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Ein Katholik reißt die Kirche Heilig Kreuz ab

Altwarmbüchen Ein Katholik reißt die Kirche Heilig Kreuz ab

Darf ausgerechnet ein Katholik eine Kirche abreißen? Ein paar Tausend Häuser hat Holger Berke schon dem Erdboden gleichgemacht, aber Heilig Kreuz in Altwarmbüchen ist tatsächlich seine erste Kirche.

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Umgelegt hat Baggerfahrer Holger Berke den Kirchturm von Heilig Kreuz bereits. Jetzt müssen noch die verschiedenen Materialien getrennt werden.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. „Darf man das eigentlich? Nicht dass der da oben mich abstraft“, sinniert der 54-Jährige. Das breite Grinsen im Gesicht verrät allerdings, dass es dem kräftigen Mann doch nicht wirklich bange ist wegen Gottes Zorn. Katholisch erzogen wurde der Sohn eines gebürtigen Danzigers zwar, „aber ein Kirchgänger bin ich nicht“.

Seit Mitte Dezember greift sich Berke mit seiner Baggerschaufel Stück für Stück des Kirchengebäudes aus Betonfertigteilen. 45 Jahre nach der Grundsteinlegung muss der mittlerweile profanierte Ex-Sakralbau neben dem Rathaus für den Bau eines Rewe-Supermarktes weichen. Der Ein-Mann-Unternehmer („Den Bagger stellt der Auftraggeber“) hat als Baumaschinenführer reichlich Erfahrung, er ist seit 1995 im Geschäft. Von einer Rampe aus Bauschutt aus hat er mit seinem Sieben-Meter-Ausleger den rund doppelt so hohen Turm von Heilig Kreuz umgekippt. Auch mit dem Kreuz an der Turmspitze war nichts mehr anzufangen - der Eisenkern war durchgerostet, das kupferummantelte Stück zerbrach beim Abriss.

„Alles, was Räder und Raupen hat“, darf der Baumaschinenführer bewegen, der trotz Temperaturen von minus 8 Grad Celsius nur in dünner Weste und bei offener Tür Stunde um Stunde in seinem Bagger die Hebel bedient. Kälte habe ihm noch nie viel ausgemacht, sagt der 54-Jährige - und muss sich dann doch kurz selbst berichtigen: Damals, als er als junger Mann im Pipelinebau in Sibirien arbeitete, habe es ihm dann doch gereicht. Minus 40 Grad Celsius, der Boden eineinhalb Meter tief vereist - das habe er nur drei Monate mitgemacht. Beim Leitungsbau in der Ukraine dagegen gefiel es dem gebürtigen Wismarer. Vier Jahre blieb er dort.

Vielleicht war es aber gerade jene Zeit im eisigen Russland, die Berke gegen die Kälte abgehärtet hat. Wenn er abends noch mal aufs Mobilklo strebt, dann problemlos auch in T-Shirt und kurzer Hose. Dabei muss der Mecklenburger durch den Schnee stapfen, denn sein Campingmobil, mit dem er auch gern in Kroatien und Italien unterwegs ist, steht direkt auf dem Abrissgrundstück. Voll ausgestattet mit Bett, Esstisch, Küche und Dusche spart es dem Selbstständigen zugleich Hotelzimmer und Arbeitszeit. „Ich bin mehr der ordentliche Typ“, sagt Berke mit Blick auf seinen wenige Quadratmeter großen Ein-Mann-Haushalt, den er manchmal nur alle paar Wochen gegen ein Wochenende mit seiner Frau im heimischen Bad Kleinen tauscht.

Wenn er voraussichtlich Ende nächster Woche fertig ist in Altwarmbüchen, geht es für Berke weiter nach Essen. Bis dahin muss er aber noch schreddern, was bislang Kirchenfundament und Pfarrhauskeller war. Ganz profan ist die neue Verwendung: Der Schotter kommt als Unterbau unter den Supermarkt-Parkplatz.

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