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Diebischer Pfleger verurteilt

Isernhagen Diebischer Pfleger verurteilt

Weil er einem hilflosen Senior die Armbanduhr gestohlen hatte, ist ein Altenpfleger vom Amtsgericht Burgwedel jetzt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Und damit ist der jungen Mann nach Ansicht des Gerichts noch glimpflich davongekommen.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat einen Altenpfleger wegen Diebstahls verurteilt.

Quelle: Martin Lauber/Symbolbild

Altwarmbüchen/Großburgwedel/Lehrte. Deutliche Worte muss sich so mancher Angeklagte vor Gericht anhören. Dass aber ein Richter von "absolut schäbigem Verhalten“ und einer "schändlichen Tat“ spricht, kommt nicht jeden Tag vor. Was Amtsrichter Michael Siebrecht zu diesen Worten bewegte, war die Tatsache, dass der junge Angeklagte aus Lehrte das besondere Vertrauensverhältnis ausgenutzt hatte, das zwischen Pflegepersonal einerseits und den betreuten Personen andererseits besteht.

Im August 2015 hatte der Pflegedienst-Mitarbeiter erst den von ihm betreuten Senior in dessen Wohnung in Altwarmbüchen in die Badewanne gesetzt und dann auf der Suche nach Wertsachen die Nachttische durchwühlt. Dabei wurde er fündig: Die rund 300 Euro teure Mercedes-Uhr des Seniors entdeckte die Polizei später in der Wohnung des Pflegers. "Das war ein Weihnachtsgeschenk meiner Kinder“, gab der schwerhörige 76-jährige Rentner zu Protokoll, nachdem er mühsam, auf den Stock gestützt, den Zeugenstand erreicht hatte.

Sein Ex-Pfleger entschuldigte sich mit zerknirschter Miene bei ihm: "Es tut mir leid. Das war dämlich von mir“, sagte der Lehrter, der die Tat gleich zu Prozessbeginn eingeräumt hatte, was angesichts der Beweislast aber auch nicht überraschen konnte.

Letztlich ging Amtsrichter Siebrecht im Urteil mit 90 Tagessätzen à 40 Euro sogar über den Antrag der Staatsanwältin von 80 Tagessätzen hinaus – die Strafverteidigerin hatte 40 Tagessätze gefordert. Für den Angeklagten war das allerdings unter dem Strich sogar noch eine gute Nachricht: Ab 91 Tagessätzen hätte sein neuer Arbeitgeber durch den Eintrag im Führungszeugnis vom Diebstahl erfahren – und das während der Probezeit. Seine vorherige Anstellung hatte er wegen des Diebstahls verloren.

"Die 90 Tagessätze sind für Sie eine magische Zahl“, betonte der Richter, der durchblicken ließ, dass der Prozess auch hätte anders ausgehen können. Der Lehrter habe Glück gehabt, dass die Staatsanwaltschaft offenbar schon im Vorfeld Milde habe walten lassen und nur einen einfachen Diebstahl angeklagt habe. Mit Blick auf die Hilflosigkeit des Opfers wäre für den Richter auch ein besonders schwerer Fall infrage gekommen – mit einer Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten. "Heute wird Ihnen noch nicht die Zukunft verbaut. Beim nächsten Mal wäre das so“, gab der Richter dem Lehrter mit auf den Weg.

Von Frank Walter

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