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Kinderbetreuung: Bedarf wird nicht gedeckt

Isernhagen Kinderbetreuung: Bedarf wird nicht gedeckt

Am Freitag haben alle Krippen, Kindergärten und Horte in Isernhagen ihre Zu- und Absagen für die Betreuungsplätze ab August verschickt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

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Im Krippenbereich sieht es gut aus – im Kindergarten fehlen jedoch viele Plätze in Isernhagen. Die Gemeinde versucht mit Neubauten gegenzusteuern.

Quelle: Symbolbild

Isernhagen. Wie viele Krippenplätze braucht es? 189 Neuanmeldungen zählt die Gemeinde für den Krippenbereich. Mit den Neubauten im Haselhöfer Vorfeld (H.B.), am Helleweg (Altwarmbüchen) und in N.B., die alle bis Ende des Jahres fertig sein sollen, wird nach Einschätzung der Gemeinde der Bedarf gedeckt.

Wie sieht es im Kindergarten aus? Für Kindergartenplätze liegen der Gemeinde 269 Neuanmeldungen vor. Das erste Mal seit acht Jahren wird der Bedarf nicht gedeckt. In Altwarmbüchen fehlen mehr als 40  Plätze, in den Altdörfern rund eine Kindergartengruppe.

Wie kommt es dazu? Laut Verwaltung haben sich viele junge Familien in Isernhagen niedergelassen. Neubaugebiete habe man einkalkuliert, den massiven Generationswechsel im Bestand aber nicht absehen können. Zudem habe es Rückstellungen von Grundschülern gegeben, die ungeplant im Kindergarten bleiben.

Was tut die Gemeinde jetzt? Manche Kinder brauchen erst im nächsten Frühjahr einen Kindergartenplatz. Das relativiert den Druck. In H.B. und N.B. wird voraussichtlich Ende 2017 je eine zusätzliche Kindergartengruppe eingerichtet, die den Bedarf in den Altdörfern auffangen. In Altwarmbüchen wird mit Nachdruck eine Lösung für den Bau einer vierten Kita gesucht. In Abstimmung mit der Region werden gerade mehrere Standorte geprüft, sagt Bürgermeister Arpad Bogya. Im Eilverfahren sollen die Politiker den Favoriten dann beschließen, um die Kita noch 2017 bauen zu können.

Was ist mit dem Rechtsanspruch? Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Krippen- und Kindergartenplatz. Allerdings nicht auf einen Platz in ihrem Wohnort, sondern irgendwo im Gemeindegebiet. Der Rechtsanspruch ist auch durch eine Tagesmutter gedeckt. Laut Amtsleiterin Silvia Voltmer werden auch Kinder, die im August drei Jahre alt sind und so einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, eine Absage bekommen. „Wir werden in jedem Einzelfall nach Lösungen suchen“, verspricht sie.

Wie sieht es im Hortbereich aus? 317 Anmeldungen für Hortplätze liegen vor. Die Zahl ist derart hoch, weil Eltern jedes Jahr neu einen Platz beantragen müssen, während ein Kindergartenplatz für die gesamte Dauer vergeben wird. Der Bedarf an Hortplätzen kann nur zu 25 Prozent gedeckt werden.

Können Eltern in diesem Fall klagen? Nein. Einen Rechtsanspruch auf Hortplätze gibt es nicht. Die Gemeinde hält diese als „freiwillige Leistung“ vor. Dementsprechend hat sich die Politik in der Vergangenheit geeinigt, vor allem in die Pflichtaufgaben – Krippe und Kindergarten – zu investieren und die Hortplätze nicht aufzustocken. Dafür fängt an vier Grundschulen die Hausaufgabenhilfe der VHS und eine Elterninitiative in Kirchhorst einen Großteil derer auf, die keinen Hortplatz erhalten haben.

Warum werden nicht einfach mehr Hortplätze geschaffen? Eltern fehlt zumeist das Verständnis dafür – werden sie doch nach langen Betreuungszeiten in Krippe und Kindergarten mit Beginn der Schulzeit aus ihrer Sicht im Stich gelassen. Der Grund dafür ist komplex: „Altertümlich“, nennt Bürgermeister Arpad Bogya das Kindertagesstättengesetz, das auch auf Horte angewendet wird. In diesem ist festgelegt, dass eine Hortbetreuung nicht in Räumen erfolgen darf, die anderweitig genutzt werden. Eine Betreuung in Klassenräumen ist ebenso verboten wie in Jugendtreffs und Begegnungsstätten. Die Gemeinde müsste neu bauen, um den Hort zu erweitern – die hohen Investitionskosten für ein Gebäude, das nur wenige Stunden am Tag genutzt würde, wollte bisher keiner ausgeben. Zumal die Gemeinde dazu nicht verpflichtet ist. Für die Betreuung durch die VHS oder Elterninitiativen gelten die Gesetzesvorgaben nicht. Daher versucht die Gemeinde, diese Alternativangebote auszuweiten.

Hat die Politik Lösungen in petto? In N.B. soll – wenn der Bedarf bestätigt ist – eine Ganztagsgrundschule an den Start gehen. Für die anderen Grundschulen ist das noch nicht im Gespräch. In Altwarmbüchen muss erst die Standortfrage geklärt werden, zudem müssen die Schulen zustimmen. Die Gemeinde sieht in Ganztagsschulen langfristig die Lösung: „Schule ist die Zukunft“, sagt Voltmer. Eine 100-Prozent-Abdeckung im Hort könne sich keine Kommune leisten.

Gibt es Ideen für kurzfristige Hilfen? Die SPD hat beantragt, wenigstens in Altwarmbüchen, wo der Bedarf und das Defizit am größten sind, einen Container aufzustellen, um weitere 20 Hortplätze zu schaffen. Zudem soll das für die anderen Grundschulen geprüft werden. „Ein populistischer Schnellschuss“, kritisiert Bogya den Vorstoß, der im Sozialausschuss am Donnerstag mehrheitlich empfohlen wurde. Ein Container würde mit 300 000 Euro zu Buche schlagen, weitere 40 000 Euro Personalkosten würden fällig werden. Diese Ausgaben sind im Haushalt 2017, der ein Defizit von mehr als 2,5 Millionen Euro aufweist, nicht vorgesehen. Ob der Rat sich daher tatsächlich dafür ausspricht, bleibt abzuwarten.

Von Carina Bahl

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