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2017 heiraten in Hemmingen besonders viele

Hemmingen 2017 heiraten in Hemmingen besonders viele

Der Freitag ist und bleibt der beliebteste Tag in Hemmingen zum Heiraten – auch, wenn es ein 13. ist. Am Freitag, 13. Oktober, haben sich zwei Paare im Hemminger Standesamt das Jawort gegeben. In diesem Jahr gibt es in Hemmingen ohnehin besonders viele Eheschließungen.

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Claudia und Dorle Göttler zeigen im Wohnzimmer ihres Hauses in Arnum die Ringe an ihren Fingern.

Quelle: Holger Hollemann

Hemmingen. Die Freitagstermine sind auch deswegen beliebt, weil das Wochenende folgt und damit viel Zeit zum Feiern und Zusammensein mit Verwandten und Freunden ist. Längst ist nicht nur der Mai der klassische Hochzeitsmonat – in diesem Jahr mit 13 Eheschließungen in Hemmingen. Der September mit 13 Eheschließungen ist ebenso beliebt, gefolgt von Juli und Oktober mit jeweils 11. In diesem Jahr wurde im Februar (1) am wenigsten geheiratet, was wohl am Wetter liegen mag.

Seit Jahresbeginn haben sich schon mehr als 70 Paare im Hemminger Standesamt die Ehe versprochen. Damit liegt die Zahl schon jetzt höher als das Jahr 2014 mit besonders vielen Eheschließungen (67). 2016 waren es 54, 2015 insgesamt 55. Die Steigerung in diesem Jahr kann sich Standesbeamtin Sabine Hanje nicht erklären. Grundsätzlich heiraten viele Paare nicht mehr kirchlich, sagt sie. „Etliche suchen sich daher fürs Ambiente Orte aus wie zum Beispiel ein Schloss, eine Burg und ein Leuchtturm. Hemmingen hat außer dem Trauzimmer im Rathaus dafür keine weiteren Räumlichkeiten.“

Beliebt sind Hanje zufolge weiterhin Tage mit Ziffernfolgen, die sich gut merken lassen wie der 07.07.17 mit zwei Eheschließungen und der 17.07.17 mit einer Heirat. Für den 01.07.17 hatte sich kein Paar interessiert. Besondere Daten im nächsten Jahr sind der 8.8.18 und der 18.8.18. „Die Paare können aber ab November vormerken lassen“, sagt Hanje.

Wegen der starken Nachfrage bietet die Stadt auch wieder Trauungen am Sonnabend an, was Hanje zufolge 2016 aus personellen Gründen nicht möglich war. Die vier Sonnabendtermine in diesem Jahr waren ausgebucht. An den Sonnabenden sind jeweils zwei Trauungen möglich. Paare können sich frühestens ein halbes Jahr vor der Trauung anmelden, die Paare können sich jedoch vormerken lassen. Allerdings müssen sie im Unterschied zu Trauungen montags bis freitags eine Zusatzgebühr von 80 Euro zahlen.

Bei den prominenten Hochzeiten ragte Pattensen im Sommer mit der Welfenhochzeit von Ekaterina Malysheva und Ernst August Erbprinz von Hannover heraus. Ähnliches gab es in Hemmingen bisher nicht. In Pattensen wurde die Bürgermeisterin jüngst zur Standesbeamtin bestellt. Wird Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht auch Standesbeamter werden? Aktuell sei dies nicht geplant, heißt es aus dem Rathaus.

Seit 1. Oktober dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten wie jedes andere Paar auch. Zuvor konnten sie Lebenspartnerschaften eintragen lassen. In diesem Jahr war in Hemmingen eine darunter. Seit Anfang Oktober gab es eine Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe und ein weiteres gleichgeschlechtliches Paar, das sich trauen ließ.

Arnumerinnen sind jetzt Frau und Frau

Von Christina Sticht

Ihre Liebesgeschichte begann in der Wüste Sinai und hat diesen Herbst einen weiteren Höhepunkt. Bei der Öffnung der Ehe für alle sind zwei Frauen aus Arnum ganz vorn dabei - wie schon bei der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft vor 16 Jahren.

Zunächst hatten Claudia und Dorle Göttler überlegt, ob sie sich den Rummel noch einmal antun wollen. „Wir heiraten ja zum dritten Mal“, sagt Claudia Göttler. 1998 ließen sich die beiden kirchlich segnen, 2001 als Lebenspartnerinnen eintragen. Dank der Öffnung der Ehe für alle konnten sie jetzt endlich ein Ehepaar werden - als Frau und Frau. Hannover ließ vor 16 Jahren das Standesamt extra früher öffnen, um bei der „Homo-Ehe“ bundesweit vorn zu sein. Am 1. Oktober arbeiteten die Standesbeamten ausnahmsweise sonntags: Die beiden Männer und Frauen, die am 1. August 2001 als erste deutsche Homo-Paare weltweit Schlagzeilen machten, sollten auch als erste heiraten.

„Wir haben vor 20 Jahren den Weg gemeinsam begonnen, mit der Ehe wird es einfach rund“, sagt Dorle Göttler im lichtdurchfluteten Wohnzimmer des Paares. Sie ist jetzt 53, ihre Partnerin 51. An der Wand hängt ein großes Foto: Die beiden sehen aus wie Schülerinnen im Zeltlager, Dorle lehnt sich strahlend an Claudia, die in die Ferne blickt. „So fing alles an“, sagt die Ältere. „Claudia war meine Reiseleiterin in Ägypten.“ Das Bild stammt von einem Kamel-Trip durch den Sinai, mit Übernachtung in der Wüste. Beide waren mit Männern zusammen, bevor es zwischen ihnen funkte. Das Geheimnis ihrer langjährigen Liebe? „Toleranz, Respekt - und Geduld“, sagen sie.

Dorle zog bald nach der Ägypten-Reise aus Soest zu ihrer Freundin und arbeitet seither als Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation für die Kleinsten an der Medizinischen Hochschule Hannover. Claudia fing nach ihrem Politik- und Geschichtsstudium bei der Verwaltung an und ist heute Stadtbezirksmanagerin in Hannover. Kinder waren nie ein Thema. In der Lesben- und Schwulenbewegung, die Jahrzehnte für die Öffnung der Ehe kämpfte, haben sie sich nicht engagiert.

"Wir sind immer ganz offen mit unserer Beziehung umgegangen. Schließlich ist es das Normalste der Welt“, stellt Claudia Göttler fest. „Nur in arabischen Ländern geben wir uns als Schwestern aus.“ Vor der Reaktion ihres Vaters - einem Bundeswehrsoldaten mit konservativen Werten - hatte Dorle anfangs dennoch Angst. „Doch er mochte den Mann nicht, mit dem ich davor 14 Jahre zusammen war. Als ich ihn aufklären wollte, wusste er schon längst Bescheid und meinte: "Hauptsache, du wirst glücklich!"“ Die bayerische Verwandtschaft beerdigte nach Claudias Charme-Offensive ihre Vorurteile.

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