Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Hoeneß Flugzeugabsturz

Redakteur erinnert sich an die Unfallnacht


Flugzeugabsturz am 17. Februar 1982 bei Heitlingen: Der damalige FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß ist der einzige Überlebende. Der Wedemärker Friedrich Bernstorf, der als erster Journalist an der Unfallstelle war, erinnert sich.

Redakteur Friedrich Bernstorf blättert in seinem Material zum Flugzeugabsturz.

© Markus Holz

Wedemark. Die ersten 1000 Exemplare der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung liegen längst versandfertig im Kirchröder Druckzentrum, als Friedrich Bernstorfs Telefon kurz nach 20 Uhr klingelt. Es ist Eduard Heinrich, Zugführer der Katastrophenschutzeinheit der Wedemark. Er hat im Funk vom Flugzeugabsturz im Heitlinger Moor gehört. Bernstorf ist nicht nur Redakteur für die Wedemark, er gehört auch zu Heinrichs Einheit. Er rast zum Sammelpunkt der Retter am Parkplatz neben der L 380 am Abzweig nach Heitlingen. Der Flughafen hatte Großalarm ausgelöst.

„Feuerwehren aus Langenhagen, der Wedemark und Garbsen standen dort“, erzählt Bernstorf, „ich habe mich irgendeinem Suchtrupp angeschlossen, es waren Feuerwehrleute aus Berenbostel.“ Niemand weiß, wo die Maschine niedergegangen ist. Es ist dunkel und kalt. Wasser steht gefroren auf den Weiden. „Lange suchen mussten wir in unserem Sektor nicht, der Jäger Karl-Heinz Deppe kam uns schon entgegengelaufen“, erinnert sich Bernstorf. Der schwerverletzte Uli Hoeneß war dem Jäger mitten im Wald fast in die Arme gelaufen, blutüberströmt, unter Schock, verwirrt. Deppe hatte ihn in seinem Geländewagen aus dem Morast fahren wollen, war aber stecken geblieben. „Ich bin nur kurz am Wagen vorbeigegangen und habe Hoeneß da sitzen sehen. Der Anblick hat mich erschreckt, ich habe kein Foto machen können – würde ich heute auch nicht tun“, sagt Bernstorf.

Er zieht weiter mit dem Suchtrupp Richtung Wrack auf einer matschigen Wiese zwischen einer Reihe junger Pappeln und der Auter. Erst dort greift Bernstorf im wirren Licht von Handscheinwerfern zur Revue Flex. „Ich habe fotografiert, ohne zu sehen, was ich fotografiere. Das ganze Ausmaß habe ich erst später auf den Abzügen erkannt. Da war kein Leben mehr drin.“

Niemand hindert Bernstorf an seiner Arbeit. Abgesperrt wird erst später. Er fühlt sich nicht wie ein Sensationsreporter, eher wie ein Zeitzeuge, der festhält, was passiert ist. Durchgefroren, mit nassen Füßen und einem Schwarz-Weiß-Film in der Kamera macht sich Bernstorf gegen 21.30 Uhr auf den Weg nach Kirchrode.

Lokalchef Wolfgang Steinweg hat die Rotation bereits anhalten lassen, er recherchiert, wartet auf Bernstorfs Bilder. Weit nach Mitternacht läuft die Druckmaschine wieder an. Eingebrannt haben sich nur wenige Bilder aus dieser Nacht in Bernstorfs Gedächtnis. „Ich habe ja in der Dunkelheit keine Sterbenden oder Leichen gesehen, das passierte mir im Beruf erst ein paar Jahre später.“ Und manche Erinnerung kommt erst zurück, als Bernstorf die alten Zeitungen und seine Fotos durchblättert.

Von Markus Holz

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Anzeige

Die Wedemark in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 173 km²
  • Einwohner: ca. 29.000
  • Bevölkerungsdichte: 168 Einwohner je km²
  • Postleitzahl: 30900
  • Ortsvorwahlen: 05130, 05072, 05131
  • Wirtschaft: Firmendatenbank
  • Gemeindeverwaltung: Fritz-Sennheiser-Platz 1, 30900 Wedemark, Telefon (05130) 5810
  • Bürgermeister: Tjark Bartels (SPD)
  • Rat: SPD (15 Sitze), CDU (13), Grüne (5), FDP (1), Linke (1), WGW (1)
  • Heimatzeitung: Die Nordhannoversche Zeitung liegt in der Wedemark täglich der HAZ und der Neuen Presse bei


Top