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„Hier atmet Geschichte in jeder Ecke“

Altwarmbüchen „Hier atmet Geschichte in jeder Ecke“

Kapelle, Schule, Rathaus, VHS-Geschäftsstelle: Das Gebäude an der Hannoverschen Straße 23 war einst das Herzstück (Alt-)Warmbüchens. Wir haben uns mit Hausherrin und VHS-Leiterin Elke Vaihinger auf einen Rundgang begeben.

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Iin der Kapelle aus dem 15. Jahrhundert ist heute einen Computerraum für die Kursteilnehmer der VHS.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Die Wände sind ein wenig schief, beim Betreten der Räume knarrt der alte Holzdielenboden unter den Füßen. Viele Säulen lassen erahnen, wie klein die Räume einst aufgeteilt waren. „Das ist hier kein supermodernes VHS-Haus mit weißen Wänden und Co.“, sagt Elke Vaihinger. „Dieses Haus ist etwas ganz Besonderes. Hier atmet Geschichte in jeder Ecke, persönlich und familiär.“

Bereits im 15. Jahrhundert - das belegen Unterlagen des „Warmbüchener Kirchspiels“ aus dem Landesarchiv - wurde die Kapelle an der Hannoverschen Straße gebaut. Spätgotisch kommt die Architektur mit ihrem großen Gewölbe daher. Die Mauern sind aus Raseneisenstein gebaut, die im idyllischen Innenhof hinter einer 70 Jahre alten Weinrebe vor sich hinrosten. „Ich habe aus den Trauben sogar schon Weißwein gemacht“, erinnert sich Vaihinger - aber die Ernte sei überschaubar: „Wir überlassen sie jetzt den Vögeln.“

Bis ins 18. Jahrhundert diente die Kapelle als erste ihrer Art den Bürgern im damaligen Warmbüchen. „Mit der Geschichte der Kirchhorster Kirche können wir also locker mithalten.“ Vielleicht sogar noch mehr: „Vor etwa 20 Jahren hatten wir einen Wünschelrutengänger hier“, erinnert sich Vaihinger. Dieser sei fest davon überzeugt gewesen - das Pendel habe es ihm bestätigt -, dass im Boden direkt unter dem Schlussstein des Gewölbes ein altrömischer Altar zu finden sei. Und? „Nichts und. Wir haben das Buddeln sein lassen.“ Die historischen Unterlagen hätten nicht gerade dafür gesprochen, dass einst die Römer durch Warmbüchen gezogen sind.

Heute zeigt sich die Kapelle in einem fast skurrilen Mix aus Historie und Moderne: Mitten im Kapellengewölbe hat der Computerraum für die EDV-Kurse der VHS seinen Platz gefunden - moderne Server surren unter historischen Kirchenfenstern. Der besagte Schlussstein dient als Halterung für die Beleuchtung.

Aber bis die VHS 1995 die Kapelle bezog, hatte das Gebäude bereits diverse Nutzungen erlebt: Ab 1860 diente die Kapelle als Schulraum, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der erste Anbau realisiert. In den neuen Klassenräumen von damals finden sich heute Seminarräume. Ende der Fünfzigerjahre wurde aus der Hannoverschen Straße 23 das Rathaus: Die Gemeindeverwaltung zog ein, das komplette Ordnungsamt breitete sich in der Schul- und Hausmeisterwohnung im Obergeschoss aus. Die Kapelle wurde zum Ratssaal: „Die Debatten waren teils so heftig, dass schnell die alte Decke abgehängt wurde“, sagt Vaihinger. Ein zweiter, eingeschossiger Anbau sorgte für mehr Platz und gleichzeitig dafür, dass das laut Vaihinger einstige „Herzstück des Ortes“ zum Geheimtipp wurde: Es braucht heute einen zweiten und dritten Blick, um die jahrhundertealte Kapelle an der Ortsdurchfahrt zu entdecken.

Im Büro des damaligen Gemeindedirektors Erich Loos tummeln sich inzwischen die VHS-Kursteilnehmer, wo der Schulmeister wohnte, wird nun Yoga unterrichtet. Das einstige Gemeindearchiv direkt über der Kapelle steht leer - aus gutem Grund: „Der Statiker wollte, dass wir schnell alles ausräumen.“

Aber auch, wenn die Geschichte des Hauses oft unter moderner Einrichtung versteckt liegt: „Wir wissen, was wir hier für ein Schätzchen haben“, sagt Vaihinger. Auf ihre nächste abenteuerliche Nutzung muss die Kapelle also noch ein wenig warten.

Spaziergang durch die Historie

Wer sich für die Geschichte Altwarmbüchens interessiert, der sollte mit der Volkshochschule und Ute Bobe am Sonntag, 27. September, zum historischen Ortsspaziergang aufbrechen. Los geht es um 11 Uhr an der Hannoverschen Straße 23. Der zweistündige Rundgang führt entlang der alten Siedlungsspuren – die Teilnehmer erfahren etwas über die letzte Mühle, die Belegungsrechte auf dem Alten Friedhof, das Haus des Wegegelderhebers und die Kapelle. Natürlich geht es auch um das Moor und den Torfabbau sowie die alte Ziegelei. Die Teilnahme kostet 8 Euro. Die Möglichkeit, sich anzumelden, sowie das komplette VHS-Programm ab September gibt es im Internet auf vhs-ostkreis-han?nover.de.

Von Carina Bahl

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