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88-Jähriger muss seinen Führerschein abgeben

Altwarmbüchen 88-Jähriger muss seinen Führerschein abgeben

Jahrzehntelang war er unbescholten mit dem Auto gefahren, jetzt musste ein 88-Jähriger aus Langehagen seinen Führerschein abgeben – der Amtsrichter hatte ihm nach einer Unfallflucht ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte. „Altwerden ist scheiße", sagte der Senior.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Altwarmbüchen. Mühsam war der Weg in den Gerichtssaal: Wie der 88-Jährige da am Gehstock langsam gen Anklagebank schritt, passte er so gar nicht ins Bild der Menschen, die normalerweise vor Amtsrichter Michael Siebrecht Platz nehmen. Dieser musste auch deutlich lauter sprechen als sonst, denn mit dem Hören klappe es bei ihm auch nicht mehr so gut, so der Rentner.

Angeklagt war der Langenhagener wegen Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht - bei einer Strafandrohung von bis zu fünf Jahren Haft wahrlich kein Pappenstiel. Als treusorgender Ehemann hatte er seine Frau im Januar zum Augenarzt nach Altwarmbüchen gefahren und auf dem Heimweg beim Abbiegen einen Bus gestreift - das Resultat war ein immerhin fünf Meter langer Kratzer.

Warum er dann einfach weitergefahren sei, wollte der Richter von ihm wissen. „Weil ich es nicht wahrgenommen habe“, entgegnete der 88-Jährige. Doch was ist überhaupt der Grund dafür gewesen, dass der Rentner einen laut Zeugen „riesigen Bogen“ gefahren war? Hatte der Mann kurz zuvor einen Schlaganfall erlitten und hätte sich gar nicht erst ans Steuer setzen dürfen? Immerhin war der 88-Jährige zurück in Langenhagen zusammengebrochen und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo er eine Woche zubrachte. Oder war es schlicht eine altersbedingte Ausfallerscheinung?

Amtsrichter Siebrecht entschied sich, dem Rentner eine goldene Brücke zu bauen: Wenn dieser seinen Führerschein jetzt abgebe, bevor beim nächsten Mal vielleicht noch Schlimmeres passiere, klappe er die Akte zu. „Das Angebot kriegt nicht jeder von mir“, sagte Siebrecht und verwies auf die blütenweiße Weste des angeklagten Seniors. Andernfalls drohte eine Verurteilung und dazu die Überprüfung der Fahreignung. „Und das ist auch für Jüngere schon schwierig.“ Auch wenn sich der Langenhagener, der den Führerschein eigentlich erst mit 90 Jahren abgeben wollte, noch ein wenig wehrte - „das Auto ist mein Lebensinhalt“: Nach einem Familienrat mit Ehefrau und Sohn auf dem Gerichtsflur reichte er seinen alten, grauen Führerschein über den Richtertisch. „Sie haben Verantwortung gezeigt, das wird honoriert“, lobte der Richter.

Sein ganz persönliches Fazit hatte der 88-Jährige wenige Minuten zuvor zum Besten gegeben: „Altwerden ist scheiße.“

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