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Schulelternrat kündigt "massiven" Protest an

Hemmingen Schulelternrat kündigt "massiven" Protest an

Für die Hemminger KGS hat der erste Schultag nach den Sommerferien am Donnerstag alles andere als erfreulich begonnen. Die Schule muss, so die Aufforderung aus dem Ministerium, Lehrer an Grundschulen abordnen – insgesamt 130 Unterrichtsstunden in der Woche.

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Andreas Gonschior (von links) zeigt Dieter Driller-van Loo, Elisabeth Becher-Lüttig, Thorsten Langner und Olaf Wernhoff, wie eng der Stundenplan ist. KGS Hemmingen, Abordnungen

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. „Wir werden bei uns kürzen müssen, um das aufzufangen. Auch wenn das Ministerium etwas Anderes sagt: Der Pflichtunterricht ist nicht gesichert“, macht Schulleiter Dieter Driller-van Loo deutlich. „Wir werden zudem sinnvolle Schulprogrammarbeit wie das Selbstverantwortliche Lernen stornieren müssen“, ergänzt er. „Wir kochen“, bringt Olaf Wernhoff, Mitglied im Personalrat, die Stimmung auf den Punkt. Thorsten Langner, Vorsitzender des Schulelternrates, kündigt an: „Wir werden uns massiv gegen die Abordnungen stellen.“ Alle sind sich einig: Die Leidtragenden werden vor allem die Kinder sein – an der 1600 Schüler zählenden KGS ebenso wie an den Grundschulen.

Der stellvertretende Schulleiter Andreas Gonschior kritisiert mit Blick auf den Stundenplan, dass die Planung fürs neue Schuljahr längst abgeschlossen gewesen sei. In den Sommerferien erhalte die KGS die Nachricht, dass sie wegen der Abordnung auf Lehrer verzichten müsse. „Das zeugt entweder von Ignoranz oder Unwissenheit“, sagt Gonschior. „Heute ist alles normal angelaufen und in drei bis vier Wochen fängt die Ruckelei an.“ Gonschior schätzt, dass es noch drei bis vier Wochen dauert, bis die KGS-Lehrer in den Grundschulen eingesetzt werden können. Zwar sei bereits im Mai in einem Erlass angekündigt worden, dass es Abordnungen geben muss, aber das Ausmaß sei bisher unklar gewesen, was auch die Personalratsvorsitzende Elisabeth Becher-Lüttig kritisiert.

Ute Leck, Didaktische Leiterin an der KGS, sagt: „Im Mai hätte man mit bis zu 50 Wochenstunden vielleicht noch eine vernünftige Lösung finden können, aber das hier ist jetzt völlig an der Realität vorbei.“ Die Grundschulen Arnum und Hiddestorf brauchen keine zusätzliche Lehrer. Nur die Grundschule Hemmingen-Westerfeld benötigt eine Lehrkraft für den Förderunterricht, will aber versuchen allein zurechtzukommen.

Die KGS-Lehrer sollen an Grundschulen in Weetzen, Ronnenberg sowie Kirchrode und Bemerode unterrichten. Wie viele es sein werden, sei unklar, erläuterte Gonschior. Die Grundschulen seien erst seit Dienstag dieser Woche informiert und hätten eher heute als morgen am liebsten, dass bei ihnen auf voller Stelle unterrichtet wird. Doch die KGS wolle einzelne Lehrer für ein Jahr nur mit fünf bis zehn Wochenstunden in die dritten und vierten Klassen entsenden. Dann würden voraussichtlich etwa 20 Lehrer abgeordnet.

Driller van-Loo gibt zu bedenken: „Doch jeder Kollege ist betroffen, denn das ganze System wird einmal durchgeschüttelt.“ Der Schulleiter erläutert: „Bis nächsten Mittwoch sollen sich die Kollegen äußern, ob sie sich vorstellen können an die Grundschule zu gehen.“ Sollten sich nicht genügend Freiwillige finden, kann die Landesschulbehörde verbeamtete Pädagogen auch gegen ihren Willen vorübergehend an andere Schulen schicken. Von den 135 Lehrern der Hemminger KGS – das Spektrum reicht von der 8-Stunden-Kraft bis zur vollen Stelle - scheiden allerdings rund 60 aus, darunter zum Beispiel Lehrer im Kursunterricht fürs Abitur. Wernhoff deutet an: „Da kann man sich vorstellen, was dann in einem Kollegium passiert, wenn einige in die Wallachei fahren müssen und andere nicht.“

Schulelternratsvorsitzender Langner forderte von der KGS eine Statistik über den künftigen Unterrichtsausfall und kündigt an unter anderem Kontakt mit dem Landeselternrat aufnehmen. „Die Grundschul-Pädagogik ist eine völlig andere“, sagt Langner. Er gibt zu bedenken, dass die KGS schon seit Jahren darunter zu leiden habe, dass sie keine hundertprozentige Unterrichtsversorgung hat. Viele Unterrichtsstunden seien ausgefallen. Nun habe es so ausgesehen, als ob sich die Lage endlich entspanne. Driller van-Loo ergänzt: „Es gab die Rückmeldung, dass wir auch mit teilweise 92-prozentiger Versorgung einen guten Job gemacht haben.“ Er weiß, dass er seinem Kollegium nicht noch mehr zumuten kann: „Ich habe eine Fürsorgepflicht und werde – auch im Interesse der Eltern – nicht mit Schnellschüssen agieren.“ Wernhoff kritisiert: „Die Fürsorgepflicht wird mit Füßen getreten.“

Rechnerisch und zwar im Hinblick auf einen Landesdurchschnitt von einer 96-prozentigen Versorgung sind es an der Hemminger KGS sogar 141 Wochenstunden für die Abordnungen. Darin seien Termine wie Konferenzen und Elternabende noch nicht enthalten. Mit der Wortwahl aus dem Ministerium wie „Sturm im Wasserglas“ werde das Problem verharmlost, warnt Driller van-Loo, der auf mehr Verständnis hofft. „Die gemachten Fehler liegen schon früher. Es wird immer nur im Vier-Jahres-Rhythmus gedacht“, sagt er im Hinblick auf Wahlen. Die Folge: „Das System wird an die Wand gefahren.“ Gonschior bedauert: „Das alles hat nichts mehr mit der Anspruchshaltung des Ministeriums zu tun.“

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