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Douglasien sind hier unerwünscht

Kirchhorst Douglasien sind hier unerwünscht

Dass ausgerechnet eine Naturschutzbehörde will, dass er einen 40 Jahre alten Baumbestand rodet, erzürnt den Kirchhorster Ulrich von Rautenkranz. Er spricht gar von „Baum-Rassismus“.

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Nicht standorttypisch: Dieser Baumstreifen in Stelle muss weichen – was Ulrich von Rautenkranz nicht nachvollziehen kann.

Quelle: Frank Walter

Kirchhorst. 42 mal 22 Meter groß wird die Halle, die Landwirt Ulrich von Rautenkranz in der Feldmark errichten lässt. Übernächste Woche sollen die Fundamente gegossen werden. Ab März will von Rautenkranz dann Kronenholz aus den eigenen Wäldern zu Hackschnitzeln verarbeiten.

Ursprünglich hatte von Rautenkranz die Halle ein Stück weiter westlich errichten wollen, doch das Grundstück, das er dann erwarb, war aus seiner Sicht viel geeigneter – hätte doch eine Baumreihe die Halle auf drei Seiten optisch abgeschirmt. Hätte, denn jetzt lässt der Landwirt die Bäume fällen. Aus eigenem Antrieb macht er das nicht, dieser Passus findet sich in der Baugenehmigung. Bei einem Ortstermin hatte die Untere Naturschutzbehörde der Region die Douglasien als "nicht standorttypisch“ bewertet. An gleicher Stelle soll von Rautenkranz für Tausende Euro eine "naturnahe Baumhecke“ pflanzen. "Das wird 20 Jahre dauern, bis die Bäume und Sträucher groß genug sind, dass man die Halle nicht mehr sieht“, kritisiert er. Dabei seien Einfriedungen doch als klares Ziel im Baurecht verankert. "Und Douglasien finden sich überall in Bundes- und Landesforsten. Das ist doch kein Kaukasischer Bärenklau“, zieht von Rautenkranz einen Vergleich zu der gefährlichen Pflanzenart. Einen 40 Jahre alten Baumbestand "abzurasieren, weil er ideologisch nicht mehr ins Raster passt“, das sei schlicht "Baum-Rassismus“.

Die Region Hannover als Untere Naturschutzbehörde verteidigte ihren Blick: Man habe mit der Baugenehmigung lediglich die Empfehlung ausgesprochen, die standortfremde in eine naturnahe Baumhecke umzubauen, so Regionssprecher Klaus Abelmann. Der Antragsteller habe aber auch die Möglichkeit gehabt, als Ausgleich für den Hallenbau eine Kompensationsmaßnahme auf einer Fläche im Altwarmbüchener Moor zu realisieren. "Es ist seine freiwillige Entscheidung gewesen“, so der Regionssprecher.

Die Alternative im Moor sei schlicht keine gewesen, so von Rautenkranz. Dort habe ihm die Region eine einschürige Mahd zu vorab festgelegten Zeiten vorgeben wollen – ohne Rücksicht auf die jeweilige Wetterlage, die entscheidend sei für den Einsatz tonnenschwerer Maschinen auf moorigem Untergrund. Diese Alternative sei "hoch illusorisch und sehr kompliziert“ gewesen.

Erdgas-Ersatz heizt 45 Wohnungen auf dem Hof

Eine Hackschnitzelheizung versorgt die 45 Wohneinheiten auf dem Hof der Familie von Rautenkranz an der Steller Straße mit Wärme. Die Hackschnitzel verbrennen und erhitzen Wasser, das über Wärmetauscher die Wohnungen auf Temperatur bringt. Das spart rund 46.000 Kubikmeter Erdgas im Jahr. 800 bis 1000 Kubikmeter Hackschnitzel verbraucht die Anlage pro Jahr. Die Asche wird als Nährstoff auf die Äcker verteilt. Hackschnitzel-Heizungen sind umweltfreundlich und CO2-neutral.

Als Hackschnitzel bezeichnet man mit Schneidewerkzeug zerkleinertes Holz – im Gegensatz zu sogenanntem Schredderholz, das mit stumpfen, zertrümmernden Maschinen erzeugt wird. Ulrich von Rautenkranz, Vollerwerbslandwirt mit 240 Hektar Fläche, verwendet für die Hackschnitzel-Gewinnung geringerwertiges Holz wie beispielsweise Baumkronen – Material, wie es für Möbel oder in der Industrie keine Verwendung findet.

Naturschutz und Förster
sind uneins

Dass Naturschützer auf der einen und Waldbesitzer und Förster auf der anderen Seite einen höchst unterschiedlichen Blick auf die Douglasie haben, ist für den Burgwedeler Bezirksförster Christian Oehlschläger nichts Neues.

Tatsächlich gelte diese Nadelbaumart in Europa als nicht heimisch, obwohl sie bis zur letzten Eiszeit auch dort vorgekommen sei. Aus Sicht der Naturschutzbehörden sei die dominante Art ökologisch nicht sonderlich interessant. Zugleich gebe es kaum Mikroorganismen, die die Streu verarbeiteten, so der Fachmann.

Aus forstwirtschaftlicher Sicht hingegen sei die Douglasie sehr interessant. "Sie bildet viel Masse und ist anspruchslos. Wirtschaftlich ist sie unschlagbar.“ Wenn man bestehende Wälder unterpflanze, dann könne man zu einem Drittel Nadelhölzer verwenden. In erster Linie verwende man dafür Douglasien – "und dafür gibt es durchaus auch Fördergeld vom Land“, so Oehlschläger.

Von Frank Walter

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