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„Gedenkt man aller, gedenkt man fast keinem“

Hemmingen „Gedenkt man aller, gedenkt man fast keinem“

Soll man in Deutschland mit der Erinnerungskultur neue Wege gehen? Mit dieser Frage haben sich am Montagabend etwa 20 Teilnehmer in der Reihe Stadtgespräch beschäftigt. Die Grünen hatten dazu in die Gaststätte Mutter Buermann in Devese eingeladen. Zwei Stunden lang wurde kontrovers diskutiert.

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Über neue Formen des Gedenkens am Volkstrauertag diskutieren die Teilnehmer der Reihe Stadtgepräch.

Quelle: Torsten Lippelt

Hemmingen. Unter der Gesprächsleitung des Ortsverbandsvorsitzenden Joachim Steinmetz wurde diskutiert, ob der bisher gewählte Weg, der Opfer von Gewalt und Krieg am Volkstrauertag zu gedenken, in Anbetracht von immer weniger Veranstaltungsteilnehmern zu einem leeren Ritual zu werden droht. So sah der Hildesheimer Grüne Manfred Kallmeyer, langjähriges Mitglied im Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, diesen Verband - durch eine zu geringe Aufarbeitung anderer Opfergruppen als nur deutscher Kriegsopfer - zunehmend ins Abseits geraten.

Von der KGS Hemmingen berichteten Geschichts-Fachbereichsleiter Heiko Bolte und sein Kollege Reinhold Baaske, dass zu einer modernen Erinnerungskultur das Gedenken an alle Opfergruppen von Krieg und Gewalt gehören müsse. Für die heutige Jugend gehörten dazu aktuelle Bezügen wie dem Krieg in Syrien, möglichst mit Zeitzeugen und auf die konkrete Darstellung von Einzelschicksalen herunter gebrochen. „Die junge Generation hat das Recht, Sachen in Frage zu stellen. Und sie muss die Gelegenheit bekommen zu erkennen: Geschichte ist um mich herum, ist auch in meinem Leben“, sagte Heiko Bolte.

Weg von martialischen Denkmälern, die aber zur Erinnerung an ihr historisches Umfeld erhalten bleiben sollen, seien Wege zur individualisierten Erinnerungskultur einzuschlagen, um den Sinn vom Volkstrauertag am Leben zu erhalten. „Gedenkt man an diesem Tag aller, gedenkt man fast keinem“, resümierte Pastor Peter Beyger.

Als positives Beispiel eines neuen Weges lobte ein Zuhörer die Feier am Volkstrauertag in Alt-Laatzen, wo mit Unterstützung von historisch engagierten Jugendlichen der Albert-Einstein-Schule auch aktuellen Opfern von Krieg, Terror und Gewalt mit persönlichen Erinnerungssteinen und weißen Nelken gedacht wurde. Nach zwei Stunden Diskussion fasste Joachim Steinmetz zusammen: „Wir sollten den Hemminger Rat vielleicht bitten, ob und an welchen Denkmälern wir den nächsten Volkstrauertag in einer neu zu überlegenden, angemesseneren Form begehen können – mit örtlichem und persönlichem Bezug."

Von Torsten Lippelt

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