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Jürgen Grambeck: "Im Rat ist viel Showgehabe"

Hemmingen Jürgen Grambeck: "Im Rat ist viel Showgehabe"

Er war das dienstälteste Ratsmitglied: Jürgen Grambeck (Bündnisgrüne) nimmt eine Auszeit. Insgesamt 23 Jahre in der Zeit seit 1991 war er Ratsherr in Hemmingen.

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Jürgen Grambeck fährt durch die Straße in Ohlendorf, in der er wohnt. Im Hintergrund ist die Alte Waage zu sehen.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Der 47-jährige Ohlendorfer arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter der Hemminger Bäder gGmbH und ist Geschäftsführer des Veranstaltungszentrums Bei Chéz Heinz in Hannover-Linden. Redakteur Andreas Zimmer sprach mit Grambeck über Routine, die lähmen kann, den Wunsch nach neuen Taten und ein Hemmingen, das sich zusammen mit einer Nachbarstadt ganz neu aufstellen könnte.

Heute ist Ratssitzung. Was fühlen Sie?

Ich bin nicht weg, sondern mache ein paar Sabbatjahre. Ich bin immer noch ein bisschen eingebunden, stehe der Fraktion und Partei weiterhin für Fragen zur Verfügung und bleibe den Grünen treu. Es ist ein seichter Ausstieg. Außerdem bin ich heute Abend dabei.

In der Zuhörerreihe?

Ja, ich möchte damit dem neuen Rat in der konstituierenden Sitzung Respekt zollen.

Warum haben Sie nicht mehr kandidiert?

Es ist diese elende Routine, diese ermüdende Rhetorik. Alles, was die Stadtverwaltung schreibt, ist wie eine Bibel, darf nicht in Frage gestellt werden.

Zum Beispiel?

Der Medienentwicklungsplan für die Schulen ist überdimensioniert. Alle zwei Jahre sollen die Hub-Switch-Router und Akkumulatoren in der KGS ausgetauscht werden, auch wenn sie noch funktionieren. Ich bitte Sie! Die KGS ist doch nicht das Bundeskanzleramt! Die Zweigleisigkeit, wie es sie früher gab, wäre in kleinen Kommunen besser.

Sie meinen einen hauptamtlichen Stadtdirektor und einen ehrenamtlichen Bürgermeister an der Spitze?

Ja. Bei dem eingleisigen System muss sich der Bürgermeister gut verkaufen, müsste aber als oberster Chef der Verwaltung auch mal Tacheles reden. Stellen Sie sich vor, Bürgermeister Claus Schacht würde tatsächlich einen ausgeglichen Haushaltsplan vorlegen, aber mit schmerzhaften Sparvorschlägen. Er würde in der Öffentlichkeit zerrieben.

Apropos Bürgermeister: Sie traten 2014 gegen Schacht an und haben verloren. Schmerzt das noch?

Es hat weder geschmerzt, noch habe ich darunter gelitten. Ich hätte mir ein paar Prozente mehr erhofft. Schachts Amtsbonus war unschlagbar.

Was war top in Ihrer Zeit als Ratsherr, was war ein Flop?

Was war top? Hmm, das kann ich an nichts festmachen. Ein Flop war und ist der Bau der B3-Ortsumgehung in dieser Dimension.

Warum sind Sie 1986 bei den Grünen eingetreten?

Dafür gab es zwei Gründe: Tschernobyl und die SPD Hemmingen, die gegen das autonome Jugendzentrum in Hemmingen war. Es hat sich seitdem viel gewandelt. Anfangs wurden die Grünen von den anderen Fraktionen im Rat stiefmütterlich behandelt. Heute ist die Partei in der gesellschaftlichen Mitte angekommen.

Nach dem Bruch der rot-grünen Koalition und der Zeit der Ratsallianz deutet sich im Rat eine schwarz-rote Koalition an. Was sagen Sie dazu?

Dann ist das eben so. Ganz im Ernst: Im Rat ist auch viel Showgehabe dabei. Die Grünen brauchen nun auf niemanden Rücksicht zu nehmen und können ihr eigenständiges Profil zeigen. Die Opposition ist in der vergangenen Zeit viel zu kurz gekommen. Wir müssen griffiger werden, tiefer nachfragen, warum etwas so ist, wie es ist. Außerdem tut die Ausschussstruktur der Stadt nicht gut.

Was meinen Sie?

Es sind zu wenige Fachausschüsse und einige deshalb zu überladen. Themen tauchen meist nur in einer öffentlichen Sitzung des jeweiligen Fachausschusses auf. Besser wäre es zum Beispiel beim Hochwasserschutz, wenn dieses Thema einmal in einem Umwelt- und später nochmal in einem Stadtentwicklungsausschuss auf der Tagesordnung stünde.

Keine Rats- und Fraktionssitzungen mehr: Was machen Sie mit der gewonnen Zeit?

Ich will was Neues anfangen.

Privat oder beruflich?

Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen.

Sie hatten anfangs gesagt, Sie stünden der Fraktion weiterhin zur Verfügung. Haben Sie ihr für die neue Wahlperiode einen Ratschlag mit auf den Weg gegeben?

Du liebe Güte, nein. Und wenn, würde ich allenfalls dazu raten, den Zusammenschluss von Kommunen nicht zu verteufeln.

Mit wem soll sich denn Hemmingen zusammenschließen?

Möglich wäre es mit Pattensen oder Ronnenberg. Die Menschen interessiert doch vor allem, ob sie zum Beispiel einen Kindergartenplatz bekommen, dass die Müllabfuhr funktioniert und dass es eine funktionierende Feuerwehr gibt. Hemmingen hat etwa 18.000 Einwohner. Bei einer größeren Einheit könnte eine Stadt diese Aufgaben ganz anders angehen und andere übernehmen.

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