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Dicht am Bordstein entlang durchs U

Isernhagen Dicht am Bordstein entlang durchs U

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe „Heimat hautnah“ schreiben unsere Autoren nicht über Veranstaltungen, sondern sie machen aktiv mit. Redakteur Frank Walter hat ausprobiert, wie es sein wird, wenn Radfahrer künftig auf der Fahrbahn durch die Isernhagener Altdörfer fahren müssen.

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Wie dicht ist dicht? Frank Walter testet das Radfahren auf der Fahrbahn im Isernhagen-U.

Isernhagen. Das Isernhagen-U kenne ich vor allem aus einer Perspektive: der des Autofahrers. Bei den Entfernungen zwischen den Dörfern in Isernhagen und Burgwedel scheidet das Rad für mich als ständiges Fortbewegungsmittel aus. Wer als Autofahrer gern flott von A nach B kommt, hat seine ganz eigene Sicht auf die Radfahrer in den Isernhagener Altdörfern. Die Schilder „Fußweg, Radfahrer frei“ entlang der Ortsdurchfahrt stellen es diesen frei, ob sie den oft schmalen Randstreifen nutzen oder sich doch lieber auf der Fahrbahn einsortieren. Das weiß ich zwar, aber toll ist es als Autofahrer nicht, wenn mal wieder ein Radler auf der Straße das schnelle Fortkommen behindert.

Mit dem Gefühl, dass ich als Radfahrer da irgendwie nicht hingehöre, beginne ich deshalb den Selbstversuch immer an der Bordsteinkante entlang durch die Altdörfer – und dieses Gefühl, etwas falsch zu machen, will auch bis zum Ende nicht recht weichen.

Den Fahrradschutzstreifen, den Land und Region nach den anstehenden Sanierungen der Ortsdurchfahrten auf den Asphalt pinseln werden, gibt es noch nicht – auch nicht auf der Burgwedeler Straße in H.B., wo ich die Tour beginne. Das Einfädeln auf die L 381 fällt leicht, ausnahmsweise quält sich mal keine Autoschlange durchs Dorf. Als sich dann die ersten Wagen von hinten nähern, bin ich angenehm überrascht: Ausnahmslos alle Fahrer gedulden sich einen Moment, wenn Gegenverkehr auftaucht, und überholen mich dann mit angenehm großem Sicherheitsabstand. Das habe ich auch schon anders gesehen! Was aber keineswegs angenehm ist: Beim Überholen beschleunigen die Wagen, die Abgase bekomme ich direkt ins Gesicht – auf dem Radweg merke ich das sonst nicht. Immerhin: Vom starken Lastwagenverkehr, der viele Isernhagener nervt, ist an diesem Tag nichts zu merken. Und die breiten Busse kommen mir fürs Erste auch nur entgegen. Der Traktor, der sich am Sieversdamm hinter mir einsortiert, biegt glücklicherweise ab – ich hatte gerade überlegt, doch mal rechts ranzufahren und ihn passieren zu lassen ...

Den Weg über Großburgwedel spare ich mir, kürze am TSV Isernhagen nach F.B. ab – und ärgere mich über zwei entgegenkommende Autofahrer. Deren SUV haben zwar große Geländereifen, den geschotterten Randstreifen nutzen die Fahrer dennoch nicht – und preschen mit Tempo 50 dicht an mir vorbei. Na super, wie rücksichtsvoll.

An der Tiefen Trift erreiche ich wieder das Isernhagen-U. Die Autos passieren mich immer in kleinen Gruppen, die hinteren Wagen würden gern ein bisschen schneller fahren, was der vordere aber verhindert. Na wartet, gleich bin ich das Hindernis ... Aber auch hier: Die allermeisten gedulden sich, wenn Gegenverkehr auftaucht, und überholen mit Abstand.

Der Regiobus-Fahrer, der sich auf der Hauptstraße hinter mir einsortieren muss, ist da die große Ausnahme. Klar muss er seinen Fahrplan einhalten, aber als er beim Überholen keinen halben Meter Platz zu mir lässt, zucke ich zusammen. Als Berufskraftfahrer weiß er genau, wo sein Bus endet – aber kann er ahnen, ob ich vielleicht einen kleinen Schlenker fahre, als er mich überholt?

Sein Busfahrerkollege, der an der Heinrich-Könecke-Straße hinter mir auftaucht, macht das besser: Er überholt erst, als es wirklich passt, lässt mir 1,50 Meter Luft. Dafür musste er allerdings ein paar Hundert Meter auf der Dorfstraße hinter mir hertuckern. In N.B. komme ich kurz ins Schwitzen: Am Einkaufszentrum parkt ein dunkler Wagen rückwärts aus, viel sehen kann der Fahrer offenbar nicht, als er auf die Fahrbahn rangiert. Gut, dass meine Bremsen funktionieren. Auf dem Weg zurück nach H.B., immer dicht am Bordstein entlang, wundere ich mich, dass trotz Feierabendverkehrs so wenige Lastwagen unterwegs sind. Vor ihnen hatte ich vorher den größten Respekt gehabt. Warum, zeigt sich am Einkaufszentrum in H.B.: Ein weißer Lastwagen schiebt mich förmlich vor sich her, hält keine zwei Meter Abstand. Was für ein A...! Als er endlich überholt, wünsche ich ihm eine Reifenpanne im Regen, am besten irgendwo im Nirgendwo.

Im Einkaufszentrum in H.B. endet für mich die Radtour auf der Straße. Für den Heimweg nehme ich lieber (erlaubterweise) den Fußweg entlang der Burgwedeler Straße – auch wenn dort Hecken in den Weg wachsen, Wurzeln das Pflaster hochdrücken, man an den Einfahrten der Grundstücke höllisch aufpassen und ich auf Fußgänger Rücksicht nehmen muss.

Mein Fazit: Die recht schmale Fahrbahn der Ortsdurchfahrt in den Altdörfern taugt meiner Meinung nach nur für hartgesottene Radfahrer. Ob sich das mit dem Fahrradschutzstreifen ändern wird? Ich habe da so meine Zweifel ... Die Abgaswolken, die einem direkt ins Gesicht wabern, sind das eine, mancher rücksichtslose Autofahrer das andere. Der Gedanke, dass meine Kinder, sobald sie 13 Jahre alt sind, auf der Straße fahren sollen, lässt mich schaudern. Und auch ältere, unsichere Radfahrer kann ich mir mitten zwischen den vielen Tausend Autos täglich nicht gut vorstellen im Isernhagen-U – erst recht nicht bei Regen oder in der Dunkelheit.

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Von Frank Walter

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