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Hilfe von Mensch zu Mensch

Netzwerk für Flüchtlinge Hilfe von Mensch zu Mensch

Mehr als 130 Flüchtlinge in Isernhagen finden im kürzlich gegründeten Helfernetzwerk der Bürgerstiftung das, was die Gemeindeverwaltung allein nicht leisten kann: eine Betreuung, die menschlich und unbürokratisch jeden willkommen heißt.

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 Barbara Schindewolf-Lensch (von links), Nicole Körner, Beate Roßbach und Joachim Wegener suchen Mitstreiter.

Quelle: Bahl

Isernhagen. 133 Flüchtlinge leben bereits in Isernhagen, weitere 79 werden bis zum zweiten Quartal 2015 mindestens noch erwartet. Für alle steht im Rathaus nur eine Ansprechpartnerin parat: Nicole Körner kümmert sich mit einer halben Stelle darum, dass die Flüchtlinge eine Unterkunft bekommen und betreut werden: „Zeit für eine enge Betreuung bleibt mir aber meist nicht“, beschreibt sie das Problem.

Und dabei sei diese für die Neu-Isernhagener, die kein Deutsch sprechen, sich im Behördendschungel nicht auskennen und oft traumatisiert sind, dringend nötig. Hürden für die unter anderem aus Syrien stammenden Menschen gibt es schon bei den einfachsten Dingen: „Einer wusste nicht, was 1. OG heißt“, beschreibt Körner. „Wie soll so jemand erfolgreich komplizierte Anträge ausfüllen?“ Ihre große Dankbarkeit gegenüber dem kürzlich von der Bürgerstiftung ins Leben gerufenen Helfernetzwerk Isernhagen zeigt sie daher offen: „Die Betreuung, die die Ehrenamtlichen inzwischen anbieten, könnte ich allein nie leisten“, betont Körner.

Diese Betreuung bezeichnet Helferin Beate Roßbach kurzum als „menschliche Erste Hilfe“, die jeder leisten könne. „Wir sind keine Sozialarbeiter und keine Verwaltungsmenschen, wir sind einfach nur da und wollen den Flüchtlingen das Gefühl geben, dass sie hier willkommen sind“, sagt sie. Unter der Leitung von Ärztin Barbara Schindewolf-Lensch haben sich acht Aktive zusammengeschlossen, die niederschwellig konkrete Unterstützung anbieten.

„Wir gehen mit ihnen zu Behörden, zum Arzt, zeigen ihnen, wo sie einkaufen können, helfen, Möbel zu besorgen, zeigen Beschäftigungsmöglichkeiten auf“, nennt Roßbach ein paar Beispiele. Schindewolf-Lensch schaut auch medizinisch nach den Menschen, die ihrer Erfahrung nach „oft völlig überfordert“ mit der neuen Situation sind und sich über den Besuch der Helfer freuen. Da wird einer Schwangeren eine Hebamme besorgt und dem traumatisierten, alleinstehenden Flüchtling ein soziales Umfeld im Fußballverein verschafft. Flüchtlingskinder haben dank des Helfernetzwerks ehrenamtlich von Lehrern einen Sprachkurs erhalten.

Weitere Ideen sind bereits geboren – eine Spielgruppe für Flüchtlingskinder und ein gemeinsamer Abend mit den jeweiligen Nachbarn sind nur einige davon. „Die Flüchtlinge haben kaum Beschäftigung. Das wenige Geld, das sie zur Verfügung haben, reicht für Freizeitaktivitäten nicht aus“, sagt Körner. Vor allem für alleinstehende Flüchtlinge, die ohne Familie nach Isernhagen gekommen sind, seien da Angebote wichtig.

Zusätzliche Unterstützung hat das Netzwerk geschaffen, indem es die Begrüßungsflyer der Gemeinde in verschiedene Sprachen übersetzt hat. „Jeder bekommt jetzt einen personalisierten Flyer“, bestätigt Körner. Darauf sind neben den wichtigsten Anlaufstellen beispielsweise auch die Buslinien genannt, die bei den Unterkünften halten.

Die Mitglieder des Helfernetzwerks haben die Texte übersetzt. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Menschen melden, die mehrere Sprachen sprechen und im Notfall als Dolmetscher einspringen“, sagt Schindewolf-Lensch. Im Prinzip sei aber die Hilfe jedes Isernhageners gefragt.

Die Hilfe, die das Helfernetzwerk anbietet, ist wirksam. „Aber mit acht Aktiven können wir nicht so viel leisten, wie wir wollen“, sagt Beate Roßbach. Gesucht werden Isernhagener, die eine Fremdsprache sprechen, Vereine, die Flüchtlingen eine Freizeitbeschäftigung anbieten und jeder, der etwas Zeit oder Ideen hat. „Schön wäre es, wenn wir mehr Mitstreiter hätten, die die Flüchtlinge in ihren Unterkünften besuchen und eine Patenschaft übernehmen“, sagt Barbara Schindewolf-Lensch. Der Behördendschungel erfordere „Frust- Tauglichkeit“, aber die Dankbarkeit der Flüchtlinge und der Einblick in deren Kultur gebe einem viel zurück. Auch finanziell kann jeder das Helfernetzwerk unterstützen - per zweckgebundener Spende an die Bürgerstiftung.

Während die Gemeinde an die Kapazitätsgrenzen ihrer Flüchtlingsunterkünfte gerät, sind es vor allem die anerkannten Asylbewerber, die freies Wohnrecht genießen, aber keine Wohnung finden: „Wohnraum suchen wir daher genauso dringend wie Menschen, die Asylbewerber bei der Wohnungssuche begleiten“, sagt Roßbach. Wer helfen möchte, meldet sich unter Telefon (0511) 6153189 oder per E-Mail an helfernetzwerk-isernha gen@web.de.

von Carina Bahl

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