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Zehn Jahre wird Kies abgebaut

Wilkenburg/Arnum/Harkenbleck. Zehn Jahre wird Kies abgebaut

Ab nächstem Jahr soll im Dreieck zwischen Wilkenburg, Arnum und Harkenbleck Kies gewonnen werden. Dies wird sich voraussichtlich zehn Jahre hinziehen.

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Das künftige Abbaugebiet – das Bild zeigt einen Teil der geplanten Fläche West – wird zurzeit für die Landwirtschaft genutzt. Das Kieswerk soll in der Abbaufläche West entstehen.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. Die Unterlagen für das Planverfahren liegen bereits aus. Dass Kies abgebaut wird, steht fest. „Daran ist nicht zu rütteln“, sagt Axel Schedler, Fachbereichsleiter in der Hemminger Stadtverwaltung. „Es geht jetzt nur noch um das Wie und ob die Belange des Hochwasser- und des Naturschutzes abgearbeitet sind.“ Die Stadt hätte die Wiesen und Felder, auf denen das Kieswerk entstehen soll, lieber erhalten anstatt einer Zeit mit viel Lärm und Staub entgegenzusehen. „Hemmingen ist beim Kiesabbau schon überproportional belastet“, sagt Schedler. Die Firma Holcim, die bei der Region Hannover die Planfeststellung beantragt hat, betreibt in der Region bereits mehrere Abbaustätten. Der Kies im Müggenwinkel in Wilkenburg soll im sogenannten Nassabbauverfahren gewonnen werden. Dabei soll Grundwasser freigelegt werden. Am Ende entstehen zwei Baggerseen. Im Westen des insgesamt etwa 25 Hektar großen Geländes sollen auf 9,7 Hektar – das ist etwa so groß wie 14 Fußballfelder – Kies abgebaut werden und auf der Ostseite auf 11,6 Hektar. Pro Jahr sollen so 200.000 Tonnen zusammenkommen. Geplant ist, das Kieswerk im Westen des Areals zu errichten. Der Kies von der Ostfläche landet auf einem 120 Meter langen Förderband in einer Schneise im Auwald der Dicken Riede. Laut Gutachten werden die Immissionsrichtwerte eingehalten. Damit es für die Bewohner der umliegenden Ortschaften nicht zu laut wird, sollen vier, jeweils 4,50 Meter hohe Lärmschutzwälle entstehen. Es wurde auch untersucht, wie sich der Abbau bei Hochwasser auswirkt. „Es kommt zu keinen höheren Hochwasserständen“, heißt es in den Planunterlagen. Westlich der K 222 Wilkenburg-Harkenbleck sinkt es bis zu drei Zentimeter ab, nur in einem kleinen Bereich östlich kann es bis zu 1,2 Zentimeter steigen. Der Kies, er wird direkt von den Halden auf Lastwagen verladen, soll auf der L389 Wilkenburg-Arnum abtransportiert werden. Ein Arbeitstag ist mit höchstens 10,5 Stunden angegeben.

Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht zeigt sich über den gewählten Zeitpunkt für die öffentliche Auslage der Planunterlagen verstimmt: Ausgerechnet mitten in den Sommerferien beginne die Region Hannover damit, kritisiert er. Auch die Stadt soll eine Stellungnahme abgeben. Doch viele Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker seien im Urlaub, sagt Schacht.

„Wir haben bei der Region eine Fristverlängerung beantragt.“ Denn die nächste reguläre Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, der sich mit dem Thema befasst, ist erst am 24. September und die Ratssitzung am 15. Oktober. Die bisherige Frist endet aber schon am 2. Oktober.

Regionssprecher Klaus Abelmann sieht in der Verlängerung kein Problem. „Darauf nehmen wir Rücksicht“, sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Zum Auslegungsbeginn mitten in den Ferien sagte er, die Unterlagen gingen eben ihren Gang, sobald sie fertig seien.

Die Leine-Nachrichten fassen einige Fragen zum Kiesabbau zusammen:

Woher stammt das Wasser für die Materialaufbereitung?

Laut Plan wird es den noch herzustellenden beiden Seen entnommen. Das Waschwasser wird zurückgeführt.

Welche Auswirkungen hat das Vorhaben auf Tiere?

Die Auswirkungen werden in den Planunterlagen als „voraussichtlich nur gering bis mittel“ eingestuft. Es wurde zwar ein Nest des stark gefährdeten Rotmilans gefunden sowie ein Brutrevier der Feldlerche. „Artenschutzrechtliche Aspekte stehen dem Vorhaben aber nicht entgegen.“ Feldhamster kommen in dem Gebiet nicht vor.

Könnten sich die Arbeiten durch archäologische Funde verzögern?

Ja. Das geplante Abbaugebiet war in vor- und frühgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt.

Wie wird das Kieswerk gebaut?

Ein Tieflader transportiert die Stahlkonstruktion unter anderem mit den Siebmaschinen. Sie wird an Ort und Stelle zusammengesetzt. Zum Schluss werden alle technischen Anlagen entfernt.

Was entsteht nach dem Abbau?

Es entstehen zwei Baggerseen.

Sind die meisten Hemminger Seen durch Auskiesung entstanden?

Ja, zuletzt am Alten Dorf in den Neunzigerjahren.

Die Planunterlagen umfassen einen prall gefüllten DIN-A-4-Ordner. Sie sind noch bis Freitag, 18. September, am Informationsschalter im Rathaus in Hemmingen-Westerfeld zu folgenden Zeiten einzusehen: montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr sowie montags und donnerstags von 13.15 bis 18 Uhr. Anders als in der amtlichen Bekanntmachung angegeben sind die Entwürfe nicht im Internet auf hannover.de abzurufen. Kritik und Anregungen sind schriftlich zu verfassen und können bis Freitag, 2. Oktober, bei der Abteilung Bauverwaltung der Stadt Hemmingen abgegeben werden oder beim Team Gewässerschutz der Region Hannover an der Hildesheimer Straße 20 in Hannover. Der Zeitpunkt für den sogenannten Erörterungstermin steht laut Region noch nicht fest. Der Kiesabbau selbst kann nicht mehr verhindert werden. Im Raumordnungsprogramm ist er längst eingeplant. Die Stadt hatte 1997, als sie den Kiesabbau in ihren Flächennutzungsplan übernehmen sollte, geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte die Klage jedoch abgewiesen.

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