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Versteckte Videoaufnahmen von Fußballmädchen sorgen für Unruhe

Trainer filmt in Umkleide Versteckte Videoaufnahmen von Fußballmädchen sorgen für Unruhe

Missbrauchets Vertrauen: Ein Fußballtrainer des Hemminger Sportvereins SV Arnum filmt seine Fußballmädchen heimlich im Umkleideraum. Im Verein herrscht Unruhe - auf viele Fragen gibt es noch keine Antworten. Die Polizei ermittelt.

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Auf dem kleinen Tisch in der Umkleidekabine entdeckten die vier Mädchen die laufende Digitalkamera. Die Polizei ermittelt gegen den Trainer, er soll sie dort platziert haben.

Quelle: Rainer Dröse

Arnum. Er galt als jemand, der sich engagiert, der den Verein auch tatkräftig unterstützt. Jetzt steht er unter Verdacht: Ein 39-jähriger Trainer des Hemminger Sportvereins SV Arnum soll vier 14 bis 15 Jahre alte Mädchen aus der C-Jugend heimlich beim Umziehen in der Umkleidekabine gefilmt haben. Der ehrenamtliche Mitarbeiter wurde von seinen Aufgaben entbunden; die Polizei ermittelt.

Die Unruhe im Verein ist groß. „Die Eltern der Mädchen fragen sich, wie oft er wen oder was schon gefilmt haben könnte, und ob er die Aufnahmen womöglich veröffentlicht hat“, sagt der Vereinsvorsitzende Harald Gries. Bisher gibt es keine Antworten auf diese Fragen. In der Wohnung des untersetzten Mannes mit dem Dreitagebart fanden Ermittler zahlreiche USB-Sticks und DVDs. Die Auswertung des Materials wird Tage, wenn nicht Wochen in Anspruch nehmen. Bisher sieht es so aus, als ob der Vertrauensmissbrauch des Lagerarbeiters entdeckt wurde, bevor Schlimmeres passierte. „Zumindest haben wir keine Hinweise, dass es in der Vergangenheit schon einmal Probleme gab“, sagt Gries.

Die Polizeiakte des Mannes ist sauber, keine Einträge. Vor etwa sechs Jahren kam er zum SV Arnum. Als die Fußballsparte des Vereins vor rund zwei Jahren damit begann, die ersten Mädchenmannschaften aufzubauen, wurde er zum Trainer ernannt. „Die Idee ist nicht von ihm ausgegangen. Das Gegenteil ist der Fall, der Verein hat ihn gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagt der Vereinsvorsitzende Gries.

Die Fußballmädchen hatten Vertrauen zu ihrem Trainer; unter seiner Anleitung kämpften sich die C-Juniorinnen bis ins Endspiel um den Kreisligapokal vor. Am vergangenen Sonnabend aber entdeckten vier der Mädchen eine laufende Kamera in ihrem Umkleideraum. Das Aufnahmegerät war in einem Karton versteckt, die Linse vor einem Loch platziert. Als die Mädchen den Film abspielten, flimmerte auch das Bild ihres Trainers über das Display. Es ist eindeutig zu erkennen, dass er die Kamera in der Umkleide platziert haben muss.

„Wir haben noch nie mit einem ähnlichen Fall zu tun gehabt“, sagt Peter Borchers, Sprecher des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV). Die Gefahr sexueller Übergriffe und die Möglichkeit, dass ein Trainer auch zum Täter werden kann, ist aber schon länger ein Thema. Wenn in der kommenden Woche Vorstand und Präsidium des NFV tagen, dann steht dabei auch die Verabschiedung eines weit reichenden Beschlusses auf dem Programm: Schon in naher Zukunft sollen alle Trainer eine „Verhaltensrichtlinie zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit des Sports“ unterschreiben.

Außerdem will der Verband darüber beraten, ob für den Erwerb der Trainerlizenz in Zukunft ein sogenanntes erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden muss, wie es von Erziehern verlangt wird. „Dann wäre wirklich erkennbar, ob jemand auch nur den kleinsten Eintrag hat“, sagt NFV-Sprecher Borchers. „Die Trainer stecken in einer Zwickmühle. Wir können und wollen ihnen nicht verbieten, dass sie sich nach einem Torschuss mit den Kindern in den Armen liegen“, sagt Borchers. „Diese Gesten gehören zum Sport dazu, und eigentlich denkt sich doch auch niemand etwas dabei.“ Auf der anderen Seite lauert die Gefahr, dass eine Berührung missverstanden werden könnte – oder tatsächlich eine Grenze überschritten wird. „Jeder Trainer muss eine angemessene Umgangsweise finden. Es ist eine schwierige Gratwanderung“, sagt Borchers.

Der unter Verdacht stehende Trainer hat sich übrigens noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Wie sich am Dienstag herausstellte, hat die Polizei den Mann bisher noch nicht einmal vernommen. „Es hat sich zeitlich noch nicht ergeben“, sagte ein Polizeisprecher.

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Er soll seine Fußballmädchen heimlich in der Umkleidekabine gefilmt haben: Ein 39-jähriger Trainer des SV Arnum wird verdächtigt, eine Digitalkamera in einem Karton versteckt und damit Aufnahmen von vier Mädchen im Alter von 14 bis 15 Jahren gemacht zu haben.

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Von Redakteur Vivien-Marie Drews

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