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Erst die Klatsche – und dann?

Isernhagen Erst die Klatsche – und dann?

Ein „weiter so“ dürfe es für die CDU nach zwei verlorenen Wahlen nicht geben, sagt Ex-Ratsherr Friedrich Redeke – und fordert öffentlich personelle Konsequenzen in seiner eigenen Partei. Der Fraktionsvorsitzende und der Parteichef lehnen das ab, sehen die CDU aber vor großen Aufgaben.

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Bei einer öffentliche CDU-Vorstandssitzung 2015 in Isernhagen F.B. sitzt Friedrich Redeke (Bildmitte) mit am Tisch. Jetzt fordert er seine Partei zu personellen Konsequenzen auf.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Die CDU habe bei den Wahlen 2011 und 2016 zusammen ein Drittel ihrer Ratsmandate verloren, rechnet Friedrich Redeke vor, der den Gemeinderat 2013 nach fast 21 Jahren verlassen hatte. "Das ist ein katastrophales Ergebnis, das man nicht einfach hinnehmen kann.“ Die Bundespolitik habe zwar ihren Einfluss gehabt. Mit Blick auf das Ergebnis der CDU in anderen Kommunen sei das aber nicht der Hauptgrund für das Minus von 9,0 Prozentpunkten beim Urnengang im September. "Die CDU hat auch vor Ort Fehler gemacht“, ist der ehemalige F.B.er Ortsbürgermeister überzeugt, der als Ratsmitglied mehrfach mit der eigenen Fraktion aneinander geraten war.

Sauer aufgestoßen ist Redeke vor allem, dass Empfehlungen der CDU-dominierten Ortsräte mehrfach von der eigenen Gemeinderatsfraktion "geknittert“ worden seien. Egal ob die Bebauung am Asphalweg und im Kircher Vorfeld oder der Neubau der Kita F.B./K.B. – "die CDU vor Ort ist im Stich gelassen worden“.

Dass ein starker (CDU)-Bürgermeister Akzente setze, sei zwar richtig, meint Redeke. Als stärkste Fraktion müsse dies aber auch die CDU tun, mehr Abstand zum Rathauschef halten, ein eigenes Profil haben. "Und dafür braucht es einen starken Fraktionsvorsitzenden“, kritisiert er seinen Parteikollegen Helmut Lübeck – und legt ihm den Rücktritt nahe: "Wer soll sonst die Verantwortung tragen wenn nicht er? Davor darf man sich nicht drücken.“ Mitverantwortlich sieht Redeke aber auch Parteichef Burkhard Kinder, zumal dieser auch im Rat sitze.

Ein "weiter so“ gehe nicht, nötig sei jetzt ein echter Neuanfang. Beim Personal solle man nicht an Quoten für Ortsteile oder Frauen festhalten, sondern die besten und bekanntesten Kandidaten aufstellen, die auch Erfolg versprächen, fordert er.

Den personellen Aderlass vor der Wahl haben sowohl Lübeck als auch Kinder als Hauptgrund für das schlechte Abschneiden der CDU ausgemacht. Neun altgediente Fraktionsmitglieder hatten nicht mehr kandidiert, "wir haben richtige Urgesteine verloren“ (Kinder) – die bei vergangenen Wahlen viele persönliche Stimmen geholt hätten. Die neuen Kandidaten seien sehr interessant und hätten großes Potenzial, "aber wir haben sie nicht bekannt genug machen können“, so Lübeck, der ansonsten den bundespolitischen Gegenwind für die "richtige Klatsche“ der CDU Isernhagen verantwortlich macht. Kinder meint zudem, dass es die CDU "nicht 100-prozentig in den Wahlkampfmodus“ geschafft habe.

"Ob ich Fehler gemacht habe? Das kann ich so nicht sehen“, sagt Lübeck. Redekes Rücktrittsforderung bezeichnet er als "interessante Meinungsäußerung, die mich bei der Vorgeschichte nicht überrascht“. 2012 hatten die Fraktionskollegen Redekes Verhalten einstimmig missbilligt, von Beschimpfungen und Beleidigungen war die Rede, was der Gescholtene vehement zurückgewiesen hatte. Er wolle gern als Fraktionsvorsitzender weitermachen, stellt Lübeck klar. Entschieden werde dies in der zweiten Oktoberhälfte.

An Rücktritt denkt auch Parteichef Kinder nicht. Die nächste Kommunalwahl werde er – jetzt 63 Jahre alt – aber sicherlich nicht mehr verantworten. Es müsse darum gehen, die jungen CDU-Mitglieder frühzeitig als Kandidaten für 2021 aufzubauen. "Wenn wir uns jetzt stabilisieren, dann ist mir überhaupt nicht bange“, so Kinder.

Bange ist auch dem Fraktionsvorsitzenden Lübeck nicht, der definitiv in seine letzte Ratsperiode geht: "Mit immer noch fast 36 Prozent sind wir ja keine Splitterpartei.“ Allerdings müsse die CDU näher an die Leute heran, ihre Politik besser erklären, "und zwar flächendeckend und die ganze Zeit, auch wenn das mühsam ist.“

Von Frank Walter

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