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Flüchtlingsthema dominiert die Diskussion

Hemmingen Flüchtlingsthema dominiert die Diskussion

Bürgermeister Claus Schacht hat vor rund 80 Gästen die Pläne der Stadt zur Unterbringung von Flüchtlingen erläutert. Diese stießen nicht bei allen Gästen auf Zustimmung. In der emotionalen Diskussion wurden Stimmen laut, die Ängste ausdrückten, zum Teil aber auch offen fremdenfeindlich waren.

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Rund 80 Besucher diskutieren im Bürgersaal des Rathauses in Hemmingen-Westerfeld über Flüchtlinge.

Quelle: Tobias Lehmann

Hemmingen-Westerfeld. Eigentlich hatte Schacht geplant, über die großen Projekte der Stadt zu sprechen, wie den Neubau der B3, die Verlängerung der Stadtbahn oder auch den diesjährigen Haushalt. Die Unterbringung von rund 160 Flüchtlingen ab Juni in der Sammelunterkunft im Gewerbegebiet in Hemmingen-Westerfeld sollte nur ein Aspekt seiner Rede sein. Doch es blieb das einzige Thema beim politischen Bürgertreff der SPD am Mittwochabend im Bürgersaal des Rathauses.

Statt der sonst üblichen 20 kamen 80 Gäste zu der monatlichen Veranstaltung. Nicht alle Aussagen des 90-minütigen Bürgertreffs waren sachlich und durch Fakten untermauert. „Wir sind von den Flüchtlingen überfordert“, sagte eine Frau. Schacht fragt konkret nach, inwiefern sie überfordert sei. Die Besucherin sagte: „Ich bin nicht überfordert, aber wir sind überfordert.“

Eine andere Besucherin sagte: „Ich habe nach den Vorfällen Silvester in Köln als Frau Angst.“ Schacht sagte, dass die Stadt die Ängste der Bürger ernst nehme. Allerdings habe es in Hemmingen noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem ein Flüchtling sich strafbar gemacht habe. Dennoch rief ein Mann zur „Verteidigung Deutschlands“ auf. Schacht sagte, dass auch er die Probleme bei der Integration angesichts der Masse von Flüchtlingen sehe. „Doch mein Weg ist es, pädagogisch und nicht diskriminierend zu argumentieren“, sagte er.

Für die Sammelunterkunft an der Heinrich-Hertz-Straße im Gewerbegebiet werde ein Sicherheitsdienst engagiert, dessen Mitarbeiter sich im Gebäude aufhalten werden. Dabei gehe es auch um den Schutz der Flüchtlinge vor rechter Gewalt. „Die Sicherheit ist keine Einbahnstraße, sondern gilt in beide Richtungen. Ich persönlich habe mehr Angst vor Nazis als vor Flüchtlingen“, sagte Schacht und bekam von den meisten Anwesenden Applaus dafür.

In der Diskussion meldete sich auch ein Schüler der KGS zu Wort und rief dazu auf, sich in die Lage der Flüchtlinge zu versetzen. Er bot der Frau, die Angst vor den Flüchtlingen hat, ein Gespräch über andere Sichtweisen an. „Ich kann ihnen helfen“, sagte er und streckte ihr die Hand hin. Sie lehnte das Angebot aber ab. „Das bringt doch nichts“, sagte sie.

Schacht wies auch auf die intensive Betreuung der Flüchtlinge durch das Netzwerk für Flüchtlinge, wie auch das DRK hin, das die Einrichtung im Gewerbegebiet betreiben wird. Zudem habe die Stadt jetzt einen ehrenamtlichen Koordinator bestellt. Er soll Kontakt zur Verwaltung, dem Netzwerk für Flüchtlinge wie auch Flüchtlingen halten, damit einzelne Projekte untereinander optimal abgestimmt werden können.

Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Unterbringung von Flüchtlingen temporär sein wird. „Ich rechne damit, dass wir uns vier bis fünf Jahre damit befassen müssen“, sagte er. Bis dahin bleibt die Schaffung von Wohnraum jedoch ein Problem. “Wir kaufen im Moment alles, was geeignet ist“, sagte er. Die Stadt verschulde sich dadurch, schaffe aber gleichzeitig auch Werte. Die Häuser können nach Verlassen der Flüchtlinge verkauft oder auch für andere Zwecke der Stadt genutzt werden. Schacht betonte, dass die Stadt dringend auf weitere Angebote zur dezentralen Unterbringung angewiesen ist. „Sonst haben wir ab dem Sommer ein Problem“, sagte er.

Die Stadt lädt zu einer Informationsveranstaltung rund um die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen am Montag, 29. Februar, in die KGS ein. Die Uhrzeit steht noch nicht fest. Bei der Veranstaltung wird auch ein Vertreter der Polizei Stellung zu Fragen der Sicherheit nehmen.

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