Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Wilkenburger begrüßen die Luthereiche

Wilkenburg Wilkenburger begrüßen die Luthereiche

Zahlreiche Besucher des österlichen Familiengottesdienstes in Wilkenburg haben gemeinsam mit Pastorin Harriet Maczewski die frisch gepflanzte Luthereiche neben der Kirche bestaunt. Sie ist ein "Nachkomme" der Luthereiche in Wittenberg und soll an die Reformation vor 500 Jahren erinnern.

Voriger Artikel
KGS-Förderverein stellt neueste Projekte vor
Nächster Artikel
Ortsumgehung verändert die Verkehrsströme

Zahlreiche Besucher  begrüßen die neu gepflanzte Luthereiche an der St. Vituskirche in Wilkenburg.

Quelle: Torsten Lippelt

Wilkenburg. Die Eiche ist rund 2,50 Meter hoch, hat einen zarten Stamm, der am oberen Ende nicht dicker ist als ein Bleistift ist, und steht seit rund 14 Tagen auf dem Kirchhof. Dass sich mit ihrer Pflanzung eine interessante Geschichte verbindet und sie eine von fast 300 Eichen ist, die von Kirchengemeinden in der gesamten hannoverschen Landeskirche in den vergangenen Monaten gepflanzt wurden, erfuhren die interessierten Besucher von Markus Steinmetz. Das Mitglied des Kirchenvorstandes hatte eine Wäscheleine mit zahlreichen Informationsblättern nahe der Luther-Eiche vorbereitet und aufgestellt und erzählte auch selbst über die Herkunft und Bedeutung der sogenannten Luther-Eichen. „Die Tradition, an Jahrestagen der Reformation nach Martin Luther benannte Eichen zu pflanzen, reicht bis zur Legende der Wittenberger Luthereiche zurück“, sagte Steinmetz. Die Eiche in Wilkenburg ist sozusagen ein direkter Nachkomme des Baums in Wittenberg.

Martin Luther verbrannte 1520 im Beisein seiner Studenten die Bann-Androhungsbulle, die Papst Leo X. als Antwort auf Luthers 95 Thesen verfasst hatte. Luther wurde darin aufgefordert, seine Thesen zu widerrufen, sonst würde er exkommuniziert. Luther vollzog mit der Verbrennung öffentlich den Bruch mit der römisch-katholischen Kirche.

Die Legende der Luthereiche besagt, dass ein glühender Anhänger Luthers damals heiraten wollte. Doch die Großmutter der Angebeteten war der alten Kirche verhaftet und wollte die Heirat verhindern. Sie habe ihren Spazierstock dort in die Erde gerammt, wo Luther die Bannbullendrohung verbrannt hatte, und sagte, dass es keine Heirat geben werde, solange der Stock nicht zu grünen beginne. Der verliebte Mann soll daraufhin eine junge Eiche an diese Stelle gepflanzt haben und diese der Großmutter als "Wunder des blühenden Stocks" präsentiert haben. Diese habe ihren Widerstand anschließend aufgegeben und Luther soll das Paar dann persönlich getraut haben.

Die Eiche fiel später den Napoleonischen Kriegen zum Opfer. Doch 1830 pflanzten die Wittenberger an derselben Stelle ein neues Bäumchen - die heutige Wittenberger Luthereiche. Zum 400. Geburtstag des Reformators Luther im Jahr 1883 wurden an zahlreichen Orten in Deutschland Eichen  gepflanzt. Aktuell gibt es in Deutschland noch mehr als 100 dieser Eichen, davon rund 20 im Gebiet der hannoverschen Landeskirche.

Die Luthereiche in Wittenberg wurde von einem Unbekannten 1904 mit einer Säge so schwer beschädigt, dass befürchtet wurde, sie könne eingehen. Daraufhin wurden gezielt die Eicheln der Eiche gesammelt und Setzlinge daraus gezogen. Eine Tageszeitung berichtete damals, dass die Setzlinge für eine Mark das Stück verkauft wurden. Der Erlös ging an den Gustav-Adolf-Frauenverein in Wittenberg. Mit dem Geld beteiligte sich der Verein an der Finanzierung der Glocken für die deutsch-evangelische Kirche in Rom.

Zum 400. Jahrestag der Reformation wurden 1917 deutschlandweit aus diesen Setzlingen zahlreiche Luther-Bäume gepflanzt. Einer davon auch im Dorf Polle im niedersächsischen Weserbergland. Der Kirchenvorsteher und Revierförster in Polle, Andreas Kretschmer, schickte 2007 rund 500 Eicheln, die er von der Eiche gesammelt hatte, an eine Baumschule in Schleswig-Holstein. Dort wurden daraus 300 bis zu drei Meter hohe Bäumchen gezogen. Bereits am 31. Oktober 2016 sind an vielen Orten in der Landeskirche Hannover davon viele Jubiläums-Eichen gepflanzt worden. 

Die Gemeinde Wilkenburg war zunächst nicht für eine der 300 Eichen ausgewählt worden. Der dort jetzt gepflanzte Baum war für eine andere Gemeinde gedacht, die jedoch den Transport nicht organisieren konnte. So erhielt die Gemeinde Wilkenburg die Eiche im zweiten Anlauf. Im gesamten Gebiet der Landeskirche, von der Nordseeküste bis in die Kasseler Berge, vom Wendland bis zur holländischen Grenze, stehen jetzt mehrere hundert Nachkömmlinge der inzwischen 100 Jahre alten Eiche in Polle. An ihren jeweiligen Standorten erinnern sie an das 500. Reformationsjubiläum.

Von Torsten Lippelt und Tobias Lehmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6x83j79y7o91d7blxo03
Vier Gemeinden feiern "Lutherball" in der KGS

Fotostrecke Hemmingen: Vier Gemeinden feiern "Lutherball" in der KGS