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Die „Kleine Dott“ und ihre große Reise

Isernhagen Die „Kleine Dott“ und ihre große Reise

Auf den ersten Blick fällt das 8,50 Meter lange, blaue Boot am Steg des Wassersportvereins Altwarmbüchen gar nicht auf. Fast gemütlich treibt die „Kleine Dott“ zwischen den Segelbooten. Dabei hat das neue Schätzchen des WSV eine wahrlich bewegte Geschichte hinter sich.

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28 Jahre war die „Kleine Dott“ das Beiboot des Zerstörers „Bayern“.

Quelle: Carina Bahl

Altwarmbüchen. 1965 in Lübeck gebaut, hing der Kutter 28 Jahre lang als Barkasse am 134 Meter langen Marine-Kriegsschiff Zerstörer „Bayern“. Das bayerische Wappen am Bug weist noch darauf hin. Während der Zerstörer 1995 nach 30 Jahren Dienst abgewrackt wurde, begann für sein Beiboot eine zweite Karriere – die sich dieser Tage am Altwarmbüchener See fortsetzt.

Als Pflegevater des 2,5 Tonnen schweren Bootes darf man wohl getrost Norbert Randzio bezeichnen. Der Altwarmbüchener rettete das Schiff vor 22 Jahren. Als Begründer des Segelsozialwerks der Bundeswehr erhielt der heute 80-Jährige einen Überlassungsvertrag vom Verteidigungsministerium für das Beiboot. Die Idee war gut – und teuer. „Uns fehlte anfangs das Geld, die Barkasse startklar zu machen“, berichtet er. Es brauchte 12 000 Mark aus der Bingo-Lotto-Stiftung und Mitgliedsbeiträgen, damit die alte Lady in Schuss gebracht werden konnte. 

1999 war es dann soweit: In Kooperation mit dem BUND ging die „Kleine Dott“, die nach einem Brandenburger Märchen aus den Dreißigerjahren benannt ist, wieder auf große Fahrt. Erst bei Nienburg auf der Weser, seit 2001 bei Lenzen auf der Elbe schipperte sie rund 16 Jahre lang, um Touristen die Flusslandschaften näherzubringen, aber auch um Wassersportlern Manöver wie das Anlegen und Kreuzen beizubringen.

„Es war eine wirklich schöne Zeit“, erinnert sich Randzio nur zu gern an seine zahlreichen Ausflüge nach Lenzen, um das kleine Boot in Schuss zu halten und Ausflüge zu machen. „Sein ganzes Herzblut ist in dieses Boot geflossen“, weiß auch Bernhard Schmidt, der gemeinsam mit Randzio das Projekt begleitet hat. Viele Anekdoten hat das kleine Boot, das am Zerstörer Bayern nur eine Nummer hatte und danach eigentlich „Biber“ heißen sollte, erlebt.

So war es beispielsweise ein Glücksfall, dass 2004 neben der „Kleinen Dott“ auf der Elbe Mitarbeiter der Abteilung „VW-Marinemotoren“ unterwegs waren. Der alte, reparaturbedürftige und daher wirklich laute Dieselmotor der Barkasse löste sofort hämische Sprüche von nebenan aus: „Was ist das denn für ein alter Motor, der klingt ja schrecklich!“, scherzte einer der VW-Experten. „Haben Sie etwas Besseres?“, erwiderte provokant die Besatzung der „Kleinen Dott“. Wer Sprüche klopft, muss Taten folgen lassen: Wenige Wochen später durfte Randzio in Salzgitter einen 11 000 Euro teuren, neuen Motor für die „Kleine Dott“ abholen – eine Spende. Ob Schulklassen, Naturschutzvereine, Journalisten, Wassersportler oder auch Politprominenz wie Sigmar Gabriel – wenn die „Kleine Dott“ doch nur erzählen könnte, sie würde Bücher über ihre vielen Passagiere füllen können.

Diese Geschichte hätte sich auch fortsetzen können, wenn das Segelsozialwerk sich nicht Ende März aufgelöst hätte. „Nun hatten wir ein Boot, aber wussten nicht wohin damit“, sagt Schmidt. Der BUND ist Experte im Naturschutz – „aber von Bootspflege haben die keine Ahnung“, weiß Randzio. Ganz anders sieht das beim WSV in Altwarmbüchen aus, der ebenfalls Mitglied im Segelsozialwerk war. „Hier gibt es so viele, die sich begeistert an die Arbeit gemacht haben“, weiß Randzio, der eng mit dem WSV verbunden ist. „So etwas hält unseren Verein zusammen.“ Und so steuerte die „Kleine Dott“ jetzt ihre nächste Etappe an: In drei Tagen lenkte Randzio sie über die Elbe, durch diverse Schleusen und auf dem Mittellandkanal bis nach Hannover. Weil die Barkasse zwar viele Bänke, aber kein Schlafzimmer hat, begleitete ihn seine Frau am Ufer entlang im Wohnmobil und wusste vor Einbruch der Dunkelheit stets einen Liegeplatz für die „Kleine Dott“ zu organisieren.

Zum Saisonstart des WSV ist die Barkasse jetzt feierlich das erste Mal in den Altwarmbüchener See gelassen worden – mit Ausnahmegenehmigung, denn Motorboote sind dort nicht erwünscht. In vielen Arbeitsstunden ist sie noch einmal überholt worden, um schon bald in einem kleinen Kanalhafen bei Seelze als neues WSV-Übungsboot auf alle zu warten, die einen Motorbootführerschein machen wollen.

Eigentlich könnte man sie auch segeln – „allerdings hätten die Masten nicht unter den Brücken in Hannover hindurch gepasst“, erklärt Randzio. Aber die Begeisterung beim WSV ist dennoch riesig – „zum Saisonstart haben die Ruderer darauf bestanden, die „Kleine Dott“ auch einmal zu rudern“, sagt er lachend. Hat da etwa jemand schon sein Revier markiert?

„Das war mein Ziel, das ist so schön“, freut sich Randzio über das Engagement des WSV. „Ich kann mich jetzt zufrieden aus der Pflege zurückziehen“, sagt er und muss lächeln. Für seine „Kleine Dott“ aber geht das Abenteuer weiter.

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Von Carina Bahl

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