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In Frau Löchers Wohnzimmer wurde es oft laut

Hemmingen-Westerfeld In Frau Löchers Wohnzimmer wurde es oft laut

Monika Löcher hat zehn Jahre lang für die Stadt Hemmingen als Schiedsfrau gearbeitet. In ihrem Wohnzimmer hat sie zahlreiche Streithähne miteinander versöhnt. Anfang des Monats hat sie ihr Ehrenamt aufgegeben. Vieles wird ihr jedoch noch lange in Erinnerung bleiben.

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Monika Löcher war zehn Jahre lang Schiedsfrau der Stadt Hemmingen.

Quelle: privat

Hemmingen-Westerfeld. Bellende Hunde, stinkende Kaninchen, über den Gartenzaun gewachsene Bäume: In den vergangenen zehn Jahren hat Schiedsfrau Monika Löcher insgesamt 75 Fälle in ihrem Wohnzimmer verhandelt. Um die Vertraulichkeit zu wahren, musste ihr Mann währenddessen in den Keller oder einkaufen gehen. "Bei den Schlichtungsverhandlungen ging es hauptsächlich um Nachbarschaftsstreitigkeiten", sagt die 68-Jährige. Doch offenbar sind die Hemminger gut erzogen. Denn wegen Beleidigung musste Monika Löcher in zehn Jahren nur zweimal aktiv werden. Allerdings ging es in ihrem Wohnzimmer, wohin sie die verfeindeten Parteien in der Regel einlud, oft hoch her. "Die Stimmung war oft sehr aufgeheizt, manche Leute wurden auch laut und haben sich gegenseitig angeschrien", berichtet sie. "Das habe ich aber nicht geduldet."

Zur Hilfe kam der Hemmingerin bei ihrem Ehrenamt ihre frühere Tätigkeit als Lehrerin und ihre Ausbildung als Mediatorin. "Dabei habe ich verschiedene Gesprächstechniken gelernt, mit denen man beiden Parteien gerecht werden kann."

Der amtlichen Ladung in "Frau Löchers" Wohnzimmer mussten die Parteien folgen - es sei denn sie hatten eine plausible Entschuldigung. "Wer unentschuldigt nicht kam, musste ein Ordnungsgeld an die Stadt Hemmingen zahlen", berichtet die pensionierte Lehrerin, die vom Amtsgericht Hannover für das Ehrenamt verpflichtet worden war.

Auch wenn eine Partei zunächst einen Antrag auf die Schiedsverhandlung stellen musste, war die Schiedsfrau zur Neutralität verpflichtet. Bei den Schlichtungsverhandlungen versuchte sie die verfeindeten Nachbarn wieder zu versöhnen. Geurteilt wurde dabei allerdings nicht. Denn Schiedsgerichte sind nicht dazu da, zu urteilen oder zu verurteilen. "Das Ziel ist, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können", erklärt Löcher. Meistens ist dies auch geglückt. Das Ergebnis wurde dann schriftlich festgehalten und besaß damit für die nächsten 30 Jahre Rechtsgültigkeit.

Eingten sich die Parteien nicht, bekam der Antragssteller eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung, mit der er dann vor Gericht Klage einreichen konnte. Denn um die Amtsgerichte zu entlasten, müssen Nachbarschaftsstreitigkeiten zunächst vor einem Schiedsgericht vorgetragen werden.

Das spart nicht nur dem Gericht Zeit, sondern den verfeindeten Parteien auch Kosten. "Wenn es zu einer Einigung gekommen ist, habe ich für die Stadt Hemmingen 15 Euro kassiert und wenn nicht, 25 Euro", erzählt Löcher. Hinzu kamen Portokosten und Auslagen.

Dabei waren die Verhandlungen oft schweißtreibend. "In der Regel dauerte es eineinhalb Stunden bis zur Einigung", berichtet die Schiedsfrau und ergänzt: "Danach war ich oft wie aus dem Wasser gezogen." Dennoch gab es auch viele schöne Momente: "Etwa wenn zwei Personen sich anfangs noch nicht einmal angeschaut haben und sich nach der Verhandlung wieder die Hand reichten", erzählt die Hemmingerin. "Ich habe mich immer gefreut, wenn ich dabei helfen konnte und habe auch viel dazu gelernt."

Am 11. Februar ist das Schild mit dem Niedersächsichen Landeswappen von ihrer Haustür in Hemmingen-Westerfeld entfernt worden. Denn Monika Löcher ist aus persönlichen Gründen nicht erneut für eine weitere Amtszeit angetreten. Ihr Nachfolger wird Hans-Hermann Reese aus Arnum. Ob sie das Amt vermissen wird? "Die vielen auszufüllenden Formulare bestimmt nicht", sagt sie schmunzelnd. "Aber ich habe auch viele nette Menschen kennengelernt. Die meisten wollen ja doch nur ihre Ruhe und sind eigentlich ganz umgänglich."

Von Stephanie Zerm

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