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Sch-Laute sind besonders schwierig

Hemmingen Sch-Laute sind besonders schwierig

Deutsch in Kleingruppen lernen: Die erste Bilanz des Hemminger Netzwerkes für Flüchtlinge nach einem Vierteljahr fällt positiv aus. So werden bei jedem Treffen durchschnittlich 14 Teilnehmer unterrichtet. Zurzeit sind zwölf unterschiedliche Nationen vertreten.

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Rosemarie Fries (links) und Eberhard Wolckenhaar (links hinten) bringen Flüchtlingen deutsche Grundbegriffe bei. Karten mit Symbolen und bunte Perlen (kleines Bild), um Farben zu benennen, helfen dabei.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Es ist ein munteres Stimmengewirr in der städtischen Begegnungsstätte an der Göttinger Straße in Arnum. Jeden Dienstag- und Donnerstagvormittag sitzen Rentner und Pensionäre den Flüchtlingen in Kleingruppen gegenüber. An einem Tisch werden einer Familie gerade die Wochentage auf Deutsch beigebracht, an einem anderen Tisch dreht sich alles um Räume in einem Haus.

„Frontalunterricht wäre wegen des unterschiedlichen Wissensstandes nicht angebracht“, sagt Barbara Kiene vom Netzwerk. „Wir sind Deutschvermittler. Es geht hier nicht um die perfekte Grammatik, sondern darum, die ersten Begriffe beizubringen, damit sich die Flüchtlinge überhaupt erst einmal verständigen können.“ Dieses Angebot ist in Hemmingen einmalig. Alles darüber hinaus vermittelt dann später zum Beispiel die Volkshochschule in Kursen.

Die deutsche Sprache ist nicht einfach. Das weiß eine Familie aus Georgien nur zu gut. Ihre Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen - aus Angst vor der Verfolgung. „Die Sch-Laute sind schwierig“, sagt die 27-jährige Mutter. Der Vater (27) ergänzt: „Auch die Artikel - der, die, das - sind schwer.“ Der sechsjährige Sohn kommt nach den Sommerferien zur Schule. Er freut sich schon.

„Notfalls müssen wir mit Händen und Füßen agieren“

Das georgische Alphabet hat nichts mit lateinischen Buchstaben zu tun. Die Helferin vom Netzwerk lobt den Fleiß der Familie: „Vor einem halben Jahr, als sie hierher kamen, konnten sie kein Deutsch. Und jetzt kennen sie schon die wichtigsten Grundbegriffe.“ Das komme nicht von ungefähr. Die Familie übersetzt zum Beispiel in ihrer Wohnung in Arnum, um die Sprache zu trainieren, mithilfe des Internets georgische Kinderbücher ins Deutsche. Abschreiben ist offenbar ein gutes Training. Eine andere Helferin berichtet, dass ein Flüchtling den Artikel „Flüchtlinge reparieren Räder“ aus den Leine-Nachrichten Anfang dieses Monats abgeschrieben habe.

Barbara Kiene betont, dass - auch wenn viele der Helfer Englisch und Französisch beherrschen - grundsätzlich Deutsch gesprochen werden soll. „Notfalls müssen wir mit Händen und Füßen agieren.“ Unter den Teilnehmern seien auch Analphabeten. Als Unterrichtsmaterial dienen unter anderem bedruckte Karten zum Beispiel mit Obst sowie bunte Perlen für die Zuordnung der Farben.

Angebot wird dankbar angenommen

Mehr als 40 Helfer gehören dem Netzwerk an, davon engagieren sich 20 Frauen und Männer in den Deutschstunden. Es gibt weitere Helfer, die mitmachen möchten. Da sie berufstätig sind, kann der Unterricht aber nur abends stattfinden. „Wir prüfen das“, sagt Kiene. Die Stadt informiert die Flüchtlinge über das Angebot des Netzwerkes. Die Teilnahme ist keine Pflicht, aber viele nehmen die Möglichkeit, die es seit Juni gibt, dankbar an und kommen dienstags und donnerstags in die Begegnungsstätte. Kiene sagt: „Die Frauen, Männer und Kinder kommen mit Begeisterung. Das macht wiederum uns große Freude.“

Hilfe für die Helfer: Am Freitag, 4. September, werden Helfer des Deutschkurses, aber auch andere Interessenten ganztägig geschult. „Erstorientierung Unterricht mit Flüchtlingen – Sprachvermittlung als Alltagshilfe“ lautet das Thema. Die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung entsendet dafür eine Referentin nach Hemmingen. Interessenten melden sich bei Barbara Kiene unter Telefon (05101) 4822 an. Diese Rufnummer können auch Helfer für die Kinderbetreuung während der Deutschstunden wählen, die dringend gesucht werden. Eigene Kinder können mitgebracht werden.

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