Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Die eigene Mutter um Zigtausend Euro betrogen

Isernhagen Die eigene Mutter um Zigtausend Euro betrogen

Um mehr als 48 000 Euro soll eine Isernhagenerin ihre betreuungsbedürftige Mutter gebracht haben. Dass sie jetzt nur 1800 Euro Strafe zahlen muss, ist reines Glück: Mögliche weitere Taten sind verjährt, wie sich vor Gericht herausstellte.

Voriger Artikel
KRH-Streik ist nur der Anfang
Nächster Artikel
Mit Herzblut wird auch Latein gepaukt

Die meisten Tatvorwürfe sind verjährt: Dennoch muss eine 67-Jährige jetzt 1800 Euro Strafe wegen Untreue zahlen.

Quelle: Symbolbild

Isernhagen. Über Jahre hatte die 67-Jährige die Betreuung für ihre Mutter, die in einem Pflegeheim lebt, übernommen. In dem großen Mietshaus, das der Mutter gehört, lebte die Frau kostenlos. Aber das schien ihr nicht zu reichen: „Insgesamt sind während der Betreuung fünf Konten der Mutter aufgelöst worden, die Beträge bar ausgezahlt oder auf ein Konto der Tochter überwiesen worden“, schilderte der neue Betreuer die vielen Ungereimtheiten, die sich im Laufe der Zeit aufgetan hatten. Erhebliche Mieteinnahmen, eine gute Rente – „die Mutter war eigentlich finanziell gut aufgestellt und versorgt“.

Insgesamt – so das Ergebnis des Betreuers, das er vor Gericht bilanzierte – habe die 67-Jährige ihre Mutter wohl um mehr als 48 000 Euro betrogen. Als er daraufhin bestimmte, kein Geld mehr an die Tochter auszuzahlen, habe die 67-Jährige regelmäßige Mieteinnahmen aus dem Haus der Mutter direkt an sich überweisen lassen – ein Schaden von weiteren Tausenden Euro, der die Staatsanwaltschaft nun erneut die Ermittlungen aufnehmen lässt.

Vor dem Amtsgericht Burgwedel kamen all diese Vorwürfe jetzt aber nicht zum Tragen. „Nach fünf Jahren verjähren solche Taten“, erklärte Amtsrichter Michael Siebrecht das Problem. Die Untreue der Tochter war viel zu spät entdeckt worden – nur eine einzige Abhebung vom Konto der Mutter in Höhe von 1800 Euro konnte der Isernhagenerin in der Anklage noch zur Last gelegt werden. Diese wiederum war sich keiner Schuld bewusst: „Das ist ein altes Haus, was meine Mutter da hat. Da muss viel repariert werden.“ Das Geld sei stets für Handwerker gewesen. Wohin die 1800 Euro gegangen sind? Dabei verstrickte sich die Angeklagte immer wieder in Widersprüche: Ein kaputter Schornstein war es anfänglich, schließlich ein neuer Zaun, eine Rechnung für den Gärtner und auch ein Wasserschaden. „Die Handwerker wollten keine Rechnung schreiben und auch keine Überweisung“, beteuerte sie. Auf die Frage des Richters, ob sie also Schwarzarbeit hatte machen lassen, antwortete sie lieber erst gar nicht. Einzelne Rechnungen, die sie besaß, stammten zudem vom Oktober – im August hatte sie aber bereits das Geld abgehoben.

Unverständnis zeigten Richter und Staatsanwältin daher dafür, dass die Frau gegen den Strafbefehl in Höhe von 1800 Euro wegen Untreue überhaupt Einspruch eingelegt und so einen Prozess provoziert hatte. „Das wird heute definitiv nicht besser für Sie“, betonte Siebrecht. Auf Rat ihres Verteidigers zog die Frau den Einspruch zurück – von einem Schuldeingeständnis blieb sie aber weit entfernt.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg