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Handwerk hat das Dorfleben geprägt

Hiddestorf/Ohlendorf Handwerk hat das Dorfleben geprägt

Welche Handwerksberufe gab es früher in Hiddestorf und Ohlendorf? Bewohner aus beiden Stadtteilen erinnern sich und stellen fest: Handwerksgeschichte ist immer auch Dorfgeschichte.

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Heinrich Lange hat für seinen Vortrag ein altes Bügeleisen mitgebracht.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Was für eine handfeste Liste: Zig Namen von Handwerkern in Hiddestorf im Jahr 1689 stehen darauf. Darunter sind bekannte Berufe wie Schneider, aber auch Garnkäufer - das waren Kaufmänner - und Kreppbänder, die gekräuselte Bänder etwa für Kronen und Blumen hergestellt haben. Gaststätten gab es in Hiddestorf schon immer viele. Drei Krüger, also Gastwirte, sind auf der Liste von 1689 genannt, die die rund 40 Besucher des zweiten Männerfrühstücks der Nikolai-Kirchengemeinde im Hiddestorfer Gemeindezentrum jetzt zum Staunen brachte.

Hiddestorf hatte seinerzeit nur rund 500 Einwohner - wie kamen die Handwerker trotzdem über die Runden?, fragten sich die Zuhörer. Eine Erklärung: Die meisten Handwerker betrieben ein wenig Landwirtschaft, was zusätzliches Geld einbrachte. Auch aus Ohlendorf gibt es eine Übersicht aus dem Jahr 1689: Leineweber, Schafmeister, Schäferjunge, Schneider, Krüger, Kuhhirte und Schafhirte.

Auch in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, als Hiddestorf etwa 1300 Einwohner hatte, war die Liste mit 33 Betrieben noch umfangreich. Vier Schuhmacher und je drei Friseure und Bäcker gab es. Hinzu kamen unter anderem je zwei Schneider und Schmiede, die Molkerei, ein Uhrmacher, eine Sattlerei, eine Stellmacherei und ein Fahrradservice. Fünf Schlachter boten Hausschlachtungen an. Die Geselligkeit konnten die Bewohner in vier Gaststätten in Hiddestorf und einer in Ohlendorf pflegen. Die 1870 gebaute Mühle am Ortsrand prägte in dieser Zeit das Bild nicht mehr - sie war bereits in den Dreißigerjahren abgerissen worden.

Heutzutage gibt es nur noch wenige Handwerksbetriebe. Woran das liegt, erläuterte Heinrich Lange als einer der Referenten bei dem insgesamt zweistündigen Vortrag. „Wenn sich Technik verändert, verändert sich auch der Beruf“, sagte er. Sein Vater Heinrich Lange betrieb eine Schneiderei in Hiddestorf. Wurden früher Fenster und Türen beim Tischlermeister gefertigt, werden sie heute in Fabriken hergestellt. Lange ergriff den Beruf des Gürtlers, heute Metallbildner. Er hatte ein altes Bügeleisen aus dem elterlichen Betrieb mitgebracht, das mit Holzkohle gefüllt wurde, während Jürgen Brinkmann an einem Nähross zeigte, wie vor 80 Jahren damit gearbeitet wurde. Sein Großvater hatte 1897 die Sattlerei und Polsterei Brinkmann gegründet. Ein weiterer Vortragender war Friedrich Lambrecht, dessen Vater Bäcker war. Er demonstrierte unter anderem mit einem Becher und dem Klopfen auf den Tisch, wie die Meisterfeier zelebriert wurde.

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