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Es gibt Last-minute-Lehrstellen

Isernhagen Es gibt Last-minute-Lehrstellen

Am Sonnabend beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für alle, die keine Stelle gefunden haben, gibt es noch viele Möglichkeiten. Welche? Darüber hat Katharina Baier (47), Bereichsleiterin Nachwuchsförderung der Handwerkskammer Hannover, mit unserer Mitarbeiterin Carina Bahl gesprochen.

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Handwerkliches Geschick und Lust auf den Beruf: Das erwartet Volker Kießling von seinen Auszubildenden.

Quelle: Carina Bahl

Frau Baier, Sie haben den Überblick: Wie viele freie Stellen gibt es im neuen Ausbildungsjahr noch?

In unserer Lehrstellenbörse finden sich aktuell noch 551 Ausbildungsstellen, und das in 62 tollen Handwerksberufen. Allerdings: Es bewegt sich gerade viel. Auf den letzten Drücker kommen viele Betriebe und Bewerber zusammen.

551 freie Stellen – das klingt viel ...

Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es da keine dramatische Steigerung. Aber man merkt, dass es Betrieben immer schwerer fällt, ihre Stellen zu besetzen.

Woran lässt sich das ablesen?

Als ich vor zehn Jahren in der Nachwuchsförderung der Handwerkskammer angefangen habe, gab es noch einen Lehrstellenmangel. Manche Betriebe haben sich erst im Frühjahr geäußert, ob es im Sommer überhaupt eine Stelle bei ihnen geben wird. Nun ist das anders: Wir haben schon 230 Stellen online für das Ausbildungsjahr ab August 2016. Die Firmen gehen jetzt intensiver auf die Suche und werben schon sehr früh für sich.

Wie kann die Handwerkskammer die Betriebe unterstützen?

Auf ganz unterschiedliche Weise. Einerseits bieten wir Mentoring-Programme an, andererseits gibt es unser Pinboard, das wie eine Partnerbörse zwischen Betrieben und Schulen funktioniert. Eine große Hilfe, damit Auszubildende und Betriebe zusammenkommen, ist weiterhin die Lehrstellenbörse, die sich im Internet auf hwk-hannover.de/lehrstellenboerse findet.

Was wird dort geboten?

Wir haben sowohl Angebote für die Last-minute-Fraktion als auch für die Frühbucher: Betriebe können kostenlos für ihre Stellen werben, mit Fotos, Logos, Videos und Texten. Schüler finden dort Ausbildungsstellen, aber auch Praktika, Ferienjobs, Einstiegsqualifizierungen und Angebote für das triale Studium, bei dem in viereinhalb Jahren ein Gesellen- und Meisterbrief sowie ein Bachelor of Arts Handwerksmanagement absolviert werden kann.

Welche Berufe sind besonders beliebt und welche nicht?

Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Metallbauer wollen viele werden – im Nahrungsmittelhandwerk wie bei Bäckereien und Fleischereien gibt es hingegen viele freie Stellen. Hinzu kommen etwas unbekanntere Berufe wie Bodenleger oder Rollladen- und Sonnenschutzmechaniker. In diesem Fall sind die Betriebe gefragt, ihren Beruf anschaulicher zu präsentieren. Dabei helfen wir gern.

Am Sonnabend ist der 1. August. Ist es für alle ohne Lehrstelle zu spät?

Auf keinen Fall. Bis zum 31. Oktober können noch Verträge für das neue Ausbildungsjahr geschlossen werden. Es lohnt sich, sich zu bewerben.

Haben Sie einen Tipp für Bewerber im Handwerk?

Es zählt vor allem Motivation. Die sollte in der Bewerbung deutlich werden, vielleicht indem man vorher anruft oder die gut sortierten Unterlagen persönlich vorbeibringt. Wer ein Schnupperarbeiten oder Praktikum anbietet, kann gleich im Job überzeugen. Das ist gut, erst recht, wenn anhand der Zeugnisse die Voraussetzungen nicht ideal sind. Wer Fragen hat, kann sich bei uns unter Telefon (0511) 54562290 melden.

„Das Minimum muss möglich sein“

Ob zum Medientechnologen im Siebdruck oder zum Schilder- und Lichtreklamen-Hersteller: Volker Kießling hat in seinem Unternehmen für Werbetechnik noch mehrere Ausbildungsstellen frei. „Mal wieder“, sagt der Firmenchef, der seit 25 Jahren am Markt ist und seit 2009 an der Chromstraße produziert, leicht geknickt.

Warum, das weiß Kießling eigentlich nicht. „Wer bei uns eine Ausbildung absolviert, der hat am Ende etwas in der Hand“, betont er. Einen Auszubildenden konnte die Firma schon direkt in die Selbstständigkeit entlassen, andere sind die Besten ihres Jahrgangs in ganz Niedersachsen geworden oder schlossen all ihre Prüfungen mit Bestnote ab. Viele leitende Positionen im Unternehmen sind mit einstigen Auszubildenden und langjährigen Mitarbeitern besetzt. „Unsere Azubis finden hier ein tolles Team aus 20 Leuten und eine qualifizierte Ausbildung von der Gestaltung über die Produktion bis hin zur Montage von Werbung“, verspricht Kießling - und das bei Arbeitszeiten werktags von 8 bis 17 Uhr.

Bewerbungen hat der Betrieb durchaus gehabt. „Aber das kann sich keiner vorstellen“, sagt Kießling und gibt einen Einblick in die Mappen. Der eine ging mit 73 Fehltagen und sechsmal „ungenügend“ im Zeugnis ins Rennen, der andere hatte nur ein zerknittertes Papier, das nach Zigarettenqualm stank, in eine Folie gesteckt. „Bevor wir die B-Mannschaft aufstellen, von der wir uns drei Monate später eh wieder trennen müssten, verzichten wir lieber ganz.“ Dass manch einer sich für sein Vorstellungsgespräch offensichtlich nicht einmal mit einer Recherche bei Google vorbereitet hatte, enttäuscht den Chef: „Das Minimum muss doch möglich sein.“

Und Kießling legt die Messlatte nicht hoch: „Wichtig ist handwerkliches Geschick und die Lust auf den Beruf.“ Ein Hauptschulabschluss reiche, wenn er mit einem ordentlichen Auftreten garniert werde. „Wir freuen uns über jede ernst gemeinte Bewerbung“, sagt Kießling, am besten per E-Mail an volker@kiesslingwerbung.de.

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