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Autofahrer fahren bei Wildunfall oft weiter

Hemmingen-Westerfeld / Devese Autofahrer fahren bei Wildunfall oft weiter

Die Zahl der Wildunfälle, bei denen Autofahrer nicht anhalten, nehmen in Hemmingen zu. Daher bitten Jagdpächter diese nun, vor Ort zu bleiben, wenn sie ein Wildtier erfasst haben - auch wenn das Tier wegläuft. Denn oft quälen sich die schwer verletzten Waldbewohner noch lange, bevor sie sterben.

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Die Jagdpächter Uwe Völksen aus Devese (links) und Paul-Eric Stolle aus Hemmingen-Westerfeld suchen mit Schweißhund Monty nach angefahrenen Wildtieren.

Quelle: Stephanie Zerm

Hemmingen-Westerfeld /Devese. Der Rehbock, den Jagdpächter Uwe Völksen vor kurzem in seinem Revier in Devese fand, sah schlimm aus. "Er hatte offene Wunden und war bis auf sechs Kilo abgemagert", erzählt er. Er ließ das Tier im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) untersuchen. "Das hat herausgefunden, dass das Reh bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden ist", berichtet Völksen. Danach hat es sich offenbar noch lange mit starken Schmerzen gequält, bevor es verendet ist.

Auch Paul-Eric Stolle kennt solche Bilder. Er ist Jagdpächter in Hemmingen-Westerfeld und hat dort sowie in anderen Jagdrevieren verunfallte Tiere gefunden, die offenbar noch lange gelitten haben. "Einem Reh fehlte ein ganzes Bein, ein anderes hatte große offene Wunden", berichtet er. Vor allem auf der Weetzener Landstraße zwischen dem Lidl-Markt und dem Friedhof käme es oft zu Unfällen.

In diesem Jahr haben sowohl Stolle als auch Völksen in ihren Revieren bereits jeweils vier Wildunfälle zu verzeichnen - so viel wie in Hemmingen-Westerfeld im gesamten letzten Jahr.

Doch auch zu viel Mitgefühl könne den Tieren schaden. "Ich habe schon Autofahrer gesehen, die ausgestiegen sind und ein verletztes Tier in den Armen hielten", berichtet Völksen. Dies sei zwar gut gemeint, sorge bei scheuen Wildtieren aber für zusätzliche Panik. "Dann versuchen auch schwer verletzte Tiere, die sonst liegen geblieben wären, noch zu flüchten."

Um den Tiere helfen zu können, bitten die Jagdpächter Autofahrer, die ein Wildtier erfasst haben, vor Ort zu bleiben und die Polizei zu verständigen. "Sonst können sie sich auch wegen Fahrerflucht und dem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz schuldig machen", sagt Völksen.

Die Polizei markiert dann die Stelle, an der der Unfall geschah, und ruft den jeweiligen Jagdpächter, der sich auf die Suche nach dem verletzten Tier macht, um es zu erlösen.

Mit seinem Hannoverschen Schweißhund Monty ist Stolle auf die Suche nach verletzten Wildtieren spezialisiert. Der 6-jährige Rüde ist einer von lediglich vier Jagdhunden in der Region Hannover, der die mehrjährige Ausbildung für solche Nachsuchen absolviert hat. Bei seinen Einsätzen benötigt der Schweißhund kein Blut, um die Fährte aufzunehmen, sondern orientiert sich an den Duftstoffen, die die Tiere mit ihren Hufen absondern.

Stolle und sein Hund Monty sind in der gesamten Region im Einsatz, wenn es um das Finden von verletzten Wildtieren geht. Denn auch bei Jagden sind Jäger gesetzlich dazu verpflichtet, verletzte Tiere aufzuspüren und zu erschießen. "Mittlerweile werde ich aber immer öfter wegen Wildunfällen gerufen", berichtet Stolle.

Doch ohne den Beginn einer Spur ist auch der Suchprofi chancenlos. "Damit wir wissen, wo wir anfangen sollen, ist es wichtig, dass die Autofahrer vor Ort bleiben und der Polizei die Stelle zeigen, an der sie ein Wildtier erfasst haben", sagt Völksen, der immer mehr beobachtet, dass Autofahrer weiterfahren und erst später die Polizei verständigen. Doch dann ist es praktisch nicht mehr möglich, dass verletzte Tier noch zu finden. "Wir wissen dann oft gar nicht, wo wir suchen sollen", sagt Völksen. Wenn Autofahrer es sehr eilig hätten, würde es im Notfall schon reichen, wenn sie die Stelle mit einem Warndreieck, einer leeren Flasche oder anderen Dingen markierten, die sie gerade zur Hand hätten, erklärt der Jagdpächter aus Devese.

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Viele Rehe überleben Autounfälle schwer verletzt und leiden sehr lange, bevor sie verenden - wie dieses Reh, dem bei einem Verkehrsunfall ein Bein abgerissen wurde.

Quelle: privat

Von Stephanie Zerm

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