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Aiche, wo bleibt mein Milchkaffee?

Hemmingen-Westerfeld Aiche, wo bleibt mein Milchkaffee?

Kerim Pamuk geht mit seinem dritten Soloprogramm „Leidkultur“ dahin, wo es bisweilen weh tut. Am Freitagabend war der deutsche Kabarettist aus Hamburg mit türkischen Wurzeln im Hemminger bauhof. Deutsche und Türken bekamen ihr Fett weg, aber auch die Politiker.

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In seinem Element: Kabarettist Kerim Pamuk auf der bauhof-Bühne.

Quelle: von Lüderitz

Hemmingen-Westerfeld. Da könnte einem manchmal schon das Lachen vergehen, aber nicht bei Kerim Pamuk. Brexit und Pegida, Erdogan und Putin, Fremdenhass und AfD - und jetzt auch noch Donald Trump, der für Kabarettisten ein Glücksfall zu sein scheint. „Bei den Großen werden die Millionen nur so über den Tisch geschoben und Christian Wulff musste damals wegen 700 Euro gehen“, griff Pamuk die Ungerechtigkeit in der Welt an. Die Angst vor der Islamisierung, der AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern („Bei einem Ausländeranteil von knapp zwei Prozent durchaus nachvollziehbar“) und die Behauptung vieler Sachsen, sie seien das Volk, waren nur einige Themen, die den Hamburger zum Schäumen brachten.

Aber der Deutsch-Türke nahm sich liebend gerne auch selbst auf die Schippe. Gestenreich und immer in Bewegung erzählte er von seiner Zeit als Altenpfleger ("Soso, Türke? Naja, das sind ja auch Menschen“), von dem gemeinsamen Besuch der Schwangerschaftsgymnastik vor der Geburt seiner Zwillinge („Ich vor meiner Frau kniend, die Waden massierend“), und seine Wandlung vom türkischen Macho („Aiche, wo bleibt mein Milchkaffee?“) zum treusorgenden, windelwechselnden Familienvater.

Kinofilme und Illustrierte, Fußball und Fernsehen sowie Espresso ohne Koffein mit fettarmer Milch waren nur einige weitere Punkte in seinem schier unerschöpflichen Repertoire, das die glänzend unterhaltenen etwa 100 Zuschauer im fast ausverkauften bauhof zu der Frage veranlasste, wie man soviel Durcheinander in einem einzigen, zwei Stunden langen Programm unterbringen kann. Kerim Pamuk kann es.

Von Achim von Lüderitz

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