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Zeitgeschichte: Die beste Suppe seines Lebens

Arnum Zeitgeschichte: Die beste Suppe seines Lebens

Manfred Knappe muss nicht lange überlegen. „Im Grenzdurchgangslager in Friedland habe ich die beste Nudelsuppe meines Lebens gegessen“, sagt der Arnumer. Mit seinen Eltern war der damals Zehnjährige einer der Ersten in dem vor 70 Jahren eröffneten Lager bei Göttingen.

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Borghild und Manfred Knappe sehen sich in ihrem Wohnzimmer alte Fotos an.

Quelle: Andreas Zimmer

Hemmingen. „Es war ein sehr warmer Tag für September 1945, das weiß ich noch.“ Nach vielen Strapazen sei er froh gewesen, endlich etwas Warmes essen zu können. „Das Lager war ziemlich groß. Ich kann mich an Wellblechbaracken erinnern. Es waren zwar viele Leute dort, aber ich empfand das Lager als angenehm.“ So sehr, dass er noch heute von der Nudelsuppe schwärmt, die er in einem Becher bekam. Es ging noch am selben Tag vom Lager aus weiter. Ziel war das etwa 15 Kilometer entfernte Bremke bei Göttingen.

Knappe stammt aus Guben. „Wir sind vor den Russen geflüchtet.“ Im Februar 1945 machten sich Manfred Knappe und seine Mutter - sein Vater war Soldat in Dänemark - in Richtung Thüringen auf den Weg zu Verwandten. Doch auch dort fühlten sich die Knappes später nicht mehr sicher. „Plötzlich war der Amerikaner nicht mehr da“, sagt Manfred Knappe. Sein Vater war mittlerweile in Thüringen eingetroffen. Mit Handwagen zogen sie zum Bahnhof Gera. Von dort dauerte die Zugfahrt auf der rund 200 Kilometer langen Strecke nach Heiligenstadt bei Göttingen einen ganzen Tag.

„In Heiligenstadt haben wir in einer Turnhalle übernachtet.“ Chaotische Zustände habe es nicht gegeben. „Unter den Bedingungen, die damals herrschten, wurde eine Menge für uns getan.“ Am nächsten Tag sei die Flucht über die Grenze zu Fuß fortgesetzt worden. „Wir sind durchs Niemandsland gerannt. Mein Vater rief immer: ,Wir dürfen nicht die Letzten sein.‘“ Manfred Knappe hatte seinen Schulranzen bei sich und trug zudem zwei Taschen. „Erschöpft kamen wir an einer Scheune an, in der wir schlafen konnten.“

Am nächsten Morgen sei ein Leiterwagen vorgefahren, der die Knappes und andere Vertriebene und Flüchtlinge nach Friedland brachte. „Im Lager kamen wir zerlumpt an und wurden erst einmal entlaust.“ Erneut stand eine Zugfahrt an, diesmal in Güterwaggons bis Hannover. In der Nordstadt fanden die Knappes eine neue Bleibe - in einem Zimmer mit einem Bett für drei Personen.

1963 zog Knappe, der als Klempner arbeitete, nach Arnum. In Friedland ist er seither nicht wieder gewesen, wohl aber mehrmals in der polnischen Stadt Gubin und ihrer deutschen Zwillingsstadt Guben, so auch vor wenigen Wochen. „Auf der Ostseite der Neiße kenne ich jede Ecke.“ Knappe stand mit seiner Ehefrau Borghild - die Hannoveranerin lernte er in den Siebzigerjahren kennen - auch vor seinem Elternhaus. Es dient weiterhin als Wohngebäude.

Zurzeit verfolgt Knappe die Medienberichte über das 70-jährige Bestehen des Grenzdurchgangslagers Friedland. Dass es bis Anfang dieser Woche vorübergehend sogar eine Friedland-Außenstelle in Hemmingens Nachbarstadt Laatzen gab, hat er mit besonderem Interesse gelesen.

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