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Groß war die Sehnsucht nach Deutschland

Isernhagen Groß war die Sehnsucht nach Deutschland

65 Jahre verheiratet zu sein, das schaffen nicht viele Menschen. Lydia und Bernhard Epps Ehrentag wollten sich Freunde und Nachbarn am Donnerstag nicht entgehen lassen.

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Lydia und Bernhard Epp mit ihren Töchtern Olga Kostjuk (hinten links) und Elsa Demidow.

Quelle: Frank Walter

Altwarmbüchen. Lydia und Bernhard Epps Ehrentag am Donnerstag wollten sich Freunde und Nachbarn nicht entgehen lassen – und auch die stellvertretende Regionspräsidentin Doris Klawunde und Isernhagens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Müller reihten sich in die Gratulantenschar ein. Das Paar, das 87-jährig in Altwarmbüchen seine eiserne Hochzeit feierte, ist an einen derart "großen Bahnhof“ jedoch durchaus gewöhnt – bei drei Töchtern, einem Sohn, elf Enkeln und neun Urenkeln kein Wunder.

Es war eine schwere Zeit damals im Nachkriegs-Russland, als Lydia Krause und Bernhard Epp zueinander fanden. Lydias Vater und auch schon ihr Großvater stammten aus Danzig, später hatte es die Russlanddeutschen in die Ukraine verschlagen. Doch 1943, als die sowjetische Armee der deutschen Wehrmacht in Stalingrad die erste große Niederlage beibrachte, war die Zeit in der Ukraine vorbei. "Damals haben die Russen meine Eltern in den Ural zwangsdeportiert“, berichtet Tochter Elsa Demidow.

In einem Auffanglager hausten dort viele Familien in langen Baracken. An den allwöchentlichen Höhepunkt, die Kinovorstellungen mittwochs und sonnabends, kann sich Lydia Epp noch genau erinnern – und auch an den Spruch ihres Bernhard, den sie knapp zwei Jahre später heiratete: "Das wird mal meine Ehefrau, hat er zu seinem Freund gesagt.“

Bis 1956 mussten Lydia und Bernhard Epp im Ural bleiben, dann ging es nach Kirgisien in Zentralasien. Erst arbeiteten beide auf dem Bau, später wechselten sie in eine Gießerei. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten half der Familie, über die Runden zu kommen. Und auch Bernhards Leidenschaft, das Angeln, brachte ihnen manch schmackhafte Mahlzeit auf den Tisch. Eine Sehnsucht aber blieb: "Wir wollten immer nach Deutschland“, sagt Lydia Epp. Doch das gelang erst 1990, als die Perestroika den eisernen Vorhang fallen ließ. Die Radtouren, die Bernhard Epp so gern unternommen hat, sind ihm heute nicht mehr möglich. Seine Frau hingegen geht noch immer ihrem Hobby, dem Stricken, nach – und bei neun Urenkeln kann ja auch immer jemand schöne warme Socken gebrauchen.

Von Frank Walter

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