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Erst das Fahrrad macht Frauen mobil

Isernhagen Erst das Fahrrad macht Frauen mobil

Und wieder einmal bewährt es sich: Heimatgeschichte erzählt sich am spannendsten, wenn man den Fokus auf einen einzelnen Aspekt richtet. Das Thema der am Sonntag eröffneten Jahresausstellung im Wöhler-Dusche-Hof ist Mobilität und spannt den Bogen von wandernden Gesellen bis zum Todesmarsch von KZ-Häftlingen.

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Dass Milchkannen am Fahrradlenker transportiert wurden, war früher keine Seltenheit. Die Gäste der Ausstellung lauschen dem Einführungsvortrag.

Quelle: Martin Lauber

Isernhagen N.B.. Bunte Info-Würfel hängen von der Decke der Diele. Die Vernissage-Besucher müssen Slalom laufen, können sich dafür aber auf Augenhöhe in interessante Facetten des Themas Mobilität einlesen.

Inge Hanslik vom Verein Nordhannoversches Bauernhaus-Museum und ihre Mitstreiter richten in ihrer neuen Schau den Scheinwerfer zum Beispiel auf Dienstmädchen, die bis ins 20. Jahrhundert bei jedem Stellenwechsel umziehen, also unfreiwillig mobil sein mussten. Und sie lassen die Besucher einen Blick in die Sortimentskoffer von Wanderhändlern werfen, denen bei ausbleibendem Geschäftserfolg Gefängnis oder Armenhaus drohten. Dass nicht nur die "Elektrische" auf der Straßenbahnlinie 17 um die vorletzte Jahrhundertwende die Mobilität revolutionierte, sondern auch das Fahrrad boomte und einen großen Schub auslöste – soweit so klar. Dass das Rad aber insbesondere die Frauen selbstständiger weil mobiler gemacht habe, war einer der Aha-Momente in Hansliks Einführungsrede.

Tempo 15 – das war anno 1915 zu Beginn des Siegeszuges der Automobilität für ein kurzes Jahr das Tempolimit in Altwarmbüchen. Die Historikerin erinnerte daran, dass Mobilität aber nicht nur positiv konnotiert sei. Einen Raum im Museum widmet die sehenswerte Schau denn auch dem Thema Kriegsgefangene, die an freier Mobilität gehindert wurden.

Noch 1946 wurden in Isernhagen 186 ausländische Menschen gezählt, darunter viele Frauen, die seit 1939 ununterbrochen ihre Heimat nicht gesehen hatten. Ein Merkblatt zur "Behandlung Angehöriger nicht-germanischer Völker" dokumentiert, dass die NS-Machthaber erwarteten, Osteuropäer besonders hart anzupacken. Der Todesmarsch von KZ-Häftlingen nach Bergen-Belsen, er führte auch durch Isernhagen.

Der Wöhler-Dusche-Hof sei "ein Juwel in unserer Gemeinde, den wir unbedingt erhalten wollen", sagte Bürgermeister Arpad Bogya in seiner Begrüßung. Die Verwaltung habe eine Vorlage in Arbeit, in der dem Rat empfohlen werde, die Förderung des Museums – bisher 22 000 Euro pro Jahr – im gleichen Umfang bis 2020 fortzusetzen.

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