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Kinder bestimmen das Tempo

Isernhagen Kinder bestimmen das Tempo

Geht es für den Nachwuchs in die Krippe oder den Kindergarten, dann spielen die Eltern bei der Eingewöhnung eine wichtige Rolle. Diese Phase kann je nach Kind mehrere Wochen dauern. Die Erzieher raten den Eltern, sich reichlich Zeit zu nehmen.

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Katrin Uhlig begleitet ihren Sohn Anakin bei der Eingewöhnung im Kindergarten in Isernhagen H.B.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Isernhagen. Aufgeregt und gespannt fiebern viele Kinder dem ersten Tag im Kindergarten entgegen. Doch wenn es soweit ist, folgt oftmals die große Ernüchterung. Die neue Umgebung, lärmende fremde Kinder und unbekannte Erzieher erschrecken viele Kinder, und wenn dann die Mama noch gehen soll, ist der Kindergarten-Spaß vorbei. Andere hingegen finden sich schnell zurecht.

Ein Junge steht am Fenster, winkt seiner Mama zu, dreht sich um und rennt zu seinen neuen Freunden. Die Mutter ist erleichtert und freut sich – ihr Sohn scheint glücklich im Kindergarten "angekommen" zu sein. "In dem Fall ist die Eingewöhnung optimal verlaufen", sagt Jutta Sie, Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte in Isernhagen H.B.

Doch es kann auch anders aussehen: Ein Mädchen klammert sich ans Bein der Mutter, weint und schreit. Sie will nicht, dass die Mama geht, sie will nicht "allein" sein – die Trennung fällt dem Mädchen in der ungewohnten Umgebung schwer. "Hier reagieren wir individuell, auch wenn es möglicherweise vier Wochen dauert", erklärt die Kita-Leiterin.

Katrin Uhlig und ihr Sohn Anakin absolvieren im Kindergarten H.B. gerade die Eingewöhnungsphase. Die 38-Jährige hält die kleinen Arme ihres Sohnes vorsichtig fest und bleibt mit in der "Füchse"-Gruppe. Anakin umklammert seinen Hasen mit den großen Schlappohren. Sie frühstücken gemeinsam. Bis sich der Dreijährige in der Einrichtung pudelwohl fühlt, bleibt die Mutter an seiner Seite. Am ersten Tag ist sie komplett da. Einen Tag später geht sie für 45 Minuten weg, danach werden die Trennungsphasen sukzessive länger. "Ich habe  mich darauf eingestellt", sagt die Isernhagenerin, die momentan nicht berufstätig ist. Ihr Sohn gehört zu den eher schüchternen Kindern, die nicht ganz so schnell loslassen können. "Vermutlich wird die Eingewöhnung länger dauern", sagt Katrin Uhlig. In solchen Fällen orientiert sich der Kindergarten H.B. an den Bedürfnissen des Kindes. "Denn jedes Kind ist anders", weiß die Kindergartenleiterin. "Eltern sollten sich in der Eingewöhnungsphase Zeit lassen", rät Sie. Denn: Das Kind zu drängeln sei für diesen Prozess Gift, betont Sie.

In der "Füchse"-Gruppe sitzt auch Lutz-Joachim Hauß mit seinem Sohn Valentin. Der 52-Jährige hat sich für die Eingewöhnung seines Sprösslings bei der Arbeit zwei Wochen freigenommen. "Mit der Hoffnung, dass die Zeit reicht", sagt er. Insgesamt musste Hauß vier Wochen abdecken, weil die Tagesmutter, bei der Valentin zuvor gewesen ist, selbst Urlaub machte. Sollte sein Sohn eine längere Eingewöhnungszeit benötigen, "dann wird es eng", meint Hauß. Seine Frau arbeitet in der freien Wirtschaft und kann keine vier Wochen Urlaub am Stück nehmen. Er ist hingegen im öffentlichen Dienst tätig, "da geht es schon eher", sagt der Vater  – aber noch eine Woche Urlaub mehr sei auch bei ihm nicht mehr drin. Aber auch da geht der Kindergarten auf die Erfordernisse der Eltern ein. Und sucht in Gesprächen nach einer individuellen Lösung.

Weil jedes Kind ein anderen Charakter hat, orientieren sich auch andere Isernhagener Kindergärten am Tempo des Kindes. Krippenkinder, die in den Kindergarten wechseln, haben laut Philipp Wüpperling, Leiter der Altwarmbüchener Kindertagesstätte Die Arche, nicht so große Probleme. Gänzliche "Kita-Neulinge" hingegen schon. Im Kindergarten dauere die Eingewöhnung zumeist zwei Wochen, in der Krippe könne die Phase sogar bis zu sechs Wochen dauern. "Wir sind zumeist bis zu den Herbstferien mit dem Eingewöhnen beschäftigt", sagt der einzige männliche Kita-Leiter in der Gemeinde Isernhagen.

 Alle Isernhagener Kindergärten gehen nach dem gleichen Konzept vor. Zunächst werden die Eltern zu Aufnahmegesprächen eingeladen und die Eigenarten des Kindes besprochen. Dann schnuppern die Sprösslinge mit Mama oder Papa ein bis zwei Tage lang in der neuen Umgebung. Danach beginnt die reguläre Kindergartenzeit. Am ersten Tag kommen die Mädchen und Jungen in Begleitung der Eltern. Einen Tag später ziehen sie sich für 45 Minuten zurück. Dann verlängert sich die Zeit, bis die Eltern schließlich ganz wegbleiben. Je nachdem, wie schnell oder langsam sich die Kinder von ihren Eltern trennen können, endet die Eingewöhnung.

In den Krippen orientieren sich die Erzieher an dem sogenannten Berliner Eingewöhnungsmodell. Diese Modell ermöglicht für Kinder und Eltern eine sanfte, möglichst stressfreie Eingewöhnung. "Eine erfolgreiche Eingewöhnung setzt die Bereitschaft der Eltern voraus", sagt Ioanna Gudara, Leiterin der privaten Altwarmbüchener Großtagespflege "Nesthäkchen". Vier Wochen müssen die Eltern mit den Ein- bis Dreijährigen einplanen. Denn die Kleinen haben eine innigere Bindung zu den Eltern und müssen zu den Erziehern Vertrauen aufbauen, ehe sie sich von ihnen trösten lassen. "Oft sind die Eltern schwieriger, weil sie sich schlecht von ihren Kindern trennen können", erklärt die Erzieherin.

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Eingewöhnung im Kindergarten in Isernhagen H.B: Lutz-Joachim Hauß spielt mit seinem Sohn Valentin Tischfußball.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Von Katerina jarolim-vormeier

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