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Das Ergebnis ist absolut inakzeptabel

Hemmingen Das Ergebnis ist absolut inakzeptabel

Für seine Partnerschaft mit der schottischen Kleinstadt Lanark muss sich Hemmingen nicht schämen: Die Schotten haben mit überwältigender Mehrheit gegen den Brexit gestimmt. Ed Archer (68), Abgeordneter (Independent) im regionalen South Lanarkshire Council, spricht mit Redakteurin Kim Gallop über seine ersten Reaktionen.

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Glühender Europäer: Ed Archer (68) ist Abgeordneter aus Hemmingens Partnerstadt Lanark.

Quelle: privat

Hemmingen. Mr. Archer, was sagen Sie zu dem Ergebnis?

Ich bin in einem Trauerzustand. Ich habe tatsächlich einen schwarzen Schlips angelegt. Das ist einer der schlimmsten Tage – nicht nur in der Geschichte von Britannien, sondern auch in der Geschichte von Europa.

Was sind Ihre Befürchtungen?

Die Ergebnisse könnten zum Zerbrechen der Europäischen Union (EU) führen, weil andere Nationen Britannien folgen könnten. Für uns wird der Brexit ernste wirtschaftliche Konsequenzen haben. London wird nicht mehr der Nabel der europäischen Finanzwelt sein. Viele Menschen werden ihren Job verlieren. Ausländisches Geld wurde in Firmen in Britannien gesteckt, um Zugang zu europäischen Märkten zu haben, zum Beispiel von Nissan. Diese Firmen werden abwandern. Dazu kommen Probleme in der Forschung – gerade im Bereich Raumfahrt oder Medizin. Unsere Studenten werden nicht mehr das Recht haben, an europäischen Universitäten zu studieren. Was passiert mit dem Erasmus-Programm, das Auslandsaufenthalte an Universitäten fördert? Die Touristen kommen nicht mehr zu uns, weil die Flüge zu teuer sind. Und die Vereinbarung über eine europaweite Krankenversicherung für Touristen gilt auch nicht mehr.

Europa-Gegner beklagen, dass viele Vorschriften aus Brüssel zu eng angelegt sind. Vielleicht ist eine neue Lässigkeit gar nicht so schlecht ...

Wichtige Rechtsgüter sind jetzt bedroht. So viele gute Initiativen der EU werden verloren gehen. Die Rechte von Frauen, die Rechte von Arbeitnehmern werden nicht mehr respektiert. Es wird keine europäischen Gesetze zum Schutz der Umwelt mehr geben. Was glauben Sie, wie lange es gedauert hat, unsere Strände zu reinigen!

Wird der Ausstieg aus der Europäischen Union Schottland besonders hart treffen?

Viele unserer Farmer verkaufen ihre Schafe und Rinder auf dem europäischen Markt. Sie werden diese Märkte jetzt verlieren. Und es wird kein Geld von der EU mehr fließen, von dem bisher ärmere Regionen in Britannien profitiert haben – neben Schottland zum Beispiel auch Wales. Es ist absolut inakzeptabel, was da bei dem Referendum passiert ist.

Die Schotten stehen doch treu zur europäischen Idee. Ist das denn kein Trost für Sie?

Nein, denn es wird noch ein Referendum geben – in Schottland. Dieses Mal werden viele Menschen – ich wahrscheinlich auch – dafür stimmen, Großbritannien zu verlassen. Und dann wird Schottland die Mitgliedschaft in der EU beantragen. Wir möchten uns die Privilegien erhalten, die uns die EU bringt. Und wir Schotten möchten uns nicht an eine gescheiterte Nation wie Britannien ketten.

Wie konnte es zu diesem desaströsen Ergebnis kommen?

Es haben viele Menschen mit niedrigem Einkommen für den Brexit gestimmt. Sie finden keine Jobs, keine Häuser. Sie sind wütend und fühlen sich ungerecht behandelt. Der Grund für die Probleme sind nicht die Migranten, wie so oft behauptet wird. Aber Premierminister David Cameron hätte mit dem Referendum warten sollen, bis sich die Aufregung um die Flüchtlingskrise etwas gelegt hat. Das Timing für das Referendum war politischer Selbstmord!

Was für ein Bild haben Ihre Landleute allgemein von der EU?

In unserem Land gibt es ein großes Unwissen über Europa – und das schließt den Premierminister mit ein. Die meisten Leute kennen noch nicht einmal den Namen ihres Europaabgeordneten. Es wäre die Aufgabe der britischen Europaabgeordneten gewesen, den Menschen die Bedeutung von Europa zu erklären.

Glauben Sie, dass die Partnerschaft zwischen Lanark und Hemmingen unter dem Brexit leiden wird?

Nein, wir sind hier alle Europäer. Wir beabsichtigen, an der Partnerschaft mit Hemmingen und mit dem französischen Yvetot festzuhalten. Wir werden tun, was nötig ist, damit die Partnerschaft weiter besteht. Wir hier sehen die große Bedeutung der Freundschaft mit Deutschland und Frankreich.

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