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Kabarettist Brix lädt zu Therapiestunde im bauhof

Hemmingen-Westerfeld Kabarettist Brix lädt zu Therapiestunde im bauhof

Der Terminkalender von Werner Brix ist bis zum Rand voll, der Workaholic steht stets unter Strom. Eine logistische Meisterleistung also, dass der Kabarettist überhaupt Zeit für eine Therapiestunde im Kulturzentrum bauhof in Hemmingen gefunden.

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Während der Therapiestunde wird Werner Brix immer wieder durch Anrufe gestört.

Quelle: Carolin Müller

Hemmingen-Westerfeld. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er gleich zu Beginn erst einmal telefonisch IT-Probleme beheben muss – so wie etwa alle 15 Minuten, wenn sein Handy wieder klingelt.

Aber Brix macht das nichts aus, Termin- und Leistungsdruck beflügeln ihn nur noch mehr, lassen ihn den Puls der Zeit spüren. Denn heutzutage ist Schnelligkeit keine bloße Eigenschaft mehr sondern eine Frage des Images. Das einzige was zählt, ist der Erste zu sein – ob nun im All, bei der Atombombe oder sonst wo – Schnelligkeit ist die Basis für Erfolg. Da bleibt keine Zeit für Hobbies oder Religion. Wer hat den heute noch genug Kapazitäten, um jeden Sonntag in die Kirche zu gehen?

Umso besser, dass es in jedem Supermarkt zeitsparende Fertiggerichte gibt. Ob die Wiener Würstchen aus dem Glas dabei aussehen wie Wasserleichen ist zweitrangig, denn Dank dem Weglassen der Haut müssen diese immerhin nicht einmal mehr gekaut werden.

Nur eine Sache stört Brix, der zum ersten Mal zu Gast im bauhof ist, gewaltig: die Angewohnheit der Menschen, Dinge endlos zu diskutieren. „Wein wird heute nicht mehr getrunken sondern besprochen“ beschwert er sich. Dabei kostet das nur Zeit und Brix' Motto ist unumstößlich: „Wer ständig auf den Weg schaut, wird sein Ziel nicht erreichen“.

Was der Therapeut, also das Publikum, zu alldem sagt? Nicht viel, denn es kommt nicht zu Wort – zum Lachen dafür umso mehr. Denn Brix versteht es, in seinem rasanten Monolog vermeintliche Missstände und Glücksfälle der heutigen Zeit auf den Punkt zu bringen – todernst und gerade deshalb urkomisch.

Gedankensprünge lassen ihn von einem Thema ins nächste hetzen und machen sein zu hohes Stresslevel für das Publikum spürbar. Nervöses Zucken, Räuspern, Schluckauf und stetes Kratzen am ganzen Körper tun ihr Übriges. Und so steuern Brix und sein Publikum gemeinsam geradewegs „Mit Vollgas zum Burnout“ – wie das fünfte Solo des österreichischen Kabarettisten zutreffend heißt.

Brix, der bereits mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, begeisterte das Publikum im fast ausverkauften bauhof, es wurden teils Tränen gelacht. Eine mehr als gelungene Premiere.

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Werner Brix spricht über alles, was ihn bewegt.

Quelle: Carolin Müller

Von Carolin Müller

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