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„Wir sind jetzt eingespielt“

Isernhagen „Wir sind jetzt eingespielt“

176 Flüchtlinge hat Isernhagen aktuell untergebracht und dank des unermüdlichen Einsatzes des Helfernetzwerkes auch integriert. Angesichts der neuen Prognosen stehen Verwaltung und Ehrenamtliche aber vor einer großen Herausforderung - und rufen jetzt die Bürger zur Unterstützung auf.

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Willkommen in Isernhagen: Barbara Schindewolf-Lensch (links) und Beate Roßbach besuchen gemeinsam mit dem syrischen Flüchtling Salim (Dritter von rechts) Adam (von links), Osman, Osman und Eric in ihrem Übergangs-
zuhause in Kirchhorst.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Als Osman, Eric und Adam nach ihrer langen und lebensgefährlichen Flucht aus dem Sudan und der Elfenbeinküste sowie nach zwei Monaten im Aufnahmelager in Braunschweig das Rathaus Isernhagen erreichten, setzten sie einen Mechanismus in Gang. „Wir sind inzwischen eingespielt“, sagt Barbara Schindewolf-Lensch, Leiterin des Helfernetzwerks Isernhagen. Die Zusammenarbeit von Gemeindeverwaltung - in Person der zwei Sozialarbeiter und des extra dafür abgestellten Hausmeisters - und den Ehrenamtlichen funktioniert. „Es wird zunehmend leichter, weil wir die Abläufe kennen.“

Weil die Unterkünfte noch nicht fertig renoviert waren, haben die Afrikaner ein Zuhause auf Zeit im Gasthaus Zum Maikäfer in Stelle gefunden. Das Helfernetzwerk hat ihnen Paten an die Seite gestellt und bereits Fahrräder besorgt - und Salim, ebenfalls Flüchtling, der für sie übersetzt. „Inzwischen helfen Flüchtlinge Flüchtlingen, das war immer das Ziel“, freut sich Schindewolf-Lensch.

Der Ablauf von der Ankunft bis zur Integration ist geübt - aber die Mittel, die es dafür braucht, sind weiterhin begrenzt. Ganz oben auf der Agenda steht weiterhin Wohnraum: Jeder, der Platz hat, sollte sich schnellstmöglich im Rathaus melden. Mit den alleinstehenden Männern sind aber auch andere Engpässe deutlich geworden: „Uns fehlen Männerkleidung und Schuhe in Größen von 41 bis 45“, ruft Beate Roßbach zu Spenden auf. Die sieben, jeweils bis zu zehnköpfigen Familien aus Syrien, die in Isernhagen leben, brauchen zudem dringend große Kühlschränke, am besten mit Gefrierfach. „Vielleicht hat ja jemand noch einen irgendwo stehen“, hofft Roßbach. Auch Woll- und warme Bettdecken sind Mangelware.

Wer keine Sachspenden hat - das Helfernetzwerk braucht auch Geld: „Wir finanzieren den Flüchtlingen Deutschkurse. Das kostet viel“, sagt Schindewolf-Lensch. Und dass diese sehr gefragt sind, beweisen Osman, Eric und Adam. Ihr größter Wunsch: schnell Deutsch zu lernen, um sich in ihrer neuen Heimat verständigen zu können. Wie sie sich integrieren wollen, wissen die 19- bis 27-Jährigen schon: Fußball spielen. Das lieben sie. Sportvereine und Freiwillige, die ihnen da ein Angebot machen können, sind beim Helfernetzwerk ebenfalls gern gesehen. Interessierte, die helfen oder spenden wollen, sollten sich per E-Mail an helfernetzwerk-isernhagen.de melden.

Von Carina Bahl

Syrer ist große Unterstützung fürs Helfernetzwerk

Salim ist 37 Jahre alt, wohnt in Kirchhorst, hat eine Frau, einen vierjährigen Sohn und eine sieben Monate alte Tochter. Klingt ganz normal? Nur auf den ersten Blick. Denn Salim ist vor acht Monaten mit seinen beiden Neffen aus Damaskus geflüchtet, musste seine Familie dort zurücklassen und hat seine kleine Tochter so noch nie in den Arm nehmen dürfen. Ein besseres Leben ohne Krieg und Todesangst, das sucht er in Isernhagen für seine Familie, die er schnell nachholen möchte – und er tut alles dafür. „Er ist für uns wirklich eine ganz besondere Unterstützung“, sagt Beate Roßbach vom Helfernetzwerk. Salim spricht inzwischen fast fließend Deutsch – nicht zuletzt dank selbst finanzierter Deutschkurse. Neuen Flüchtlingen, wie den Afrikanern im Maikäfer, steht er als Arabisch-Dolmetscher Tag und Nacht freundschaftlich zur Seite, hilft immer, wenn es Hilfe braucht. Sein Asylverfahren läuft – und nichts wünscht er sich jetzt mehr, als auch mit einem Job den Behörden beweisen zu können, dass er sich integriert hat. In Damaskus war er als Buchhalter und Geschäftsmann tätig, hat sogar Jura studiert. „Aber ich würde auch anderes machen“, betont der Familienvater – und weiß, wie schwierig es ist: „Arbeitgeber brauchen Geduld.“ Gut einen Monat dauert es, bis er von der Ausländerbehörde und dem Arbeitsamt die Erlaubnis bekommen würde. „Ich hoffe sehr, dass jemand bereit dazu ist.“ Mögliche Arbeitgeber können sich an das Helfernetzwerk wenden.

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