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"An den Pranger gestellt“

Isernhagen K.B. "An den Pranger gestellt“

Mit einer Unterschriftensammlung im Internet machen Isernhagens Grüne gegen Baupläne für ein Privatgrundstück hinter der St.-Marien-Kirche mobil. Die Bauherren sehen sich an den Pranger gestellt.

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Die St.-Marien-Kirche (von links), das Pfarrwitwenhaus, die Alte Schule und das Feuerwehrhaus bilden in Isernhagen K.B. ein Gebäudeensemble.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen K.B.. Ende Juni war im Rathaus die Mitteilung über eine Baugenehmigung für das Grundstück hinter dem denkmalgeschützten Pfarrwitwenhaus eingegangen. Geplant ist, das Nebengebäude abzureißen und dort ein Einfamilienhaus zu errichten. Der eingeschossige Neubau mit begrüntem Flachdach soll mit rotem Klinker verkleidet werden. Für die Dachaufbauten sollen auch Holz und Glas verwendet werden.

In einer Mitteilung an Ortsrat und Bauausschuss stellt die Gemeinde klar, dass alle Festsetzungen des Bebauungsplans eingehalten würden und auch die denkmalrechtliche Genehmigung erteilt sei. Auch mit Blick auf die künftige Gestaltungssatzung sei alles rechtens gelaufen: Der Bauantrag sei vor der Bekanntmachung des Aufstellungsbeschlusses eingegangen.

Isernhagens Grüne lehnen die genehmigten Pläne dennoch ab – und sammeln Unterschriften: "Keine ortsbildstörende Bebauung hinter der Kirche in Isernhagen K.B.“, haben sie ihre Onlinepetition überschrieben, die bis gestern lediglich 23 Unterstützer gefunden hat. Einige Unterschriften hatte die Partei zudem im Wahlkampf in K.B. gesammelt. "Es kann doch nicht sein, dass dort so etwas entstehen soll“, kritisiert Heidrun Lemke, Initiatorin des Protestes, die Baupläne. Diese widersprächen dem Gedanken der dörflichen Bebauung im Kirchenensemble. Auf dem Kirchplatz finde der Weihnachtsmarkt statt, die Dorfgemeinschaft treffe sich in der Alten Schule und im früheren Schulgarten. Weil man sich unsicher sei, ob man nicht doch noch etwas gegen die Pläne unternehmen könne, frage man nun die Bürger, sagt Lemke – zumal eine Juristin die Vermutung geäußert habe, dass die Gemeinde gegen die Genehmigung klagen könne.

Das Vorgehen der Grünen gegen einen genehmigten Bauantrag stößt bei den Bauherren auf Verwunderung: Es sei nur schwer möglich, dass Besucher des dreitägigen Weihnachtsmarktes das Haus mit "typischer Backsteinfassade“ sehen könnten und sich daran störten, dass es ein Flachdach habe, schreibt das Ehepaar in seiner Stellungnahme. Übrigens sei der angrenzende Anbau der Kita St. Marien an der Alten Schule – vor wenigen Jahren auf dem historischen Ensemble errichtet – "ein riesiges Flachdachgebäude in Holzbauweise“. Erstaunt sei man darüber, mit dem Bauvorhaben eines kleinen Einfamilienhauses zum Wahlkampfthema geworden zu sein: "Wir wurden öffentlich an den Pranger gestellt.“

Von einem "sensiblen Standort“ spricht Ortsbürgermeister Hans-Heinrich Behrens (CDU). Auch der Ortsrat störe sich an der geplanten Bauart, man sei aber "pragmatisch unterwegs“: Man habe die Verwaltung gebeten, sich die Genehmigung noch einmal in Bezug auf die Fristen anzusehen. Auch seien keine Parkplätze dargestellt. Momentaner Stand sei aber: "Der Bau ist genehmigt, der grüne Stempel ist drunter.“

"Uns interessiert vor allem: Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es überhaupt noch, um bei dem Vorhaben auf die Bremse zu treten?“, fragte Fabian Peters (Grüne) am Dienstag im Bauausschuss. Die Antwort von Bauamtsleiterin Heike Uphoff war deutlich: "Gar keine. Es liegt eine Baugenehmigung vor, und die hat Rechtskraft.“ Peters' Überlegung, ob die Gemeinde als Nachbar und Eigentümer der Kita gegen das Bauvorhaben klagen könnte, begegnete Uphoff mit Ironie: "Natürlich. Wir klagen gegen ein Flachdach als Nachbar mit Flachdach.“

Der Kommentar

Ein Ehepaar will sein Grundstück sinnvoller nutzen. Die Bauaufsicht prüft, der Denkmalschutz prüft, das Rathaus prüft. Doch reicht das den Grünen? Nein: Sie tippen ein paar Computertasten, schon ist die Unterschriftensammlung im weltweiten Netz. Doch wie kommen die Grünen darauf, definieren zu dürfen, was das Ortsbild stört? Die Denkmalpfleger sehen diesen Konflikt nicht. Eine mehr als zwei Meter hohe Hecke schirmt das Grundstück ab. Der Neubau wird vom Kirchplatz nur aus einem bestimmten Winkel zu sehen sein. Bei allem Verständnis für die Sorgen ums Erscheinungsbild der Altdörfer: Dieser Schuss ging glatt daneben.

Von Frank Walter

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