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Wer hat 880.000 Euro übrig?

Kirchhorst Wer hat 880.000 Euro übrig?

Wer das nötige Geld auf dem Konto hat, kann in Kirchhorst nicht nur 630 Quadratmeter Wohnfläche erwerben – viel Historie ist beim Gutshaus in Stelle im Preis inbegriffen.

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Das Gutshaus Stelle steht auf einem 5300 Quadratmeter großen Grundstück.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Ein Schnäppchen ist das „exklusive Gutshaus in schöner Umgebung“, wie es die Immobilienfirma Engel & Völkers bewirbt, eher nicht: Zum (bereits reduzierten) Kaufpreis von 880.000 Euro soll das dreistöckige Gebäude den Besitzer wechseln. Und bei Energieklasse D sollte man auch für die alljährliche Heizöllieferung noch ein paar Euro auf dem Konto haben.

Dafür bietet der große Bau auf einem parkähnlichen Grundstück und Blick auf die Weiden des Reitvereins Kirchhorst aber auch Platz für eine ganze Fußballmannschaft: Elf Zimmer mit einer Deckenhöhe von 3,20 Meter verteilen sich im Gutshaus aus dem Jahre 1911. Bei sieben Badezimmern kann man an jedem Tag der Woche ein anderes stilles Örtchen aufsuchen. Bei der Sanierung kurz vor der Jahrtausendwende wurden Dielen und Eichenparkett aufgearbeitet, Stilelemente wie große Schiebetüren, klassizistische Zimmertüren und Buntglaselemente erinnern an längst vergangene Zeiten. Dennoch sei die Vermarktung eines so großen Objektes „ein bisschen schwierig“, räumt Makler Christian Güntner ein. „Der Käufermarkt ist überschaubar.“

Wie Isernhagens Gemeindearchivar Christian Heppner auf Nachfrage berichtet, war es der vermögende hannoversche Frauenarzt und Sanitätsrat Dr. Walter Wilke, der sich das Gut ab 1911 als Wohn-, Jagd- und Freizeitdomizil aufbauen ließ. 1935 kaufte dann die Stadt Hannover das Gebäude samt 125 Hektar Fläche für 155.000 Goldmark, um dort ein Alters- und Pflegeheim zu errichten. Dieser Plan zerschlug sich jedoch, das Projekt wurde in Langenhagen verwirklicht. Das Stadtgut Stelle wurde fortan landwirtschaftlich genutzt, die Erträge gingen direkt an die städtischen Heime. Wie der Hof beziehungsweise die Halbhöfnerstelle zum Gut wurde, kann Heppner nur vermuten: Es habe in wohlhabenden Kreisen zu Beginn des 20. Jahrhunderts als schick gegolten, großzügigen Immobilien durch den Kauf ritterschaftlicher Stimmrechte in der Landschaft einen quasi adeligen Status zu verleihen.

Von Frank Walter

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