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„Als Kind kam mir die Kirche riesig vor“

Wilkenburg „Als Kind kam mir die Kirche riesig vor“

Kirchenjubiläum: Seit 875 Jahren besteht die St.-Vitus-Kirche in Wilkenburg. Rainer Fietz ist ein Gemeindemitglied, in dessen Leben das Gotteshaus vielfach eine wichtige Rolle gespielt hat. Redakteur Andreas Zimmer hat sich mit dem 72-Jährigen in der Kirche getroffen.

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Großer Schlüssel für die alte Kirchentür: Als Kind musste Rainer Fietz zeitweise beide Hände nehmen, um ihn tragen zu können.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Sie sind in Wilkenburg geboren und wohnen seitdem dort?

Ja, und ich wurde in der Vitus-Kirche getauft und konfirmiert und ich habe dort 1968 geheiratet.

Ihre Mutter Luise Fietz war von Ende der Vierzigerjahre bis in die Sechzigerjahre hinein Küsterin in der St.-Vitus-Kirche. Mussten Sie ihr als Kind gelegentlich helfen?

Und ob! An jedem Wochentag war die Betglocke um 11 Uhr zu läuten. Dazu musste man an einem langen Strick ziehen. Das habe ich oft gemacht. Außerdem waren zu Gottesdiensten im Winter die beiden Kanonenöfen in der Kirche zu beheizen. Wenn man dort Koks hineingegeben hat, gab es erst mal blauen Qualm und die Fenster und Türen waren zu öffnen, damit er abzieht.

Die Vorbereitungen für den Gottesdienst waren also umfangreicher als heute?

Ja, das waren sie. Zu Heiligabend beispielsweise musste man einen Tag vorher anfangen, damit es in der Kirche warm war. Die Kirche war voll, denn zur Vitus-Gemeinde damals gehörten Arnum, Harkenbleck und das Alte Dorf. Es gab auch noch den alten Kirchweg vom Alten Dorf nach Wilkenburg. Und im Sommer war die Kirche oft feucht, da haben wir dann die Türen für Durchzug aufgemacht. Manchmal wurde ich auch im Gottesdienst von Aufgaben überrascht.

Inwiefern?

Wenn keiner vom Kirchenvorstand da war, hieß es, ich sollte mit dem Klingelbeutel rumgehen.

Gab es ein mal ein besonderes Erlebnis?

Manchmal war die Kirchentür abends nicht abgeschlossen. Wir wohnten in der Nähe mit Blick zur Kirche. Da musste ich hin und zuschließen, aber im Dunkeln war das unheimlich. Ach ja, in den Fünfzigerjahren bekam der Turm eine neue Glocke. Sie wurde in Heidelberg gegossen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Gemeindemitglieder waren mit Bussen dort, um sich das anzusehen.

Wie sah das Kirchengelände zu Ihrer Zeit als Kind aus?

Es gab viel mehr Bäume. Entsprechend viel Laub war wegzufegen. Nahe des Eingangs gab es eine kleine Mauer. Die Grabsteine, die heute zusammen unter einem Dachunterstand stehen, waren damals über den Kirchhof verteilt.

Welche Erinnerungen haben Sie an das Innere der Kirche?

Früher war das Gewölbe über dem Altar mit Blumen ausgemalt. Das sah schön aus. Und die Sitzbänke waren in Ochsenblutrot. Erst seit der Jahrtausendwende sind sie in Grau. Und sehen Sie hier die verkürzte Sitzbank?

Ja, was ist damit?

Das war früher der Platz für den Küster. Er konnte ihn stets schnell verlassen, um seine Aufgaben zu erledigen, ohne die Anderen in der Reihe zu stören.

Hand aufs Herz: Waren Sie mal heimlich auf der Kanzel?

Na klar! Ich muss sagen: Als Kind kam mir die Kirche riesig vor. Heute empfinde ich sie als gar nicht so groß.

Welchen Beruf haben Sie ergriffen?

Ich bin mit 13 Jahren in die Schlosserlehre in Wülfel gegangen.

Was schätzen Sie an Wilkenburg, dass Sie zeitlebens dort wohnen?

Es ist die gute Gemeinschaft. Früher, als das Dorf noch kleiner war, kannten sich alle.

Haben Sie auch eine Wilkenburgerin geheiratet?

Ja, meine Frau zog 1962 von Hemmingen-Westerfeld nach Wilkenburg.

Eine Frage noch in eigener Sache: Ihre Mutter hat Zeitungen ausgetragen?

Ja, die Hannoversche Allgemeine und die Norddeutsche Rundschau. Ich habe das nicht mitbekommen. Wenn ich aufwachte, war sie immer schon wieder zurück. Aber ich hatte jeden Monat das Zeitungsgeld zu kassieren.

Wie gefällt Ihnen eigentlich die erste Kunstausstellung auf dem Kirchengelände, der „Friedhof literarischer Gestalten“?

Na, sagen wir mal so: Das ist Gewohnheitssache.

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