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Sondengänger im Römerlager

Wilkenburg Sondengänger im Römerlager

Zwischen Arnum und Wilkenburg ist historisches Terrain: Bis zu 20 000 Römer schlugen dort vor etwa 2000 Jahren ihr Lager auf. Im Oktober verkündeten Forscher diese wissenschaftliche Sensation - und seither machen ihnen illegale Schatzsucher zu schaffen.

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Auf diesem Feld zwischen Wilkenburg und Arnum war früher ein Römerlager.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Kleine Krater zeugen auf dem Acker von frischen Grabungen. Womöglich haben sich nachts illegale Schatzsucher auf dem freien Feld zwischen Arnum und Wilkenburg zu schaffen gemacht. „Erst vor ein paar Wochen haben wir dort einen Sondengänger des Feldes verwiesen“, sagt Landesarchäologe Henning Haßmann. Ob die Jäger der verbotenen Schätze dort bereits Beute gemacht haben, weiß niemand.

„Wertvolle Funde sind hier gar nicht zu erwarten“, beteuert Haßmann. Um die Zeit der Varus-Schlacht im Jahr 9 nach Christus war ein großer Kampfverband entlang der Leine unterwegs. Doch die Römer nutzten das Areal nur kurzzeitig als Lagerplatz: „Anders als auf einem Schlachtfeld gibt es in einem Marschlager kaum Metallfunde“, sagt Haßmann. Die spektakulärsten Funde, die Forscher bislang präsentieren konnten, waren eine römische Pinzette sowie Münzen, wie sie im Handel teils schon für ein paar Euro zu haben sind.

Für die Forscher jedoch sind die Stücke von großer Bedeutung. Gerade, weil es so wenige gibt, ist es wichtig, diese fachgerecht zu vermessen und zu restaurieren: „Wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden, können sie uns nichts mehr über das Lager verraten“, sagt Haßmann. „Der Schaden, den Sondengänger anrichten, ist daher oft gewaltig.“

Lückenlos überwachen lässt sich das große Areal kaum. „Anwohner und Besitzer sind jedoch aufmerksam“, sagt Haßmann. In Niedersachsen ist die Schatzsuche mit Metalldetektoren genehmigungspflichtig. Laut Denkmalschutz- gesetz brauchen Sondengänger eine Erlaubnis von der Denkmalschutzbehörde; sie können einen Qualifizierungskurs absolvieren und dann als Helfer der Denkmalpfleger mit dem Metalldetektor aktiv werden: „Meist gehen Sondengänger ohne kriminelle Energie ans Werk, sie sind eher naiv“, sagt Haßmann. „Doch gerade deshalb besteht oft die Gefahr, dass sie wertvolle Mosaiksteine des großen geschichtlichen Puzzles zerstören.“

Von Simon Benne

Eigentümer müssen abgrenzen

Für die Sicherung des Geländes sei der jeweilige Eigen-?tümer zuständig, sagt Hem-?mingens Bürgermeister Claus Schacht. Die Stadt habe in dem Gebiet zwischen Wilkenburg und Arnum kein Land. Fundstücke von den Feldern mitzunehmen sei kein Kavaliersdelikt, sondern unbefugtes Betreten und Diebstahl. Nach seinen Informationen könnten römische Münzen schon für wenig Geld im Internet bestellt werden. Für bestimmte Funde sei vermutlich bis zu 1,50 Meter tief zu graben. Ab 2016 sollte auf der Fläche Kies abgebaut werden. Auch wenn sich dieses Vorhaben verzögert: „Das heißt nicht, dass dort gar nicht ausgekiest wird“, erläutert Schacht. Die Firma Holcim hatte bei der Region Hannover die Planfeststellung beantragt.

Von Andreas Zimmer

Viele Fragen sind noch offen

Karl-Heinz Nowak, stellver-?tretender Vorsitzender des Hemminger Heimatbundes, verurteilt „archäologische Diebereien“. Die Forschung im?Hinblick auf den Rückzug der Römer sei noch lange nicht abgeschlossen, betont er. Viele Fragen seien offen. Daher seien Funde wie der in Wilkenburg von höchster wissenschaftlicher Bedeutung. „Dort etwas wegzunehmen kann die Forschung und wissenschaftliche Arbeit?beeinträchtigen“, sagt er. Der Heimatbund hat gerade weitere?archäologische Untersuchungen auf einem Acker an der KGS in Auftrag gegeben. Diese sollen Aufschluss über die Größe der mittelalterlichen Siedlung Klein Hemmingen geben. „Historische Funde mitzunehmen ist Diebstahl“, sagt Nowak.

Von Stephanie Zerm

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