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Ein Duo nimmt sich Großes vor

Kirchhorst Ein Duo nimmt sich Großes vor

Der Kirchhorster Steuerrechtler und Komponist Jörg-Rafael Heim und Musikmanager Alpay Taskin lernten sich bei einer Kochaktion kennen. Jetzt steht ihre gemeinsame Musicalproduktion "Hexenhammer“ kurz vor der Fertigstellung.

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Szenenbild aus dem Hexenhammer-Booklet.

Quelle: privat

Kirchhorst. Im Kirchhorster Gewerbegebiet lag nur eine Etagendecke zwischen den Büros des Steuerexperten Jörg-Rafael Heim – mit Professur in Hameln – und des Musikmanagers Alpay Taskin. "Wir haben uns bei einer geselligen Gemüseschnippel-Aktion kennengelernt", berichtet Heim. Der 52-Jährige hätte nach dem Abitur am liebsten Musik studiert, aber der frühe Tod des Vaters und das Sicherheitsbedürfnis  seiner Mutter führten ihn ins Finanzamt. Jurastudium, Promotion und Habilitation schlossen sich an und führten zu einem Job in der renommierten Kirchhorster Steuerkanzlei.

Doch Orgel, Klavier und Komposition blieben Heims Leidenschaft. "Nachdem ich Stadtmusicals für Bodenwerder und Hameln komponiert hatte, wollte ich mal etwas Größeres machen", beschreibt der ausgebildete Kirchenorganist seine Motivation. Als es nach einer Operation für ihn um Leben und Tod ging, kam ihm die Idee zu einem Hexen-Musical. "Das muss mein Leben noch hergeben“, war Heims Vision, dem bei Spaziergängen rund um den Altwarmbüchener See, bei Radtouren durch die Feldmark, aber auch beim Lieblingsitaliener um die Ecke die besten musikalischen Inspirationen einfallen.

"Sofort festhalten", lautet Heims Motto, der die Diktierfunktion seines Smartphones ebenso wie einen Zettel im Restaurant nutzt. So entwickelte der Komponist Takt für Takt eine über zweistündige Musicalversion des "Hexenhammer" – jenes uralten Werkes zur Legitimation der Hexenverfolgung. Natürlich wollte Heim sie dem Musikmanager Alpay Taskin vorspielen, doch der dämpfte die Euphorie: "Das ist nicht so meine Stilrichtung. Aber lass mal hören." Und schon war auch Taskin von der musikalischen Wirkung und den Themen Gerechtigkeit und Religion tief berührt.

Denn Heims Komposition nutzt die Möglichkeiten eines großen Orchesters und wechselt gekonnt zwischen Solopassagen und "dem ganz fetten Sound“. Michael Hildebrandt, damals noch Entwicklungsdirektor bei Stage Entertainment in Hamburg, dem die beiden das Stück präsentierten, fand Idee und Umsetzung großartig, resümierte aber: "eine Lady ist zu wenig für 150 Minuten Spielzeit." So schuf Heim noch eine zweite weibliche Hauptrolle. Taskin produzierte derweil das Booklet, und Ostern folgte die Einspielung im Tonstudio. "Bis auf zehn Prozent haben wir alles fertig“, berichtet Taskin, der auch einen renommierten Regisseur gefunden hat.

Jetzt fehlen dem Kirchhorster Duo "nur noch" die Geldgeber, um die geschätzten 500.000 Euro Produktionskosten zu stemmen. Doch nach rund zehn Jahren von der ersten Idee bis heute ist Jörg-Rafael Heim voller Zuversicht. "Die Hürde nehmen wir auch noch."

Der Hexenhammer

"Malleus maleficarum" nannte der Dominikaner Heinrich Kramer seine Schrift zur Legitimation der Hexenverfolgung, die er vermutlich im Jahr 1486 in Speyer veröffentlichte. Der "Hexenhammer" war nach heutigem Forschungsstand eine Reaktion auf eine gescheiterte Inquisition in Innsbruck. Als Rechtfertigung gegenüber seinen Gegnern sammelte Kramer in seinem Buch verbreitete Ansichten über Hexen und Zauberer und versuchte, sie mit einer vermeintlich wissenschaftlichen Argumentation zu begründen. Im Musical gleichen Titels geht es um das Schicksal einer von Tausenden verfolgter Frauen, die diesem kirchlich gesteuerten Exzess zum Opfer fielen.

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Von PATRICIA CHADDE

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