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Heim auf Zeit für 48 Menschen

Isernhagen Heim auf Zeit für 48 Menschen

In einer umgebauten Gewerbehalle in Altwarmbüchen wohnen seit Mitte März knapp 50 Flüchtlinge – es ist Isernhagens größte Unterkunft und bislang die einzige, die die Gemeinde nicht selbst betreut. Die Nordhannoversche hat sich vor Ort umgeschaut.

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Der Einrichtungsleiter Alexander Feigin (rechts) und Yilmaz Baris (links), Sozialarbeiter der Gemeinde, mit einigen der Bewohnern in der Halle, von der die einzelnen Wohnungen zu erreichen sind.

Quelle: Frank Walter

Altwarmbüchen. Die beiden Männer in Schwarz mit den kräftigen Oberarmen sind auf Zack. Sofort baut sich einer von ihnen vor dem unerwarteten Besucher auf, der in der Tür steht. Doch schnell entspannt sich seine Miene, als er hinter dem Unbekannten Yilmaz Baris erkennt – der Sozialarbeiter der Gemeinde schaut regelmäßig in der Unterkunft an der Borsigstraße nach dem Rechten.

Die Männer vom Sicherheitsdienst sind rund um die Uhr vor Ort und für Einrichtungsleiter Alexander Feigin vom Roten Kreuz eine wichtige Unterstützung. "Ob auf Arabisch oder Kurdisch – beim Sicherheitsdienst ist immer einer dabei, der sich mit den Bewohnern verständigen kann.“ Ihre eigentliche Aufgabe ist es aber, die Bewohner vor Eindringlingen von außen zu schützen und auch intern für Ordnung zu sorgen. "Bisher ist aber gar nichts vorgefallen“, sagt Feigin.

Er hat schon einige Erfahrungen als Leiter von Flüchtlingsunterkünften gesammelt. In Ahlem war er tätig, in einer Turnhalle in Stöcken und auch in der Messehalle in Hannover mit 600 Bewohnern. Dass es da auch mal Stress gebe, sei doch normal – "das wäre bei 600 Deutschen nicht anders“. Die Unterkunft in Altwarmbüchen sei dagegen ein "Paradies“, sagt Feigin.

Dort sind es derzeit „nur“ 48 Iraker, Iraner, Syrer und Afghanen, die sich mit Problemen an Feigin wenden. Sechs weitere Plätze in den Zimmern, die teils früher als Büros genutzt wurden, teils aus OSB-Platten in die Halle gebaut wurden, sind derzeit frei. Mal sind Ausweise verschwunden, mal gibt es Probleme mit Mitbewohnern. Für manchen müsse er Formulare ausfüllen oder den DRK-Suchdienst kontaktieren, weil Verwandte auf der Flucht in der Türkei hängen geblieben seien, listet Feigin auf. Dabei spüre er auch viel Ungeduld. "Die Leute tun mir leid, aber mehr kann ich nicht tun.“

Der Blick in die 15 Zimmer bleibt Besuchern verwehrt. Dies sind die einzigen Rückzugsorte der Bewohner, und das DRK will deren Privatsphäre schützen. Ausgestattet sind die Räume nur mit dem Nötigsten, mit Betten, Spinden, Tisch und Stühlen. "Sitzen, schlafen, essen, spazieren gehen“, fasst Ahmed aus dem syrischen Aleppo den Tagesablauf zusammen. Dabei wolle er Deutsch lernen, "wir sind doch intelligente Leute“, sagt der Immobilienmakler, der vor acht Monaten nach Deutschland kam und seit zwei Wochen in der Unterkunft lebt. Dankbar ist er dennoch: "Danke Deutschland. Wie wissen, wie viele von uns hergekommen sind.“

Vom Angebot des Helfernetzwerkes, das Sprachkurse in vielen Begegnungsstätten anbietet, hat Ahmed noch nicht gehört. Den Deutschunterricht direkt in der DRK-Unterkunft habe man mangels Interesse nach wenigen Wochen wieder eingestellt, sagt Netzwerk-Leiterin Barbara Schindewolf-Lensch. Auch in anderen Unterkünften habe man die Erfahrung gemacht, dass man die Menschen an die Hand nehmen, abholen müsse.

Nach wie vor bieten Ehrenamtliche aber vormittags eine zweistündige Betreuung für Kleinkinder samt Elterncafé an, und auch die sonstige Unterstützung der Freiwilligen möchte Einrichtungsleiter Feigin nicht missen: Arztbesuche samt Dolmetscher beispielsweise seien so ganz schnell vereinbart. "Wenn ich dagegen in der Praxis anrufe, warten wir ewig auf einen Termin.“

Von Frank Walter

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