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Betrüger erhält allerletzte Bewährung

Isernhagen Betrüger erhält allerletzte Bewährung

Das Amtsgericht Burgwedel hat am Donnerstag einen notorischen Betrüger zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt – das allerletzte Mal zur Bewährung, wie Strafrichter Michael Siebrecht in seiner Urteilsbegründung betonte.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat einen notorischen Betrüger verurteilt.

Quelle: Archiv

Isernhagen/Burgwedel/Barsinghausen/Gehrden. Angeklagt vor dem Amtsgericht Burgwedel waren drei Betrügereien, die sich im Prozessverlauf auch bestätigten. Der 62-Jährige, der heute in Barsinghausen lebt, hatte 2014 die Dienste einer Immobilienmaklerin aus Isernhagen in Anspruch genommen, war dann aber die Courtage in Höhe von fast 2400 Euro schuldig geblieben. Sowohl ihr als auch der Vermieterin eines Einfamilienhauses in  Burgwedel hatte der Mann gefälschte Verdienstabrechnungen seines angeblichen Arbeitgebers vorgelegt. Demnach stünden ihm pro Monat rund 3000 Euro zur Verfügung. Tatsächlich war das Arbeitsverhältnis zu diesem Zeitpunkt längst beendet, der Mann lebte von 1750 Euro Arbeitslosengeld.

Sowohl die Maklerin als auch die Vermieterin bestätigten im Zeugenstand, dass der Mann bei diesem Einkommen das Haus nicht hätte mieten können. Offenbar um zu verhindern, dass sich die Frauen Kopien der falschen Unterlagen anfertigten, hatte der heute 62-Jährige sie bei der Unterzeichnung des Mietvertrages mit Fotos abgelenkt, die angeblich sein Pferd und seinen Hund zeigten.

Einen Hund hatte der Mann tatsächlich besessen, dieser war Ende 2013 eingeschläfert worden. Auf die Begleichung der Rechnung von 330 Euro warte die Tierärztin aus Gehrden allerdings vergeblich – genauso wie ein halbes Jahr später die Vermieterin in Burgwedel auf den Großteil der Mietzahlungen.

Ausführlich berichtete der Angeklagte von seiner angeblichen Krise. Nach einem langen erfolgreichen Lebensweg habe ihn die Trennung von seiner Frau völlig aus der Bahn geworfen. Was folgten, seien ein Erschöpfungssyndrom und Behandlungen in einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen gewesen. "Ich war völlig fertig mit der Welt", sagte er schluchzend. Er habe ja stets zahlen können. Ihm sei aber alles über den Kopf gewachsen, er habe auch seine Post gar nicht mehr geöffnet.

Amtsrichter Michael Siebrecht mochte dem Angeklagten das so nicht abnehmen. Immerhin war der Mann schon mehrfach wegen Betrugs verurteilt worden und auch schon anderen Vermietern den Mietzins schuldig geblieben.

Zwar nicht Anklagepunkt am Donnerstag, aber dem Richter dennoch eine Erwähnung wert war, dass der Mann 2012 den Kaufvertrag für einen 50.000-Euro-Neuwagen unterschrieben hatte. Tags darauf gab er gegenüber einer Gerichtsvollzieherin eine Vermögensauskunft ab, die lediglich zehn Euro, eine Armbanduhr und ein Fahrrad für 25 Euro auflistete. Vom Auto war dabei keine Rede, auch nicht von den 2000 Euro Krankengeld, die der Mann damals bezog.

Siebrecht bescheinigte dem Mann eine hohe kriminelle Energie. "Sie müssen jetzt zur Vernunft kommen", begründete er die "allerletzte Bewährungsstrafe", die mit 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verbunden sind. Auch solle er besser schnell aus seinem derzeit gemieteten Haus ausziehen - die Kaltmiete liegt bei knapp 1000 Euro, sein Arbeitslosengeld aber nur bei rund 820 Euro.

Von Frank Walter

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