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Zaubernder Chirurg hilft auch Kindern in Rumänien

Hemmingen Zaubernder Chirurg hilft auch Kindern in Rumänien

Johannes Leonhardt hilft als Chirurg und erfreut mit seinen Auftritten als Zauberer viele Kindern. Dabei setzt er sich als langjähriges Mitglied der Rumänien AG in Hemmingen auch für Kinder und Jugendliche in Siebenbürgen ein.

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Johannes Leonhardt beim Auftritt vor Kindern der Gelben Schule am Moritzberg in Hildesheim.

Quelle: Julia Moras

Hemmingen. Elias wacht auf. Es geht ihm nicht gut. Über eine Infusion im rechten Arm rinnen Medikamente in den jungen Körper. Für einen Menschen, der gerade einmal zwei Jahre und zehn Monate alt ist, liegt er schon recht lange im Krankenhaus. Ärzte hatten eine schwer vereiterte Blinddarmentzündung festgestellt. Der blonde Junge musste operiert werden. Er ist auf dem Weg der Besserung, aber noch zu schwach für eine Rückkehr nach Hause. Und dann steht da auch noch Johannes Leonhardt im Kittel vor ihm und zieht einen bunten Luftballon aus der Tasche – und lenkt den Jungen von der Krankheit ab.

Leonhardt ist der Chef der Kinderchururgischen Ambulanz des Klinikums Braunschweig. Der 45-jährige Hildesheimer war bis vor wenigen Wochen Oberarzt am Bernward-Krankenhaus. Da sah man es nicht so gern, wenn er bei der Arbeit Luftballons aus der Tasche zog. Dabei tut Leonhardt dies gern. Denn der Arzt führt ein Doppelleben: Er ist seit vielen Jahren Chirurg. Aber er ist auch ein gefragter Zauberer, der in Schulen und Krankenhäusern der Umgebung auftritt, um Kinder zu erfreuen. Und um mit den Einnahmen weiteren Kindern zu helfen.

Leonhardt betritt die Schleuse zum Operationsbereich. „Eintritt für Unbefugte verboten“ steht an der Tür. Im Operationssaal befindet er sich jetzt im Modus „analysierend“. Die meisten seiner Arbeitstage beginnen mit Operationen. Rund 1000 Eingriffe werden er und seine Kollegen in der Abteilung am Ende des Jahres hinter sich gebracht haben.

Leonhardt hat selbst drei Kinder. Er hat sich auf die Innenseite seines linken Oberarms drei kleine Sterne tätowieren lassen. „Für jeden einen“, sagt er. Normalerweise sieht man die Sterne nicht. Aber wenn Leonhardt mit seinem Oberarm den Desinfektions-Spender betätigt, tauchen sie für einen kurzen Moment auf.

Wenn er als Zauberer Jonas durch Schulen oder Krankenhäuser tourt, kann man sie hingegen nicht sehen. Als Zauberer trägt er stets ein schwarzes Hemd mit silbernen Sternen. Als Jonas ist der habilitierte Mediziner, der demnächst wohl den Titel Professor im Titel führen wird, ein Spaßvogel. Er jongliert mit Keulen und Bällen zu lauter Musik. Er balanciert auf einem Hoverboard durch die Zuschauerreihen.

Die Vorführungen vor Schulklassen oder Patienten bereiten ihm Freude. Aber da ist noch mehr. Wer anfängt, sich mit den Ehrenämtern des Mannes zu beschäftigen, stößt auf ein Sammelsurium. Leonhardt ist seit neun Jahren Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Himmelsthür. Er ist auch im Vorstand von Ars Saltandi und der Rumänien-Arbeitsgruppe Hemmingen. Die AG setzt sich seit einem Vierteljahrhundert für sozial Schwache in Siebenbürgen ein. Als junger Student wollte er sich ehrenamtlich engagieren – wusste aber nicht, wo. Ein Pastor gab ihm damals den Rat, sich der Rumänien-Hilfe anzuschließen. Seitdem bringt sich Leonhardt hier ein.

Der Arzt war schon oft mit den anderen Helfern in Rumänien. Über seinem Schreibtisch hängt ein großes Bild aus dem Jahr 2013 von einem großen Zirkusprojekt in Siebenbürgen. Die Berichte darüber auf der Homepage der Initiative hat der Hildesheimer verfasst. Man wundert sich, wofür der schlanke Mann mit den melierten Haaren alles Zeit findet. Schließlich muss er auch als Leiter der Kinderchirurgie in der Regel als Erster kommen und als Letzter gehen.

Am Nachmittag beginnt Leonhardts Sprechstunde. In seinem Arbeitszimmer steht auf einem niedrigen Schrank ein Aufsteller. „Jetzt ist die Zeit, Träume wahr werden zu lassen“, ist darauf zu lesen. Der Spruch passt auf den ersten Blick so gar nicht zu einem Schulmediziner. Aber Leonhardt ist nicht nur Mediziner. Er ist auch Zauberer. Und einem solchen ist es erlaubt, Träume wahr werden zu lassen.

Oftmals kann es sogar helfen, das Leid zu lindern. Beim zweijährigen Elias zum Beispiel. Er muss noch einige Tage auf der Station verbringen. „Seit gestern lächelt er wieder“, erzählt seine Mutter, die zusammen mit ihrem Bruder, dem Onkel des Jungen, am Fußende des Bettes sitzt, während Leonhardt durchsichtige Seifenblasen durch den Raum schweben lässt. Auch der Appetit ist zurückgekommen. Neben dem Bett stehen ein Glas Gurken und eine offene Packung Pom-Bär. „Gurken isst er momentan am liebsten“, sagt die Mutter.

Leonhardt hört das gern. Aber er muss weiter. Der Tagesablauf ist eng getaktet. Wie er so durch die Krankenhausgänge geht, ist er wieder ganz leitender Arzt. Jonas ist jetzt sehr fern. Aber seine Zauberei scheint in dem Krankenhaus schon abgefärbt zu haben. Während Leonhardt sich anderen Aufgaben zuwendet, bleibt Elias auf dem Krankenlager zurück. Am Kopfende seines Bettes hält ein weißer Plastikhandschuh die Stellung. Die Assistenzärztin hat ihn irgendwann aufgepustet und einen Elefanten daraus geformt.

Waisen leben in Familienhäusern mit Pflegeeltern und Erziehern

Von Kim Gallop

Der gemeinnützige Verein Rumänien Arbeitsgruppe (AG) Hemmingen – „Ein Haus für Morgen“ arbeitet seit 1992. Mehr Infos gibt es unter www.ragh.de im Internet. Der Verein unterstützt seit 25 Jahren Waisen in Siebenbürgen, Rumänien. Unterschiedliche Projekte und Hilfslieferungen sollen die Menschen in der Stadt Keresztur und in den Dörfern der Umgebung helfen, den Kindern ein Leben in einer Familie zu ermöglichen, eine Schule besuchen zu können und einen Beruf zu erlernen. Familienhäuser sind die Hauptprojekte des Vereins: In 5 Häusern leben zur Zeit 54 Kinder und Jugendliche mit ihren Pflegeltern und Erziehern zusammen.

Das Team in Deutschland besteht ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern. In Rumänien hat der Verein 1,5 festangestellte Mitarbeiter und bezahlt eine Buchhalterin als Teilzeitkraft.Der Verein freut sich immer über aktive Hilfe. Auch ein kleiner Spendenbeitrag kann viel bewirken. Jedes Jahr besuchen die Vereinsmitglieder die Freunde, Mitarbeiter und die Familienhäuser in Rumänien. Gäste sind dabei immer willkommen.

Wer die Rumänien AG unterstützen möchte, kann im Verein Mitglied werden oder spenden: Sparkasse Hannover, IBAN: DE 6025 0501 8000 1501 2099, BIC: SPKHDE2HXXX.

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Johannes Leonhardt im Operationssaal. Auf der Liege haben kurz zuvor noch nacheinander zwei Jungen gelegen, die operiert werden mussten.

Quelle: HiHAZ

Von Christian Harborth

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