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Gemischtes Doppel beim Weißen Ring

Harkenbleck Gemischtes Doppel beim Weißen Ring

Sabine und Albert Porth haben nach 20 Jahren die Leitung der Außenstelle des Weißen Rings abgegeben. Die Organisation hilft Kriminalitätsopfern. Nachfolger ist Manfred Henze.

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Sabine und Albert Porth haben jetzt mehr Zeit, um ihren schönen Garten mit Blick in die Feldmark zu genießen.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Das Ehepaar Sabine (72) und Albert Porth (74) aus Harkenbleck hat 20 Jahre die Außenstelle Hannover-Land des Weißen Rings geleitet, der Kriminalitätsopfern hilft. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Mitwirken in Präventionsräten. In der Außenstelle sind zwölf Ehrenamtliche tätig. Bereits seit 26 Jahren engagiert sich das Harkenblecker Ehepaar im Weißen Ring. Nachfolger ist Manfred Henze (63) aus Poggenhagen, der bis zu seinem Ruhestand Ende Juni das Kommissariat Neustadt geleitet hat. Im Interview erzählt das Ehepaar Porth über ein Engagement, das oft bis an die Grenzen der Belastung geht.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Sind Sie jetzt erleichtert?

Albert Porth: In gewissem Maße ja. Wir mussten uns schließlich zeitnah um Hilfe kümmern. Jetzt bleibt mehr Zeit unter anderem für Hobbys. Wir bleiben aber beide als Mitarbeiter tätig. Ich bin jetzt stellvertretender Außenstellenleiter.

Nennen Sie bitte drei Eigenschaften, die man für die Leitung einer solchen Außenstelle mitbringen sollte!

A. Porth: Gute und schnelle Koordination.

Sabine Porth: Aufmerksam zuhören. Und man sollte ein funktionierendes Netzwerk aufbauen können.

Die Leitung als Ehepaar ...

A. Porth: ... hatte berufliche Gründe. Als Professor für Biomathematik und Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover und als Mitglied im Kirchenvorstand war es zeitlich nicht möglich, dass ich die Aufgabe allein bewältige. Als gemischtes Doppel aber schon.

S. Porth: Es war von großem Vorteil.

Inwiefern?

S. Porth: Wir konnten uns auch darüber austauschen. Es ist sehr wichtig, dass man sich manches vor einem Vertrauten von der Seele redet.

Wie nah darf man die Fälle an sich herankommen lassen?

A. Porth: Nah, aber nicht zu nah.

S. Porth: Eine Begleitung über mehrere Jahre kommt nur in seltenen Fällen vor. Oft empfiehlt es sich, andere Mitarbeiter des Weißen Rings einzubeziehen oder zusätzlich weitere fachliche Hilfe, zum Beispiel durch Therapeuten und Rechtsanwälte, zu vermitteln.

Was hat sich bei Ihrer Arbeit beim weißen Ring in den 26 Jahren verändert?

A. Porth: Die Zahl der gemeldeten Fälle häuslicher und sexueller Gewalt hat zugenommen. Und Internetkriminalität tritt häufiger auf.

Hat sich auch mal jemand aus ihrem Heimatort an Sie gewandt?

S. Porth: Das gab es, und wir haben ihm Diskretion zugesichert.

Sind Sie beide mal Opfer einer Straftat geworden?

A. Porth: Gott sei Dank nie.

Hatten Sie eine Repression aus dem Umkreis der Opfer zu befürchten?

S. Porth: Sie meinen, dass der Täter merkt, dass wir dazu beitragen, dass sich sein Opfer stabilisiert? Nein, es gab keine Repressalien.

A. Porth: Aber die potentielle Gefahr ist natürlich immer da.

Zwei Fälle, die das Ehepaar Porth stark berühren

Albert Porth: „Die elfjährige Jenni wird von ihrem Vater über mehrere Jahre in Abwesenheit der Mutter sexuell missbraucht. Mutter und Jenni ziehen aus der Wohnung aus. Jenni wird psychotraumatologisch behandelt. Als ich das Geld vom Weißen Ring für die Umzugskosten der Mutter überbringe, versucht sie, Jenni die Haftstrafe des Vaters zu erklären. Jenni antwortet ruhig: ,Ich möchte nicht, dass mein Papa ins Gefängnis kommt, ich hab’ ihn doch lieb. Ich möchte nur, dass er das nicht mehr tut.‘“

Sabine Porth: „Eine junge Frau meldete sich, weil sie ihren seit Jahren gewalttätigen Mann verlassen wollte. Ich vereinbarte mit ihr ein Treffen. Um Abstand zu gewinnen und nachzudenken, fuhr sie mit ihren beiden Kindern zu einer Freundin nach Süddeutschland. Danach wollte sie sich wieder melden. Zwei Wochen hörten wir nichts. Bis ich in der Zeitung las, dass die Frau vor den Augen ihrer Kinder von ihrem Mann erstochen wurde.“

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