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Stadt stellt neues Integrationskonzept vor

Hemmingen Stadt stellt neues Integrationskonzept vor

Rund 150 Gäste haben die Informationsveranstaltung zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in der KGS Hemmingen besucht. Die Verwaltung informierte über den aktuellen Stand. Vertreter der Polizei und der Region
Hannover warnten vor einer Vorverurteilung der Flüchtlinge.

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Walburga Gerwing informiert im Forum der KGS über das Konzept zur Integration.

Quelle: Tobias Lehmann

Hemmingen. Aus Sicht von Christoph Badenhop, Leiter des auch für Hemmingen zuständigen Kommissariats in Ronnenberg, kippte die Stimmung in Deutschland nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln. Dort kam es zu Übergriffen auf Frauen, an denen auch Asylbewerber beteiligt waren. Seitdem seien die Vorurteile über die Flüchtlinge gewachsen. „Wenn ein Polizist sich falsch verhält, gilt das dann gleich auch für alle Polizisten?“, fragte Badenhop am Montagabend in der KGS. Er warnte davor, die Flüchtlinge als „anonyme Masse“ anzusehen. Sie sollten als Individuen entsprechend menschenwürdig behandelt werden.

Wenn ab Juli die Sammelunterkunft an der Heinrich-Hertz-Straße in Hemmingen-Westerfeld mit bis zu 170 Flüchtlingen belegt wird, fährt die Polizei dort nicht verstärkt Streife. „Wir fahren jetzt häufiger Streife, weil es in den vergangenen Wochen mehrere Einbrüche gab. Der Einzug von Flüchtlingen ist kein Grund dafür“, sagte Badenhop.

Der Sozialdezernent der Region Hannover, Erwin Jordan, formulierte als Motto für die nächsten Monate: „Wir sollten die Nerven behalten, die Nase nicht zu hoch tragen und schauen, was zu tun ist“. Er berichtete von seinen Erfahrungen mit Flüchtlingen in den vergangenen Monaten. „Ich kenne Flüchtlingsfamilien, die mussten monatelang in Turnhallen leben, in denen nachts nicht einmal das Licht ausgeschaltet werden konnte. Vielerorts kriegen wir es im Moment nicht einmal hin, die einfachsten humanitären Standards aufrecht zu erhalten“, sagte er. Dies sollten sich Bürger bewusst machen, die behaupten, für Flüchtlinge werde alles getan.

Neues Integrationskonzept

Es gibt keinen Bereich der Verwaltung mehr, der sich nicht mit Fragen zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen befasst. Das sagte Bürgermeister Claus Schacht während der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt zu diesem Thema am Montagabend in der KGS. Er lobte auch die ehrenamtlichen Helfer des Netzwerks für Flüchtlinge. „Für deren Unterstützung können wir uns gar nicht oft genug bedanken“, sagte er.

Fachbereichsleiter Sven Bertram informierte über den aktuellen Stand. Zurzeit leben in Hemmingen 308 Flüchtlinge. Diese sind in allen sieben Stadtteilen untergebracht. Die Stadt hat zu diesem Zweck mittlerweile 47 Wohnungen angemietet und sechs Immobilien erworben, jeweils drei Wohnungen und drei Häuser. „Wir bevorzugen im Moment das Mieten, um flexibler zu bleiben“, sagte Bertram.
Vier vom Deutschen Roten Kreuz betriebene Sammelunterkünfte für bis zu 280 Personen stehen der Stadt zur Verfügung. Sie liegen alle im Gewerbegebiet in Hemmingen-Westerfeld. Zwei werden bereits von jeweils 40 Flüchtlingen bewohnt. Die beiden weiteren werden in den nächsten Monaten bezogen. Dazu gehört auch die bisher größte Sammelunterkunft in der Stadt an der Heinrich-Hertz-Straße 23. In das dreistöckige Gebäude werden ab Juli bis zu 170 Flüchtlinge einziehen. Dort wird auch eine von der Stadt betriebene Gruppe zur Kinderbetreuung eröffnet.

Fachbereichsleiterin Walburga Gerwing informierte anschließend über das Integrationskonzept, das die Stadt erarbeitet hat. Es gliedert sich in sechs Säulen: Beratung und Betreuung, ehrenamtliches Engagement, Sprachförderung, Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt sowie Partizipation und Teilhabe. Zentral für die Integration sei es, den Flüchtlingen eine Aufgabe zu geben. „Sie sind meist hoch motiviert und wollen arbeiten, um auch auf eigenen Füßen stehen zu können“, sagte Gerwing. Das Problem sei, dass Flüchtlinge in den ersten drei Monaten bundesweit weder arbeiten noch ein Praktikum machen dürfen.

Weitere Details zur Unterbringung der Flüchtlinge sowie zum Integrationskonzept stehen auf der Internetseite der Stadt stadthemmingen.de.

Heldermann wird Koordinator für Flüchtlingsarbeit

Die Stadt hat als erste Kommune der Region Hannover einen Koordinator für Flüchtlingsarbeit beauftragt. Die Aufgabe übernimmt der ehemalige Gehrdener Bürgermeister Hermann Heldermann. „Ich werde die Schnittstelle zwischen der Verwaltung und ehrenamtlichen Helfern sein und die verschiedenen Aktionen koordinieren“, sagt Heldermann. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema wird der Hemminger übernehmen. „Ich will durch konkrete Informationen zu geplanten Projekten den Bürgern auch die Angst vor Veränderungen nehmen“, sagt er.

Heldermann steht auch als Ansprechpartner für Hemminger zur Verfügung, die sich aktiv einbringen wollen oder Vorschläge haben, die die Integration erleichtern können. Er will seine Arbeit in einigen Wochen auch ausführlich der Öffentlichkeit vorstellen.

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