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96-Ex-Keeper fiebert am Tresen mit den "Roten" mit

Isernhagen K.B. 96-Ex-Keeper fiebert am Tresen mit den "Roten" mit

Leverkusens Fußballrasen war am Sonnabend gar nicht weit weg: Beim ersten Auswärtsspiel der Bundesliga-Rückrunde wurde die Gaststätte Heuboden für echte 96-Fans zum Stadion - wie immer, wenn die „Roten“ nicht zu Hause spielen.

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Als Gaststätte getarntes Mini-Stadion: Im Heuboden fachsimpelt auch Ex-96-Keeper Jürgen Rynio (Zweiter von links) regelmäßig mit anderen Fußballfans.

Quelle: Jens Niggemeyer

Isernhagen. Vor zwei Leinwänden und einem Fernseher ist Fußball in der Kultkneipe ein Gemeinschaftserlebnis. „Zu Erfolgszeiten ging es hier stimmungsmäßig zu wie in der Nordkurve“ - Joachim Gutzeit, der den urlaubenden Wirt Jens Gomsior vertritt, übertreibt nicht. Aktuell dümpelt der Erstligist als Letzter in den Niederungen der Tabelle - das schlägt aufs Gemüt. „Die Jungs spielen so schlecht, dass einigen das Zuschauen schwerfällt.“

Ergo wird in dem kleinen als Gaststätte getarnten Mini-Stadion zwar gefachsimpelt, gewitzelt und geschnackt wie sonst, gejubelt aber eher selten. Gegen Bayer 04 Leverkusen regieren Galgenhumor und das Prinzip Hoffnung.

Gerade sind einige im Urlaub, krank oder doch nach Leverkusen mitgefahren, sodass es ausnahmsweise mal nicht so gedrängt zugeht wie üblich. Das Publikum ist aber gemischt wie immer: Die Palette reicht vom Rechtsanwalt und Zahnarzt über den Architekten, Pflegeheimbetreiber, Schriftsteller und Landwirt bis zum Schüler. Ex-96-Keeper Jürgen Rynio, der in Isernhagen lebt, mag es, in dieser Clique mit den vielen Freiberuflern mitzujubeln und notfalls auch mitzuleiden. Die Grundstimmung bleibt trotz aller sportlichen Depression heiter, ganz einfach „weil es hier gemütlich ist und ungezwungen zugeht“, wie Stammgast Ines Ehrhardt erläutert.

Gefühlt gibt es im Heuboden ausschließlich Stammgäste, vor allem bei Auswärtsspielen. „Einige haben hier sogar ihre festen Plätze“, erklärt Gutzeit. An der Theke - also quasi direkt am Spielfeldrand - sitzen beispielsweise immer Mark Michehl, Dirk und Marc Chrestin sowie mit Ex-96-Keeper Jürgen Rynio, eine wahre Ikone der „Roten“. Ausgerechnet in dieser Saison hat 96-Ikone Rynio das erste Mal im Leben eine Dauerkarte für die HDI-Arena. „Wenn die über Nacht keine Leute mehr finden für die Kreativabteilung, dann sieht es duster aus“, schwant es dem 67-Jährigen, der als Bundesliga-Spieler insgesamt fünfmal abgestiegen ist und sich ironisch „Rekordabsteiger“ nennt. Ahnung haben sie natürlich alle. „Hier gibt’s nur Experten“, unkt Dirk Chrestin. „Wir sind alles kleine Trainer.“ Am Sonnabend bleiben die Ratschläge der Heuboden-Coaches leider ungehört, Thomas Schaaf hat von den Kollegentipps aus K.B. nichts. Das Spiel in Leverkusen plätschert dahin, 96 wirkt bemüht, kein Tor in Sicht - schade, denn: „Wenn es läuft und die Buden auf der richtigen Seite fallen, herrscht hier Stimmung wie im Stadion“, versichert Michehl.

„Erst gewinnt Angelique Kerber die Australian Open, dann schafft 96 einen Sieg in Leverkusen und morgen holen sich die Handballer den Europameistertitel - das wäre ein Wochenende“, skizziert Cornelia Kuhnert ihr Wunschszenario. Doch kurz vor der Halbzeitpause geht Bayer 1:0 in Führung - und die Negativserie setzt sich fort.

Dabei hatte Marc Chrestin vor dem Anpfiff prophezeit: „Das ändert sich heute: wegen des neuen Trainers und der neuen Spieler.“ Wie auf der Stadiontribüne wird auch gemosert: Kommentare wie „Du musst schon ein bisschen früher anfangen zu laufen“ oder „Wenn ich das sehe, gucke ich doch lieber Tennis“ geben die Stimmungslage korrekt wieder.

Am Ende hat 96 mit 0:3 verloren. Es wird noch Gerstensaft geordert, zum Runterspülen. „Nahrungsmäßig steht das Bierchen ohnehin im Vordergrund“, weiß der Ersatzwirt. Ex-Profi Rynio ist zu diesem Zeitpunkt schon weg.

Wenn auch das sportliche Angebot derzeit nicht schmeckt, das Essen tut es: Bei Bockwurst, Frikadellen und Kartoffelsalat langen die Gäste zu. Jeder nimmt sich, was er mag - am Ende wird beim Bezahlen angegeben, wie groß die Portion ausgefallen ist, und dann wird der Deckel beglichen. Im Heuboden herrscht eben Vertrauen. Und das gilt auch in Bezug auf Hannover 96 - noch.

von Jens Niggemeyer

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