr zufrieden. „Trotz Hitze kamen viele Interessierte“, zog die Fraktionsvorsitzende Ulrike Roth Bilanz. Die etwa 20 Teilnehmer hätten nicht nur viel Wissenswertes über die Ausgleichsflächen für die B-3-neu erfahren. „Auch ich als Kommunalpolitikerin habe viele Anregungen erhalten.“ Wenn es zum Thema passe, werde das Stadtgespräch erneut unter freiem Himmel stattfinden. Die Reihe gibt es bereits seit März 2015 und war seither 20-mal immer in geschlossenen Räumen. Beim jetzigen Thema aber bot sich ein Spaziergang zu den Ausgleichsflächen an, der in der Abendsonne von Vogelgezwitscher und Froschquaken, aber auch von Mückenstichen begleitet wurde.

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