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Meine Karibik ist weiß gekachelt

Altwarmbüchen Meine Karibik ist weiß gekachelt

In unserer Reihe "Ausprobiert", berichten wir nicht nur über Veranstaltungen und Aktivitäten, sondern machen selbst mit. Zeitungspraktikantin Jara Urban (19) ist mit dem Altwarmbüchener Tauchclub ins Wasser gegangen.

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Ausprobiert: Zeitungspraktikantin Jara Urban beim Schnuppertauchen.

Quelle: privat

Altwarmbüchen. Jährlich werden 1,7 Millionen Menschen im Gerätetauchen ausgebildet – weltweit. Das behauptet zumindest Wikipedia. Wenn man die Bilder von Korallen und bunt schillernden Fischen sieht, kann man sich gut vorstellen, warum so viele Menschen im Urlaub auf die Idee kommen, sich das faszinierende Naturschauspiel von Nahem anzusehen.

Auch ich werde heute tauchen gehen, allerdings nicht in einem Riff. Meine Karibik ist weiß gekachelt: das Schwimmbecken im Hallenbad in Sehnde-Höver. 12,50 Meter lang, 8 Meter breit und sagenhafte 2,50 Meter tief. Weder Clownfische noch Schildkröten, bloß meine Tauchtrainerin Ina Pannicke, Vorsitzende des Altwarmbüchener Tauchclubs (ATC), werde ich unter der Wasseroberfläche zu Gesicht bekommen. Noch nicht einmal die Rotbarsche und Hechte, die in den Tauchgewässern des Vereins in Isernhagen leben.

Alle 14 Tage darf der ATC das Schwimmbecken mit dem verstellbaren Hubboden nutzen, der es Anfängern wie mir leichter macht. Trotzdem: Ich bin aufgeregt. Immerhin ist es das erste Mal, dass ich unter Wasser atmen werde. Das klingt banal, aber wenn ich mir vor Augen führe, dass es gegen die Gesetze der Natur geht, wird mir bewusst, dass die Erfindung des Gerätetauchens eine ganz besondere Errungenschaft ist.

Aber noch muss ich mich gedulden. Ein Tauchgang sollte, das lerne ich, gut vorbereitet sein. Gemeinsam mit meinem „Buddy“ (so nennt sich der „Kumpel“, mit dem man taucht) schleppe ich die Ausrüstung aus dem Kofferraum in die Schwimmhalle – darunter die sechs Kilogramm Blei, die später dazu dienen werden, dass ich leichter abtauche. Ich schließe die Pressluftflasche am „Jacket“ an, befestige den Atmungsautomaten und verreibe eine Flüssigkeit, die Pannicke als „chemische Spucke“ bezeichnet, in der Tauchmaske, damit die Brille nicht beschlägt.

Beim Blick in die Runde fällt mir auf, dass schon einige im Wasser sind. Es sind ATC-Mitglieder, die einen Kurs machen, um später den Tauchschein zu ergattern. Vom ersten Schnuppern bis zum Tauchen in Seen oder im Meer ist es eben ein weiter Weg. Vor meinem allerersten Tauchgang steht ein ausführliches Briefing an. Pannicke erklärt mir, mit welchen Handzeichen wir uns im Wasser verständigen können und welche Herausforderungen mir beim Tauchen begegnen werden. Durch die anderen Druckverhältnisse ist der Druckausgleich beim Abtauchen besonders wichtig.

Als ich Pannicke erzähle, dass ich viele Jahre in einem Schwimmverein gewesen bin, sehe ich Sorge in den Augen meines Buddys aufblitzen. Sie warnt mich davor, unter Wasser kraftvolle und schnelle Bewegungen zu machen. Tauchen ist, anders als jede andere Sportart, die ich bisher kennengelernt habe, ein sehr gemächlicher Sport. Ich soll also darauf achten, meinen Körper ruhig zu halten. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! In meinen Ohren, die zu einem sehr unsportlichen Körper gehören, klingt diese „Warnung“ unglaublich sympathisch.

Ich schlüpfe in den Neoprenanzug, steige ins Schwimmbecken, streife die Flossen über, ziehe das Jacket an, an dem die Druckluftflasche befestigt ist. Dann endlich ist es so weit: Wir tauchen ab. Langsam sinken wir Richtung Beckengrund, und mit jedem Zentimeter verliere ich etwas an Orientierung. Noch habe ich kein Gespür dafür, wie ich nach oben und unten treiben kann, wie ich nach vorne oder hinten komme. Am Anfang ist es auch ungewohnt, nur durch den Mund zu atmen und unter der Wasseroberfläche fast komplett trocken zu bleiben. Doch nach einer Weile fühlt es sich natürlich an, unter Wasser zu atmen.

Neben mir – ich habe mich nun schon ein wenig an die Gesetzmäßigkeiten unter Wasser gewöhnt – beobachte ich verwundert eine Szene: Die Fortgeschrittenen sitzen auf dem Beckenboden und gestikulieren wild mit ihren Händen. Tatsächlich, sie unterhalten sich. Worüber, das bleibt mir als Anfängerin verborgen. Ich hatte erwartet, dass mich beim Tauchen Stille umfängt, tatsächlich aber ist der Raum vom Zischen und Blubbern beim Ein- und Ausatmen erfüllt. Auf die Gefahr hin, dass ich nun etwas esoterisch klinge: Beim Tauchen erfüllt mich ein wohliges Gefühl der Geborgenheit – eine Stille der anderen Art.

Als ich nach gefühlten zehn Minuten wieder in die Wirklichkeit auftauche, stelle ich fest, dass tatsächlich 45 Minuten vergangen sind. Außer der Orientierung scheine ich unter Wasser auch das Zeitgefühl verloren zu haben.

Der Altwarmbüchener Tauchclub

Der ATC bietet neben dem Schnuppertauchen und den regelmäßigen Sommer-Ferienpassaktionen in den Kommunen Isernhagen und Burgwedel auch alle anderen Aus- und Weiterbildungen rund um den faszinierenden Tauchsport nach den weltweit anerkannten Richtlinien der Tauchorganisation Padi an. Die Ausbildung für Kinder und Erwachsene erfolgt individuell in kleinen Gruppen. Dabei steht neben Professionalität und Sicherheit vor allem der Spaß im Vordergrund. Der 2004 gegründete Verein hat ein sehr großes Angebot an Tauchausrüstung, das günstig geliehen werden kann. Außerdem können Mitglieder die drei Vereinsgewässer im Umland kostenlos nutzen. Erlebnistouren zu weiteren attraktiven Tauchplätzen runden das Angebot ab.

Weitere Informationen gibt es auf www.atc-tauchen und bei Ina Pannicke unter Telefon (01 77) 8 60 17 36.

Von Jara Urban

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