Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Energiewerke sollen präsenter sein

Isernhagen Energiewerke sollen präsenter sein

Mehr Präsenz vor Ort, eine bessere Kundenbetreuung und womöglich eine komplett neue Struktur: Das wird hinter verschlossenen Türen bei den Energiewerken Isernhagen aktuell diskutiert und geplant.

Voriger Artikel
Fünf Häuser folgen auf den Altbau
Nächster Artikel
Filmunternehmen hält nach Talenten Ausschau

„Gesicht vor Ort zeigen“: Die Energiewerke Isernhagen sind im Zentrum bisher nur mit der sehr schwach frequentierten Stromtankstelle hinter dem Rathaus und dem kleinen Kundenbüro im Rathaus vertreten - das soll sich künftig ändern.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. „Das fertige Konzept steht noch nicht“, betont Arpad Bogya, der als Bürgermeister auch Aufsichtsratsvorsitzender der Energiewerke Isernhagen (EWI) ist. Am 21. Juni 1999 wurde EWI gegründet - 51 Prozent trägt als Gesellschafter die Gemeinde Isernhagen, 49 Prozent gehören der Avacon AG. Für mehr als 24.000 Einwohner in ganz Isernhagen könnte EWI Strom und Gas liefern - theoretisch.

„Wenn wir auch künftig dem Wettbewerb standhalten wollen, dann muss sich etwas ändern“, sagt Bogya. Im Stromsektor bewege sich EWI preislich im Mittelfeld, „beim Gas haben wir allerdings noch einen weiten Weg vor uns, um konkurrenzfähig zu bleiben“. Obwohl Isernhagen seine eigenen Energiewerke hat, seien diese im Alltag leicht zu übersehen. „EWI muss ein Gesicht in Isernhagen bekommen und zeigen“, kündigt Bogya an.

In den nächsten ein- bis anderthalb Jahren soll daher einiges verändert werden. 2012 hatte der Energieversorger nach langer Vakanz und viel Kritik über unpersönliche Callcenter-Beratungen ein Kundenbüro im Erdgeschoss des Rathauses eröffnet, allerdings öffnet dies nur donnerstags von 13 bis 18 Uhr.

„Es kann nicht sein, dass Kundenanrufe sonst in einem Callcenter untergehen“, betont Bogya. Künftig soll EWI daher einen Sitz in Isernhagen, am besten direkt im Zentrum von Altwarmbüchen in Rathausnähe erhalten. Die Planungen dafür laufen. „Und das soll nicht nur ein Kundenbüro werden, sondern es sollen auch Büros hierher und ein Geschäftsführer vor Ort sein“, erklärt der Bürgermeister.

„Wahrscheinlich wird es, damit das klappt, eine neue Struktur der Energiewerke brauchen“, ist Bogya überzeugt - und hat der Politik in vertraulicher Runde bereits Veränderungen angekündigt. „Vielleicht müssen wir auch über neue Vertriebspartner nachdenken.“ In enger Absprache mit der Avacon AG sollen die Grundpfeiler für die Zukunft in den nächsten Monaten gesetzt werden - „im Herbst lässt sich dann vielleicht schon Butter bei die Fische bringen“.

Von Carina Bahl

Interview: „Ruinösen Preiswettkampf machen wir nicht“

Die Energiewerke Isernhagen stehen vor einer Umstrukturierung. Wie es EWI geht, das hat Geschäftsführer Frank Schubath (43) HAZ-Mitarbeiterin Carina Bahl erklärt.

Was bringt einer Kommune ein eigener Energieversorger?

Die Versorgung mit Strom und Gas gehört zum Kernbereich der Daseinsvorsorge. Isernhagen hat Ende der Neunziger die Gelegenheit genutzt, mehr Einfluss darauf zu erlangen. Damals wurde die Gemeinde dafür belächelt. Heute haben viele Kommunen erkannt, dass eine wirksame Einflussnahme nur über eine gesellschaftsrechtliche Mitsprache möglich ist. Ein Beispiel: Es ist längst nicht mehr selbstverständlich, dass Baugebiete vollständig an das Gasnetz angeschlossen oder mit Glasfasertechnologie ausgerüstet werden. In der Wietzeaue sind beide Medien dank EWI flächendeckend vorhanden.

Eine notwendige Umstrukturierung klingt nach Problemen. Einfach gefragt: Wie geht es EWI?

Die Energiewerke sind ein gesundes Unternehmen. Um aber auch zukünftig im Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir uns weiterentwickeln. Die Energiebranche befindet sich im Umbruch. Digitalisierung ist da ein Stichwort. Gleichzeitig ist unseren Kunden die tatsächliche Vor-Ort-Betreuung zunehmend wichtiger.

Wie viele EWI-Kunden gibt es?

In Summe beziehen zurzeit 14?500 Privat- und Geschäftskunden Strom und/oder Erdgas von uns. Natürlich ist diese Zahl kleiner als zu Beginn der Liberalisierung des Energiemarkts. Allerdings konnten wir in den letzten Jahren den Trend der rückläufigen Kundenzahlen stoppen, damit sind wir sehr zufrieden. Nach und nach kehren einige Kunden zu uns zurück.

Wenn man Vergleichsportale im Internet bedient, dann landen die Energiewerke weit abgeschlagen. Ist EWI zu teuer?

Die Frage lautet: Was ist einem wichtig? Ein für den Moment niedrig erscheinender Preis aufgrund eines Wechselbonus oder ein langfristig günstiger Festpreis des örtlich verankerten Unternehmens, bei welchem man weiß, was mit dem Geld passiert? Vergleichsportale blenden das aus. Nicht wenige vermeintlich günstige Unternehmen sind wieder vom Markt verschwunden. Einen ruinösen Preiswettkampf werden wir niemals mitmachen.

Wenn nicht unbedingt mit Blick auf den Preis: Warum sollten sich die Isernhagener EWI dennoch verbunden fühlen?

EWI ist der einzige Energieversorger vor Ort, der die Isernhagener mit Energiesparprogrammen zum Beispiel bei der Wohngebäude-Modernisierung fördert, der die Vereine wie den SC Altwarmbüchen beim Triathlon, den Isernhagenhof, das Moorfest und viele andere unterstützt, das aber immer im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir gehen verantwortungsvoll mit den Finanzen um. Letztlich zahlt EWI Steuern vor Ort und nützt so der Gemeinde.

Sie werben mit Kundennähe. Erfüllt EWI diesen Anspruch?

Unser Leitspruch lautet: „Weil Nähe einfach besser ist.“ Deswegen haben wir 2012 das Kundenbüro eröffnet. Wir zeigen auch Nähe durch Informationsstände und -abende. Unsere neue Kundenzeitschrift „zuhause“ ist auch ein Beleg dafür.

Wie gut wird das Kundenbüro im Rathaus angenommen?

Bereits zum Start von EWI gab es ein Kundenbüro. Aber niemand ging hin. Das Angebot wurde eingestellt. Die Zeiten haben sich geändert. Seit 2012 hat sich der Zuspruch im Kundenbüro kontinuierlich erhöht. Deswegen gibt es Überlegungen, das Angebot auszuweiten. Die Wirtschaftlichkeit muss allerdings beachtet werden.

EWI ist bis Ende des Jahres noch als Grundversorger festgestellt. Wie geht es dann weiter?

Da mit großem Abstand die meisten Strom- und Erdgaskunden in Isernhagen weiterhin bei EWI sind, werden wir auch ab 2016 der Grundversorger sein. Die Mitteilung des Netzbetreibers dazu steht noch aus.

EWI steht vor Veränderungen: Wo sind die Stärken, welche Schwächen müssen angegangen werden?

Unser Erfolgsfaktor ist die konstruktive Zusammenarbeit mit der Gemeinde und Avacon. Es gibt kurze Wege, Entscheidungen werden schnell, aber wohlüberlegt gemeinsam getroffen. Verbessern müssen wir unseren Service. Ich stelle fest, dass wir noch nicht die gewünschte Präsenz haben. Ich wünsche mir, wenn an Strom und Gas in Isernhagen gedacht wird, dass allen das Kürzel EWI in den Sinn kommt und man zufrieden ist. Dann haben wir alles richtig gemacht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg