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„Puschen-Bücherei“ feiert sich selbst

Isernhagen N.B. „Puschen-Bücherei“ feiert sich selbst

Im Januar 2004 gründete sich der Förderverein Freunde der Bücherei Isernhagen N.B. Zehn Jahre später wird die Bücherei an der Straße Auf dem Windmühlenberge immer noch ehrenamtlich geführt. Sie hat 1000 Leser für sich gewonnen.

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Kerstin Albach (links) und Renate Brase sind stolz auf ihre gemütliche Bücherei in der Grundschule in Isernhagen N.B.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. „Wir sind mehr als ‚Tür auf und gib’ die Bücher raus‘“, sagt Büchereileiterin Renate Brase mit einem Augenzwinkern. Vor zehn Jahren war die Lehrerin im Ruhestand eine von vier Ehrenamtlichen, die die kleine Bücherei im Schulgebäude in Isernhagen N.B. am Leben halten wollten. Und der Einsatz hat sich gelohnt: Etwa 1000 Leser jeden Alters besuchen die Bücherei inzwischen regelmäßig. Wie viele es genau sind, weiß Brase nicht: „Es gibt bei uns nur Familienausweise für 20 Euro im Jahr“, erklärt sie. 350 davon sind im Umlauf.

Der Kreis der aktiven Ehrenamtlichen, die allwöchentlich die Bücherei öffnen, den Bestand pflegen und Veranstaltungen organisieren, ist da überschaubarer: 13 Frauen. Ein „Quotenmann“ fehlt. „Aber das macht nichts. Wir sind ein eingespieltes Team, und jeder liebt, was er tut“, betont Brase.

Die Bücherei hat sich als „Puschen-Bücherei“ einen Namen gemacht. Gemütlichkeit, eine familiäre Atmosphäre und die Liebe zum Detail beim Präsentieren der 13.000 Medien stehen oben an. Das Ziel, Kinder zum Lesen zu bewegen und Eltern zu zeigen, wie sie ihre Kinder für Bücher begeistern, verfolgt das Team aus Überzeugung. Besonders beliebt sind die Themennachmittage. Dann wird zu einem bestimmten Thema vorgelesen, gebastelt, gemalt, und für zu Hause gibt es eine Info-Mappe. „Wir haben schon ganz unterschiedliche Dinge ausprobiert“, erinnert sich Brase an das vergangene Jahrzehnt. Ägypten und Wikinger seien die Klassiker gewesen, aber auch vor den japanischen Comics namens Manga habe man nicht haltgemacht. „Wir gehen mit der Zeit“, sagt Brase.

Das monatliche Bilderbuchkino ist inzwischen nicht nur für die Kinder ein fester Termin, sondern hat sich zum wahren Dorftreff entwickelt. „Die Mütter kommen mit, trinken Kaffee, essen Kekse und unterhalten sich über ihre Kinder“, beschreibt Brase. Das gehe so weit, dass man die plaudernden Mütter schon einmal vor die Tür bitten musste, damit die Kinder in Ruhe den Vorlesegeschichten lauschen konnten. Diese gibt es im Übrigen auch hin und wieder am Abend bei Schummerlicht.

Mit der Zeit zu gehen, heißt für das Büchereiteam auch, den Bestand danach auszurichten. „Sachbücher kaufen wir nicht mehr in Zeiten von Google, auch Zeitschriften und Zeitungen fehlen bei uns. Die verlieren zu schnell ihre Aktualität“, sagt Brase. Anders sei das bei Hörspielkassetten und echten Klassikern unter den Kinderbüchern: „Die haben wir immer da.“

Der Verdacht, es handele sich bei der Bücherei in der Grundschule um eine reine Kinderbibliothek, bestätigt sich nicht. Die neueste Belletristik von der Bestsellerliste steht ebenso in den Regalen wie Literatur in verschiedenen Sprachen - von Englisch bis Arabisch für die Flüchtlinge. Aber mit Augenmaß: „Ich kaufe alle Bücher und lese sie quer, um Empfehlungen abgeben zu können“, sagt Brase. Andere in ihrem Team seien für die Hörbücher zuständig. Gemeinsam mit Kerstin Albach kümmert sich Brase zudem um die Grundschüler. Jeder kommt mit seinem Lehrer in die kleine Bücherei. „Und es geht nie jemand heraus, ohne etwas ausleihen zu wollen“, sagt Albach erfreut.

2000 Euro erhält die ehrenamtlich geführte Bücherei alljährlich als Zuschuss von der Gemeinde, hinzukommen die Einnahmen aus den Gebühren. „Wir kommen gut über die Runden“, sagt Brase - nicht zuletzt dank vieler Bücherspenden. Dass es die kleine „Puschen-Bücherei“ auch nach zehn Jahren neben der großen Gemeindebücherei in Altwarmbüchen noch braucht, steht für die Leiterin außer Frage: „Für die Bewohner der Altdörfer ist der Weg zu den Büchern sonst viel zu weit.“ Und in Zeiten von Fernsehern, Computern und Handys sei der für viele Kinder so oder so schon weit genug.

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